Donth soll’s nochmal richten

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Mit Michael Donth zieht die CDU im Herbst 2017 in den Bundestagswahlkampf.   Foto: 

Das Ergebnis war mit Spannung erwartet worden. Auf Michael Donth entfielen am Freitagabend bei der Wahlkreismitgliederversammlung der CDU in der Lichtensteinhalle 200 der 270 gültigen Stimmen. Nur gut ein Viertel der Unionsmitglieder (70) sahen im 35-jährigen Unternehmer Hans-Fabian Bail den geeigneteren Kandidaten für die kommende Bundestagswahl. Donth, der für die CDU seit 2013 den Wahlkreis 289 im Bundestag vertritt, überflügelte nicht nur seinen parteiinternen Herausforderer, er übertraf auch das Ergebnis aus dem Jahr 2012, als er sich erstmalig zur Wahl stellte. Damals hatte er sich mit 51,6 Prozent gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt.

Der Abstimmung ging ein Rededuell voraus, in dem sich beide Kandidaten getrennt voneinander vorstellten und für ihre Positionen warben. Donth zog ein positives Fazit unter die Arbeit der unionsgeführten Regierungskoalition in Berlin. Zwar gestand er Fehler bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise und zeitweise einen staatlichen Kontrollverlust ein, der sich so nicht noch einmal wiederholen dürfe, doch mittlerweile seien umfangreiche Maßnahmen ergriffen, mit denen es gelungen sei, die Einwanderung nachhaltig und dauerhaft zurückzufahren. Hier, wie auch anderswo, sieht er die Hausaufgaben erledigt: Seit drei Jahren in Folge stehe die schwarze Null, noch nie seien so viele Menschen in Lohn und Brot gewesen, die Renten würden steigen. Auch sei es gelungen, den Albaufstieg bei Lichtenstein in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans zu bringen: „Ein Riesenerfolg für die Region“.

Geschafft habe man all dies mit einem Koalitionspartner an der Seite, der sein Fähnchen gerne in den Wind hänge und sich nun anschicke, rot-rot-grüne Bündnisse auszuloten. Für Donth mehr als nur ein harmloser Flirt, vielmehr wäre dies „der Anfang vom Ende eines Deutschlands, wie wir es kennen und schätzen“. Eine Regierung unter Beteiligung der SED-Nachfolgepartei könne und dürfe es im Bund nie geben. Daher gelte es, nun die richtigen Weichen zu stellen und deutlich zu machen, wofür die CDU stehe: Für einen Erfolgskurs.

Kritischere Töne schlug dagegen sein Konkurrent Hans-Fabian Bail an. Er hält die CDU als Ganzes für angeschlagen, verliere sie doch mehr und mehr an Glaubwürdigkeit. Als Mitgliederreferent sehe er sich den Sorgen der CDU-Mitglieder gegenüber. Und er betonte die Notwendigkeit, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, ihre Sorgen zu verstehen und aufzunehmen. Ob es der fragwürdige Umgang mit der EU-Schuldenkrise sei, in dessen Folge die Renditen für Sparer dauerhaft gesunken, Aktien- und Immobilienmärkte dagegen aufgebläht seien oder aber die Flüchtlingskrise, die man nur mit Hilfe anderer gelöst habe, statt sich in den Jahren zuvor um eine gesteuerte Einwanderung gekümmert zu haben:

Bail hält nach den „Abstürzen“ während den vergangenen Wahlen eine Kurskorrektur für notwendig, vor allem aber eine Rückkehr zu einer verlässlichen Politik, in der sich der ursprüngliche Markenkern der CDU wiederfinde. Grundwerte wie innere und äußere Stabilität, Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und Ordnung seien als Eckpfeiler durch Entscheidungen auf Bundesebene verwässert oder teils ganz außer Kraft gesetzt worden: „Viele Mitglieder fühlen sich einfach nicht mehr wohl“, lautete seine Problembeschreibung. In Lichtenstein verfing sie jedoch nur bei einem Teil der CDU-Mitglieder. Mit großem Rückhalt bestärkt, zeigte sich  der Römersteiner Michael Donth glücklich über ein „gutes Ergebnis“. Er appellierte an die Parteimitglieder, nun da der Bundestagswahlkampf eingeläutet sei, trotz etwaiger Differenzen, geschlossen am gleichen Strang zu ziehen: „Dann werden wir sehr erfolgreich sein“.

Die CDU im Kreis zählt aktuell 1060 Mitglieder. In der Lichtensteinhalle versammelten sich am Freitagabend 278 Wahlberechtigte. Sie hörten ein Grußwort der CDU-Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer (Alb-Donau/Ulm).

Und sie entschieden nicht nur über die Nominierung des Bundestagskandidaten, sondern auch über die Delegierten für die Bezirks- und Landesvertreterversammlung. Bei 254 gültigen Stimmzetteln wurden als Landesdelegierte gewählt: Michael Donth (192 Stimmen), Manuel Hailfinger (169), Ralf Stoll (93), Eberhard Baisch (92) und Anna Kühne (90). sim

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