Donnerstag ist Judo-Tag für alle

"Die Verhinderung von Gewalt ist nur ein positives Nebenprodukt", sagt Jörg Meißnest. Der Sonderpädagoge hat mittlerweile die gesamte Grundschule in Rommelsbach mit dem "Judo-Virus" infiziert.

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Wie verhält sich ein Kind, das sich im "Schwitzkasten" befindet? Beim Judo kann jeder zu jeder Zeit ein Zeichen geben und damit sagen: "Stopp, ich gebe auf." Aber: Das will gelernt sein. Dazu gehört Mut. Und auch das Bewusstsein, dass der andere mich zwar am Boden gehalten hat, bei der nächsten Auseinandersetzung die Karten aber neu gemischt werden. Selbstbewusstsein ist da gefragt. Und das haben vor allem verhaltensauffällige Kinder wenig. Oder gar nicht.

Seit 13 Jahren kümmern sich Sonderpädagogen in Rommelsbach in einer "Außenklasse" der Oberlinschule (Schule für Erziehungshilfen) vor Ort um verhaltensauffällige Kinder. Drei Sonderpädagogen sind heute dafür zuständig. Und sie kümmern sich nach dem "Rommelsbacher Modell" direkt in der Grundschule in den einzelnen Klassen (zusammen mit der Klassenlehrerin) um die Schüler. "Wer von den Kindern zusätzliche Betreuung braucht, ist oftmals gar nicht erkennbar", sagt Jörg Meißnest. Denn: Es gibt bei der zusätzlichen Betreuung innerhalb der Klassen keine feste Zuteilung. "Wenn es nötig ist, nehmen wir Kinder aus den Klassen heraus, beschulen sie in Gruppen oder einzeln." Das wird oftmals von den anderen Kindern gar nicht gern gesehen - sie wollen dann auch mit. Grund: Die Sonderpädagogen an der Grundschule haben den Ruf, dass die Schüler bei ihnen etwas Besonderes erleben. Und sie erhalten natürlich auch mehr Zuwendung, als das im normalen Klassenverbund möglich ist. Besondere Erlebnisse gibt es für die Kinder immer auch beim Judo: Anfangs wurde diese Sportart als Projekt Viertklässlerinnen angeboten. 2005 war das. Daraus hat sich schnell ein eigenes Unterrichtsfach entwickelt. Warum? "Wir haben gesehen, dass wir bei freiwilliger Teilnahme gar nicht die Schüler erreichen, die wir erreichen wollten", so Meißnest. Heute ist jeden Donnerstag Judo-Tag. Und zwar für alle Schüler der Grundschule. Nur die ersten Klassen haben dienstags Judo-Unterricht bei zwei Studentinnen der Sonderpädagogik und den Klassenlehrerinnen. "Ich kann manchmal selbst nicht glauben, wie positiv sich Kinder mithilfe von Judo entwickeln", sagt Jörg Meißnest. Überzeugt vom Judo als Unterrichtsfach sind im Übrigen nicht nur die Sonderpädagogen, sondern auch der Großteil der Lehrerinnen. Klar ist dabei: Die Kinder werden durch Judo nicht zu Engeln. Und paradiesische Zustände sind auch in Rommelsbach nicht zu finden. Aber: Das Wichtigste sei, das Selbstbewusstsein der Kinder zu fördern, betont Meißnest. "Und das ist harte Arbeit", sagt er.

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