Die Zeichen stehen auf Sturm

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Sie erwarten von der IG Metall Forderungen, die eine verhandelbare Basis darstellen (von links): Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick, Bezirksvorsitzender Reiner Thede und Bezirksgruppen-Geschäftsführer Dr. Jan Vetter.  Foto: 

Vor dem Hintergrund ihrer jüngsten Mitgliederversammlung hat sich der Arbeitgeberverband Südwestmetall, Bezirk Reutlingen, zu den anstehenden Tarifverhandlungen mit der IG Metall und deren Forderungen in einem Pressegespräch geäußert. „Was wir jetzt von der IG Metall hören“, so Bezirksgruppenvorsitzender Reiner Thede, „lässt leider wenig Gutes erwarten. Die Forderung nach sechs Prozent mehr Geld ist völlig überzogen. Und auch die alimentierte Arbeitszeitverkürzung für große Teile der Belegschaft wäre ein extremer Kostentreiber.“ Er appellierte an die Gewerkschaft, ihre Vorstellungen bis zum endgültigen Forderungsbeschluss auf ein wirtschaftlich vertretbares Maß zu reduzieren.

Neben einer Gehaltserhöhung von sechs Prozent fordert die IG Metall für alle Beschäftigten den Anspruch, die Arbeitszeit vorübergehend auf bis zu 28 Wochenstunden absenken zu können. Für bestimmte Beschäftigungsgruppen soll es dabei einen Entgeltzuschuss geben. Dies kann Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer von Südwestmetall, überhaupt nicht nachvollziehen. So soll jeder Beschäftigte einen Anspruch haben, seine Arbeitszeit für einen Zeitraum von maximal 24 Monaten auf wöchentlich 28 Stunden zu reduzieren. Zudem sollen Beschäftigte, die Kinder unter 14 Jahre oder pflegebedürftige Angehörige haben und ihre wöchentliche Arbeitszeit um mindestens 3,5 Stunden reduzieren, einen fixen Zuschuss erhalten.

Außerdem, so Peer-Michael Dick, „sollen Schichtarbeiter im Rahmen ihrer Wahloption die Arbeitszeit um mindestens fünf Tage im Jahr verkürzen können und dafür einen Entgeltzuschuss erhalten“. Das betreffe alles in allem 60 Prozent der Beschäftigten und würde einer Gehaltserhöhung von zwölf Prozent entsprechen. „Das ist hanebüchen und nicht vertretbar“, sagte Dick.

Um zu verdeutlichen, dass in der Metall- und Elektroindustrie gutes Geld gezahlt wird, wies der Hauptgeschäftsführer darauf hin, dass das Durchschnittsgehalt bei 64 000 Euro liege und das Anfangsgehalt eines Facharbeiters bei 43 000 Euro. „Ich weiß nicht“, so Dick weiter, „wie die IG Metall  ihre Forderung anderen Beschäftigten gegenüber rechtfertigen möchte“.

Arbeitgeber befürchten Chaos

Weiter ärgert sich der Funktionär über die Ankündigung der IG Metall, gegebenenfalls zu Ganztagesstreiks aufzurufen. Hier werde gerade so getan, „als würde das große Elend um sich greifen“. Peer-Michael Dick befürchtet, dass die bevorstehende Tarifauseinandersetzung das „große Chaos“ bringen wird. Und er ist sich sicher, dass die Forderungen der Gewerkschaft, so sie denn erfüllt würden, einen  großen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten würden. „Die Arbeitszeitforderungen“, ergänzte Reiner Thede, „würden für die Entwicklungsabteilungen der Unternehmen eine riesige Herausforderung bedeuten.“ Würde einer aus einem Team bis zu fünf Tage im Jahr fehlen, könnte das nicht kompensiert werden.

Dies wäre ein großer Schaden für den Entwicklungsstandort Deutschland. Für diesen Fall sieht der Vorsitzende dunkle Wolken am Firmament  über Deutschland heraufziehen. Es sei dann nur ein kleiner Schritt zur Verlagerung der Produktion ins Ausland. Dick und Thede appellieren deshalb an die IG Metall, Forderungen zu stellen, die eine „vernünftige Basis“ für Verhandlungen bilden. Die jetzigen seien es jedenfalls nicht. Hauptthemen der Mitgliederversammlung waren freilich die Ergebnisse einer Umfrage zur wirtschaftlichen Situation der Mitgliedsunternehmen. Demnach blicken die Unternehmen auf ein wirtschaftlich gutes Jahr 2017 zurück.

Der Blick auf das nächste Jahr fällt laut Reiner Thede allerdings etwas verhaltener aus. 55 Prozent der Betriebe erwarten bis zum Ende dieses Jahres eine bessere Auftragslage als im vergangenen Jahr. Für 2018 würden das nur 35 Prozent so sehen. Dagegen rechneten 19 Prozent für das kommende Jahr mit einer erheblich schwächeren Auftragslage, 16 Prozent tun dies für das laufende Jahr. Was die Beschäftigten betrifft, so ist ein leichter Personalaufbau bei den Mitgliedsbetrieben zu erwarten.

Südwestmetall ist der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektro-Industrie in Baden-Württemberg. Er ist Ansprechpartner für Unternehmen in arbeits- und sozialrechtlichen, tarifvertraglichen und sozialpolitischen Fragen.

Der Verband ist Sprachrohr für seine Mitgliedsbetriebe gegenüber Gewerkschaft, Staat und Öffentlichkeit. Zusammen mit dem Sozialpartner  vereinbart Südwestmetall in Tarifverträgen die Bedingungen der Arbeitsverhältnisse.

Die Bezirksgruppe Reutlingen von Südwestmetall und des tarifungebundenen Unternehmensverbandes Südwest betreut in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen, Calw, Freudenstadt, Zollernalb und im nördlichen Teil des landkreises Sigmaringen 224 Betriebe mit rund 51 000 Mitarbeitern. 111 Betriebe sind Mitglieder bei Südwestmetall.

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