Die Straßenbahn kehrt zurück

Die Straßenbahn wird 100. Und auch wenn sie stillgelegt ist, ist der Zug, was ihre Zukunft angeht, noch  längst nicht abgefahren.

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100 Jahre Straßenbahn – dem Thema ist seit Mai bereits eine Sonderausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Schlössle gewidmet. Dabei allerdings wollen es die Pfullinger nicht belassen. Ab kommender Woche kommt der Beiwagen Nummer 40 wieder einmal so richtig in Fahrt: Was 2012 bei den Kulturwegen geklappt hat, wird auch 2016 wieder funktionieren, hat sich der Brauchtumsverein gedacht und positioniert das Gefährt einmal mehr auf dem Marktplatz.

Am Montag schon soll ein Tieflader das sechs Tonnen schwere und elf Meter lange Fahrzeug vom Farrenstall – dort hat es der Brauchtumsverein über Jahre hinweg restauriert – über die Römerstraße und den Lindenplatz auf den Marktplatz bringen. Wenn’s dumm läuft und Tieflader und Straßenbahn nicht an der Bäckerei Berger vorbeipassen, müssen sie allerdings noch einen Umweg über die Kirchstraße nehmen. All diese Unwägbarkeiten hoffen die Brauchtumspfleger indes gut überwinden zu können, um das Gefährt dann die ganze Woche lang auf die große Jubiläumsaktion vorbereiten zu können. „Wir müssen schließlich noch die Stromversorgung herstellen, eine Rampe aufbauen und alles dekorieren, damit’s auch was fürs Auge gibt“, erklärt Martin Schindler, der zweite Vereinsvorsitzende. All das bringt indes einen „nicht unerheblichen finanziellen Aufwand mit sich“, wie Dieter Metzger, Chef der Brauchtumspfleger, betont. Weshalb der Verein auf Sponsoren setzt.

Bis zum Freitag haben Metzger, Schindler und Co. dann Zeit, den Beiwagen aufzupeppen. Dann nämlich – am 15. Juli um 19.30 Uhr – ist Start der Aktion, zu der derzeit auch noch ein Info-Flyer mit den einzelnen Terminen in der Mache ist und bei der der Verein vom städtischen Kümmerer Horst Rehm kräftig unterstützt wird.

Mit dabei ist am ersten Abend der Musikverein Stadtkapelle, der sein Sommerabendkonzert auf dem Marktplatz geben wird. Fünf Wochen – „wenn’s gut läuft, vielleicht auch ein bisschen länger“, so Schindler –  soll der Beiwagen einen Hauch von Nostalgie über den Marktplatz wehen lassen. „Und die Aktion belebt ja auch die Innenstadt“, ist sich Metzger sicher.

Märchenstunde, Modenschau, Berichte über die Restaurationsarbeiten am Triebwagen, Infos zur Regionalstadtbahn, ein geschichtlicher Rückblick des Stadtarchivars Stefan Spiller, Bilder zur Straßenbahn von Steffen Burgemeister, Erinnerungen des Ex-Schaffners Bernhard Madel und Straßenbahngeschichten von Wolf-Rüdiger Gassmann und Raimund Vollmer – all das und noch einiges mehr ist jetzt schon geplant.  Und lässt sich durchaus noch erweitern, wie die Brauchtumspfleger erklären. Zwar soll’s jeden Tag maximal eine Aktion geben, im Terminplaner sind aber noch freie Plätze zu finden. Gleichzeitig soll der Beiwagen auch jeden Tag „einfach so für alle geöffnet sein“, sagt Schindler. Die Gastronomen der Innenstadt wollen für die Bewirtung sorgen, und Buchungen für geschlossene Veranstaltungen sind auch möglich.

Ein Highlight der kommenden Wochen dürfte indes das Straßenbahnfest am 30. und 31. Juli werden. Dann ist die Stadtkapelle wieder mit dabei und auch das Duo Sonnenklar wird auftreten. Einen Frühschoppen, Samstagabend-Unterhaltung und eine Oldtimer-Schau wird’s außerdem geben.

Das Fest ist auch der Grund dafür, dass der Beiwagen bis Ende Juli vor dem „Rössle“ stehen wird. Denn das Zelt lässt sich sehr viel besser vor der Martinskirche aufbauen. Wird es nach dem Fest abgebaut, kann der Beiwagen 40 für den Rest der Aktion bis Ende August auf den Platz vor der Kirche geschoben werden – wo die Straßenbahn, die am 29. September 1916 erstmals von Reutlingen nach Pfullingen gefahren ist, leider nicht bis zu ihrem 100. Geburtstag bleiben kann.

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