Die Tracht als Schatz

Seit Mitte der 1980er Jahre lädt das Württembergische Trachtenmuseum zur Reise in die Vergangenheit ein. Dorothea Brenner berichtet von Kleidungsstücken fürs Leben, von einer Zeit vor schnelllebiger Mode.

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Trachten, bei dem Thema ist man bei Dorothea Brenner und ihrem Museumsteam sehr gut aufgehoben. Sie haben Ahnung von der Alltagskleidung im und um das Königreich Württemberg, eines der vielen Stadtrundgangsthemen, die vom Kulturamt in Zusammenarbeit mit den Experten angeboten werden.

"Heute hat die Tracht einen sehr emotionalen Stellenwert", weiß die studierte Volkskundlerin und Trachtenmuseumsleiterin Dorothea Brenner. So werde oft vergessen, dass die sogenannte Tracht für unsere Ahnen ganz einfache Alltagskleidung war, einmal für Festtage und einmal für die Arbeitstage. "Es war nichts Besonderes, aber auch nichts Statisches, denn sie hat sich schon immer mal verändert." Es richtete sich danach, welchen Stoff, Knöpfe und Bänder der Kaufmann am Ort gerade im Angebot hatte und wie viel Geld für Kleidung überhaupt übrig war. Also war Tracht nicht gleich Tracht und variierte natürlich von Gegend zu Gegend, von Ort zu Ort. So trug man im Schwarzwald andere Farben als in Oberschwaben. "Natürlich spielte da die Mentalität und Konfession eine große Rolle."

Dorothea Brenner und das Team des Württembergischen Trachtenmuseums und die dazugehörige Nähstube haben es sich zur Aufgabe gemacht, bestehende Funde zu sichern, zu erhalten und natürlich zu zeigen. Die alten Gewebe werden brüchig und müssen immer wieder vorsichtig erneuert werden. Das gilt für Schürzen, Hosen, Mieder und Hüte gleichermaßen. Es wird geflickt, gestopft, genäht und gestickt, wie früher in den Lichtstuben, als man abends am Ofen saß und die Handarbeit verrichtete.

Alles begann noch vor der Eröffnung des Museums in den frühen 1980er Jahren. Hobbynäherinnen hatten Freude daran, die erhaltenen Trachten, die ihnen angeboten wurden, zu restaurieren - ganz sauber und fein, authentisch, ursprünglich und natürlich in zahlreichen Arbeitsstunden. Die benötigten Fäden, Haken und Knöpfe wurden damals aus alten, kaputten Stücken genommen.

Die Arbeit wird auch heute nicht weniger, immer wieder kommen außerordentliche Schätze ins Museum, entdeckt in alten Kellern, Wäscheschränken der Großmutter und Dachböden. Sie werden akribisch in der Nähstube im Neske-Haus bearbeitet. Spannend wird es dann richtig, wenn die Datierung der historischen Kleidungsstücke gefragt ist. Dorothea Brenner hat diese kulturhistorische Forschung schon von Kind auf interessiert. Vieles weiß man durch Überlieferung, es gibt sogar schriftliche Dokumente. So weiß man, wann welche Stoffe überhaupt erst auf den Markt kamen.

Zum Beispiel wurden Samtbänder erst nach 1820 für die Hauben benutzt. Die Qualität war meist sehr gut, so konnten die guten Stücke weitergereicht werden. "Es wurde damals viel verliehen und auch vererbt", erklärt Brenner. Gleiches geschieht heute noch, derzeit darf das Württembergische Trachtenmuseum die Eutinger Tracht als Leihgabe und Besonderheit ausstellen. In diesem Jahr ist das Trachtenmuseum zum Informationszentrum des Biosphärengebiets Schwäbische Alb geworden. "Diese Zentren sollen dem Besucher die Thematik Biosphärengebiet näher bringen. Verschiedene Handlungsfelder wie zum Beispiel Land- und Forstwirtschaft, erneuerbare Energien, Geologie, nachhaltiger Tourismus, Naturschutz oder auch Stadtentwicklung werden dabei in den Häusern thematisiert."

Hier erhalten die Besucher am Touch-Screen-PC schwerpunktmäßig Informationen zu den rund 130 ausgestellten Trachten aus dem ganzen Umkreis. Auf Knopfdruck wird eine ganze Trachtengruppe beleuchtet und es ertönen Dorfgespräche aus dem 19. Jahrhundert, gesprochen von zwölf Mitgliedern des Schwäbischen Albvereins und natürlich in richtigem Pfullinger Schwäbisch.

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