Diebstahlserie bringt Haftstrafen

Die Jugendschöffenkammer des Amtsgerichts Reutlingen hat am Freitag zwei Jugendliche zu mehrmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt. Sie haben mehrere Einbruchsdiebstähle in Münsingen begangen.

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Die beiden Beschuldigten im Alter von 18 und 21 Jahren räumten ein, sich im Januar diesen Jahres mit Werkzeug Zutritt in ein türkisches Vereinsheim in Münsingen verschafft zu haben und dort neben Getränkedosen und Bargeld auch ein großes Plasmafernsehgerät im Wert von rund 500 Euro mitgenommen zu haben.

Nach damaligen Hinweisen aus der Bevölkerung durchsuchten Polizeibeamte die Münsinger Wohnung des heute 21-jährigen Angeklagten. Dort stießen sie aber nicht nur auf das vereinseigene Fernsehgerät und die türkischen Energydrinks, sondern fanden weitere Gegenstände, die sie als Diebesgut zweier vorangegangener Einbrüche identifizieren konnten.

Unter den rund 70 beschlagnahmten Stücken waren etwa Billiard-Queues und Nussspender aus einem Münsinger Lokal (dort wurden unter anderem auch Spielautomaten aufgebrochen) sowie ein Laptop, entwendet bei einem Einbruch in einem Münsinger Geschäft. Der 21-Jährige äußerte sich bis zuletzt nicht zum Vorwurf auch für diese beiden Einbrüche verantwortlich zu sein. Vielmehr überließ er es seinem Anwalt Christos Psaltiras, die Hausdurchsuchung als solche in Zweifel zu ziehen und der Verwertung der zusätzlich beschlagnahmten Beweismittel zu widersprechen. Denn nachdem das Diebesgut aus dem Vereinsheim schnell gefunden gewesen sei, hätten die Polizeibeamten die Wohnung gezielt weiter nach "Zufallsfunden" durchsucht, so der Anwalt. Das müsse ein zwingendes Verwertungsverbot der belastenden Funde nach sich ziehen. Sein Mandant sei deshalb von jenen Vorwürfen freizusprechen.

Eine Argumentation die jedoch bei Richter Friederich Haberstroh, auch nach Studium der polizeilichen Videodokumentation, nicht verfing. Schon alleine deswegen nicht, weil die Beamten in der kleinen Wohnung zwangsläufig auf das weitere Diebesgut hätten stoßen müssen. Die Funde lassen vielmehr "keine vernünftigen Zweifel" daran zu, dass weitere Straftaten verübt wurden, so der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Der 21-jährige wurde so wegen dreifachen Einbruchdiebstahls zu einer Jugendstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hat zudem 100 Arbeitsstunden abzuleisten. Wegen Einbruchs in das türkische Vereinsheim aber auch wegen Hehlerei in zwei Fällen wurde der zur Tatzeit 17-Jährige mit einer Bewährungsstrafe von acht Monaten belegt. Hinzu kommen 80 Arbeitsstunden. Das Strafmaß entspricht damit weitgehend der Forderung von Staatsanwältin Michaela Nörr - es kommt aber nicht ohne weitere Bewährungsauflagen aus. Beide Angeklagte sind derzeit arbeitslos und haben momentan wenig Zukunftsperspektive. Um einen Bewährungswiderruf zu vermeiden, müssen sie künftig nachweisen, dass sie sich aktiv um eine Ausbildungsstelle oder einen Arbeitsplatz bemühen.

Die nun verhängte Strafe will Richter Haberstroh denn auch als "Warnung" an die jungen Männer verstanden wissen. Vor allem an die Adresse des bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getretenen 21-Jährigen appellierte er: "Sie müssen sehen, dass sie künftig klar kommen".

Der Jugendgerichtshelfer attestierte ihm zuvor einen "nicht ganz einfachen" Werdegang sowie fehlende Reife. Er ist ebenso Sohn russischer Spätaussiedler wie sein 18-jähriger Komplize. Dessen Eltern bezeichnete die Jugendgerichtshelferin als "überfordert", ihn als "auf sich selbst gestellt". Sie riet zu einer engen Betreuung. Nach eigenen Aussagen bemüht er sich derzeit um eine Arbeitsstelle.

Das Verfahren gegen einen ursprünglich ebenfalls angeklagten 30-jährigen Mann aus Münsingen, wurde eingestellt. Er sitzt jedoch wegen anderer Vorwürfe derzeit in Untersuchungshaft.

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