Die Treue zum Stil

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The Brandos-Sänger Dave Kingcaid und seine Bandkollegen wussten bei ihrem ersten Auftritt im „Hirsch“ zu gefallen.  Foto: 

Fünf Zugaben und mehr als zwei Stunden kraftvoller Ostküstenrock mit mexikanischem Einschlag: Mit einem grundsoliden Auftritt und mächtig viel Getöse trafen die Mannen der 1987 gegründeten New Yorker Band The Brandos bei ihrem ersten von zwei Auftritten genau den Nerv des Publikums in der vollen Kulturkneipe.

1994 veröffentlichten The Brandos mit „The Light of Day“ ein Album, das so pfiffig Irish Folk und Country mit hartem Ostküsten-Rock verknüpfte, dass es das Zeug dazu hatte, ein Klassiker im gerade aufkeimenden Alternative-Country-Genre zu werden.

Doch die Band aus New York hatte ein Problem, das sie mit manch anderen US-amerikanischen Bands teilte: Sie war und ist in den USA weit weniger erfolgreich als in Europa, wo sie vor allem in den Niederlanden und Deutschland ihre Fans hat. Dass The Brandos nach zehn Jahren Pause ihr neues Album „Los Brandos“ nun ausgerechnet in der kleinen Kulturkneipe in Glems – und das gleich zwei Mal – vorstellten, liegt an eben diesem Phänomen und daran, dass Programmmacher Walter Dieterle einen guten Draht zur Band hat.

Im Hirsch wird die noch immer vitale Hard-Folkband, deren Name sie ihrer einstigen Vorliebe für den Schauspieler Marlon Brando verdankt, von einem begeisterten, altersmäßig gemischten Publikum gefeiert, unter dem sich Rockfans von außerhalb ebenso befinden wie alteingesessene Glemser. Sie erleben gemeinsam ein Konzert, in dem sich auf sinnbildliche Art Rock und Irish Folk, Country- und Tex-Mex-Elemente begegnen: Dabei wirkt die Art, in der Frontmann Dave Kingcaid seine Gitarre spielt, noch immer mühelos wie in alten Zeiten.

Gut kommt auch an, wie er eine Auswahl alter Hits aus seinem Schatzkästlein kramt und dramaturgisch geschickt im Programm platziert. Für die vier wackeren Haudegen dieser Band bedeutet Rock´n´Roll noch immer handgemachte Musik, und vor allem Bandleader Kingcaid wirkt dabei kein bisschen müde oder ausgelaugt. Die zehnjährige Pause hat ihm offensichtlich gut getan.

Die um Dave Kingcaid neu formierte Band spielt einen hymnischen Ostküsten-Rock, der aber mehr als früher von spanisch-mexikanischen Einflüssen geprägt ist. Gut die Hälfte der Songs, die auf dem neuen Album versammelt sind, singt Kingcaid auf Spanisch. Das rührt wohl daher, dass der 60-jährige Bandgründer mehrere Jahre in Mexiko gelebt hat. Seine hohe, heisere Stimme, die in den besten Momenten an die von CCR-Sänger John Fogerty erinnert, ist bis heute ebenso geblieben wie das prägnante Gitarrenspiel: In jedem Lied gibt es mindestens ein Solo, unfassbar kurz und präzise.

Während die neueren Stücke wie „Suffer in Silence“, „Senor Coyote“ oder „Querer a Los Ninos“ bei den Fans noch nicht so richtig zünden, gibt es bei Songs wie „Gettysburg“, „The Light of Day“ oder „The Solution“ kaum ein Halten mehr. Da wird jede Zeile lautstark mitgesungen, und die Hände klatschen wie in Trance zum Solo von Dave Kingcaid oder dem zweiten Gitarristen Frank Giordano – ach, wäre man doch damals in den Achtzigern Rockstar geworden.

Zumindest Gründer und Bandleader Kingcaid ist es seit über 30 Jahren geblieben. Heute gleicht er zwar eher einem gut gekleideten Musiklehrer als einem Rockstar, doch seinen Auftritt genießt er wie in alten Zeiten. Der Kontakt zur Jugend hält einen eben auch selber jung, selbst wenn die Jugend im Publikum an diesem Abend in der Mehrzahl schon etwas gereifter ist.

Am 25. Juni kann man sich im Hirsch noch einmal davon überzeugen, dass The Brandos eine Band sind, die irischen und mexikanischen Folk sowie handgemachten Rock brillant zu kombinieren weiß. Vor allem die alten Klassiker sprühen geradezu vor Energie. Fazit: Die Zeiten haben sich geändert, doch The Brandos bleiben ihrem Stil treu. Und das ist gut so.

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