Digital verpixelte Welt Roland Milkau stellt Zeichnungen und Fotografie im TTR aus

Roland Milkau setzt sich in seinen Arbeiten mit der technisch manipulierten Wirklichkeit im Medienzeitalter auseinander. Zeichnungen und Fotografien des Künstlers sind derzeit im Technologiepark zu sehen.

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Roland Milkau konfrontiert den Betrachter mit Schnappschüssen und Fernsehszenen, ungenau und pixelig gehalten. Noch bis 20. Januar sind seine Arbeiten im Technologiepark Tübingen-Reutlingen zu sehen. Foto: Marie-Louise Abele

Es sind viele Arbeiten zu sehen, sie reihen sich aneinander und überkommen den Betrachter mit ihrem gehaltvollen Inhalt. "Bilderflut" nennt es Clemens Ottnad. Der Albstädter Künstler Roland Milkau nimmt sich dieser Masse an, extrahiert "Standbilder aus Fernsehszenerien, Videostills der Musikindustrie oder Screenshots von Überwachungsvideos" und verwandelt sie in täuschend echte Grafitzeichnungen und "andere Linienarbeiten".

Herausgenommen aus ihrem Kontext zeigt Milkau in der Ausstellung "nach.bild" im Technologiepark Tübingen-Reutlingen (TTR) schlaglichtartig das alltägliche Medienleben. Was im Ausgangsprodukt wohl noch manipuliert und ästhetisch aufbereitet ist, bekommt durch seine Einzelstellung, als "Nachbild", eine ganz andere Aufgabe. Der Künstler versetzt es in eine gerasterte, digital verpixelte Bildwelt. Harmlos, nackt und ohne Bezug steht das Geschehene und Gesehene dem Betrachter gegenüber, herausgerissen aus der anderen, viel schnelleren medialen Bildwelt.

Milkau verwendet, neben den fotografisch bearbeiteten Werken, Bleistift, Grafit und auch malerische Farbaufträge und verleiht seinen Bildern eine rätselhafte Unschärfe, die dem Einzelbild etwas Unverbindliches mitgibt. Der Betrachter erkennt schnell, dass sich durch Änderung seiner Entfernung zum Bild "dessen Gehalt, oder Gestalt, zusehens formiert und klärt oder aber umgekehrt in zunehmende Auflösung übergeht". Wer zu nah steht, vergibt sich die Chance, das Gesamte zu erfassen, wer zu weit weg steht, der verpasst Details.

Der Künstler hält die Zeit an und damit die ganze rasante Bilderflut, "um sie auf allgemein gültige Wirksamkeit und ein Wirklichsein zu untersuchen". Heruntergebrochen auf seine schwarz-weiße Welt sind die geglätteten, langweilig schönen Werbegesichter nur noch (ironisch?) mutierte Wesen. Der Betrachter ist zum Rätseln angehalten. Wo befinden sich die Menschen? Sind es überhaupt Menschen? Küssen sie sich? Haben sie sich nichts mehr zu sagen?

Die unheimlichen, in Linie gebrachten Punkte in den Bildern im Treppenaufgang entpuppen sich als Ausschnitt einer Häuserfront, gar das Haus, in dem man sich gerade befindet? Der Albstädter Milkau nimmt in einem Moment den Betrachter an die Hand und lässt erkennen, im nächsten aber steht alles wieder in Frage.

Milkau, 1956 in Mühlheim an der Donau geboren, studierte von 1973 bis 1977 am Pädagogischen Fachseminar in Stuttgart, seither arbeitet er als Kunsterzieher in Balingen und Albstadt. In zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen ist er seit 2000 vertreten, zudem erhielt er den Kunstpreis der Stadt Albstadt.

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