Die Sechste - nicht die letzte

Es ist die sechste Oase, die die AWO und die GWG derzeit aufbauen - aber es wird nicht die letzte sein. Leider. Denn Wohnungen für einst Obdachlose wird es wohl nie genug geben in Reutlingen.

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  • Eine Perspektive für einst Obdachlose: In der Robert-Bosch-Straße 37 entsteht die Oase 6. Fotos: Evelyn Rupprecht 1/2
    Eine Perspektive für einst Obdachlose: In der Robert-Bosch-Straße 37 entsteht die Oase 6. Fotos: Evelyn Rupprecht
  • Christoffer Hennig und seine Kollegen arbeiten derzeit an den Elektro-Installationen der neuen Oase. 2/2
    Christoffer Hennig und seine Kollegen arbeiten derzeit an den Elektro-Installationen der neuen Oase.
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Das pastell-gelbe Gebäude in der Robert-Bosch-Straße ist von den anderen in der Häuser-Reihe kaum zu unterscheiden - und ist doch ganz anders. Es wird derzeit umgebaut zu einer Oase, einem Zuhause für Menschen, die bislang ohne Obdach waren und die von Arbeitslosengeld leben müssen. Menschen also, die auf dem freien Wohnungsmarkt aus gleich mehreren Gründen kaum eine Chance auf einen Mietvertrag haben.

Das Prinzip "Oase" stammt aus dem Jahr 1995 und geht auf eine Initiative des ehemaligen Marienkirchenpfarrers Klaus Kuntz zurück. In der Oberamteistraße - daher auch der Name Oase - entstanden die ersten Wohnungen für bis dahin Wohnsitzlose. Dass die Partner, die ein altes Haus in Appartements umbauen, gewechselt haben und seit einigen Jahren die Arbeiterwohlfahrt und die GWG-Wohnungsgesellschaft sind, macht sich bemerkbar. Seit einigen Oasen schon sind sie ein eingespieltes Team. Entsprechend reibungslos läuft deshalb auch die Sanierung und Umgestaltung der Robert-Bosch-Straße 37.

Im Januar wurde mit der Entrümpelung begonnen, im Februar mit den eigentlichen Arbeiten, die nötig sind, um aus den Zwei-Zimmer-Wohnungen, in denen es keine Duschen und noch nicht einmal Heizungen in den Schlafräumen gab, Appartements zu machen. 23 Quadratmeter werden jedem, der hier einzieht, zur Verfügung stehen. Oder anders gesagt: ein Zimmer mit angegliederter Nasszelle und Küchenzeile sowie abschließbarer Wohnungstür. Was den Menschen, die bisher in Not- und Übergangsunterkünften der AWO untergekommen sind, ein ganz neues Lebensgefühl geben dürfte.

Wie die GWG auf die Robert-Bosch-Straße 37 gekommen ist? "Wir haben alle unseren sanierungsbedürftigen Häuser auf ihren Zustand, ihre Lage und den Grundriss hin untersucht", erklärt Jürgen Röhm, Leiter der GWG-Bestandsverwaltung. Das Haus in der Bosch-Straße erschien GWG und AWO perfekt für ihre Pläne. Zum einen, weil es an der Fassade fast gar nichts zu modernisieren gab, zum anderen, weil der Innenausbau unkompliziert erschien. Was auch bedeutet, dass er nicht zu teuer und der Kostenrahmen von 250 000 Euro eingehalten wird, wie Röhm schon jetzt, da die Elektroinstallationen gemacht werden und der Trockenbau noch bevorsteht, verkünden kann.

Auch was die Finanzierung angeht, gilt bei der sechsten Oase dasselbe Prinzip: Die GWG stellt das Gebäude zur Verfügung und zahlt die Architekten- und Ingenieurleistungen, die restlichen Umbaukosten von etwa 70 000 Euro übernimmt die AWO, die das Haus später verwaltet und die Mieter aussucht. Wichtiges Kriterium dabei: Die Mietobergrenze muss eingehalten werden, weil die, die hier einziehen werden, von Transferleistungen leben - und da darf ein gewisser Preis nicht überschritten werden.

Derweil stehen die Leute, die auf solche Wohnungen angewiesen sind, bereits Schlange, wissen AWO-Geschäftsführerin Gisela Steinhilber und Sozialarbeiter Gert Auer. "Für vier der Appartements haben wir auch schon Bewohner festgelegt", sagt Auer, der allerdings schon ganz genau hinschaut, wer in die Oase 6 einziehen darf. Denn die Leute müssen zusammenpassen, eine Hausgemeinschaft ergeben, die einigermaßen harmonisch funktioniert. Auch, weil die Mieter - ganz "nebenbei" - erst wieder lernen müssen, selbstständig zu leben. "Sie brauchen in der ersten Zeit noch Begleitung", erklärt Steinhilber. Sei's beim Möbelkauf, sei's bei Behördengängen oder einfach so zum Reden - in den ersten ein oder zwei Jahren werden die AWO-Sozialarbeiter den Oase-Bewohnern zur Seite stehen. Viel Arbeit wird das, ahnen Steinhilber und Auer schon. An die nächste Oase ist da vorerst nicht zu denken - auch wenn sie mit Sicherheit kommen wird. Schlicht, weil die Zahl der Menschen ohne Obdach nicht abnehmen wird. Im Gegenteil.

Info
Spenden für die Oase 6, die nötig sind, damit der Wohnraum bezahlbar wird und bleibt, können auf das Kreissparkassen-Konto mit der IBAN DE56 640 500 000 000 006853, BIC: SOLADES1REU eingezahlt werden. Als Stichwort bitte "Oase 6" angeben.

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