Die Kaufkraft steigt - der Umsatz schwächelt

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Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft in der Region Neckar-Alb ist in den vergangenen zwei Jahren um 1,3 Prozent angestiegen. Die Bewohner haben aktuell 4,72 Milliarden Euro für Konsum zur Verfügung. Weniger erfreulich ist die Umsatzentwicklung: Zahlreiche Gemeinden verlieren. Vom Anstieg profitieren in der Region alle Landkreise. Die Bewohner im Landkreis Reutlingen können im Durchschnitt 6819 Euro (+1,2 Prozent gegenüber 2015), im Landkreis Tübingen 6705 Euro (+1,4 Prozent) und im Zollernalbkreis 6663 Euro (+1,4 Prozent) im Einzelhandel ausgeben.

Zahl ist bereinigt

Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft gibt den Anteil der Kaufkraft an, die dem Einzelnen tatsächlich für Ausgaben im Einzelhandel zur Verfügung steht. Die Zahl ist um Ausgaben wie beispielsweise Miete, Versicherungen oder Reisen bereinigt. Die Kaufkraft pro Kopf liegt in allen drei Landkreisen der Region über dem Bundesschnitt von 6582 Euro. Allerdings sind die aktuellen Zuwächse niedriger als die bundesweite Entwicklung (+1,9 Prozent).
Erfreulich: Die allermeisten Kommunen verzeichnen Zuwächse bei der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft pro Kopf. Knapp zwei Drittel der Kommunen in der Region liegen bei dieser Zahl sogar über dem Bundesdurchschnitt. Im „Top 10“-Ranking liegen erneut Pliezhausen und Jungingen auf Platz eins und zwei, gefolgt von Grafenberg, das den Platz mit St. Johann (jetzt Rang vier) getauscht hat. Von den großen Kreisstädten in der Region schafft es mit Metzingen nur eine unter die besten zehn.

Gewinner und Verlierer

Beim Einzelhandelsumsatz können die Landkreise der Region ebenfalls Steigerungen gegenüber 2015 verzeichnen: Im Landkreis Reutlingen auf 2,03 Milliarden Euro (+2,9 Prozent), im Landkreis Tübingen auf 1,02 Milliarden Euro (+ 3,4 Prozent) und im Landkreis Zollernalb auf 1,17 Milliarden Euro (3,0 Prozent).

Im Vergleich dazu fällt die Steigerung beim Einzelhandelsumsatz pro Kopf etwas schwächer aus: Im Landkreis Reutlingen liegt er bei 7101 Euro (+0.3 Prozent), im Landkreis Tübingen bei 4523 (+0,6 Prozent) und im Landkreis Zollernalb bei 6174 Euro (+0,3 Prozent).
Im Detail ist das Bild beim Einzelhandels-Umsatz allerdings sehr heterogen. Rund die Hälfte der Kommunen verliert beim Pro-Kopf Umsatz.

Den höchsten Einzelhandelsumsatz pro Kopf erzielen Metzingen, Balingen und Reutlingen. Dahinter schiebt sich Pfullingen vor Hechingen, das nun auf Rang fünf liegt. Den höchsten Zuwachs beim Einzelhandelsumsatz pro Kopf erreicht Bad Urach mit 13,6 Prozent. Unter den „Top 10“ verlieren Reutlingen, Hechingen, Albstadt und Münsingen im Vergleich zu 2015.

Alle müssen aktiv werden

„Uns macht Sorge, dass die Umsatzentwicklung mit der Kaufkraftentwicklung nicht mehr Schritt halten kann“, sagt IHK-Handelsexpertin Karin Goldstein. Grund sind vor allem die steigenden Marktanteile der Online-Händler.

Mittlerweile macht der E-Commerce knapp 13 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes in Deutschland aus. Aus Sicht von Goldstein sind hier Gemeinden wie Handel gleichermaßen gefragt. „Die Kommunen müssen für Aufenthaltsqualität und erreichbare Innenstädte sorgen, die Händler müssen im Web stärker Präsenz zeigen und diesen Kanal professioneller bedienen“, so Goldstein. Eine kürzlich bei der IHK Reutlingen vorgestellte Studie hatte ergeben, dass noch immer rund die Hälfte der Händler in Deutschland keine eigene Website hat.
Mit Blick auf die Entwicklung in den Kommunen mahnt die IHK mehr Zusammenarbeit von Gemeinden mit Handel und IHK an. „Wir wünschen uns weiter eine Politik des Gehörtwerdens. Das ist jetzt notwendiger denn je“, so Karin Goldstein.

Der IHK-Handelsausschuss hatte sich unlängst in einem Beschluss an die regionalen Kommunen gewandt und mehr Austausch im Vorfeld von Beschlüssen erbeten, die den Handel originär betreffen. swp

Der Kaufkraftatlas der IHK Reutlingen enthält alle einzelhandelsrelevanten Kennziffern und dient als wichtiges Informationsinstrument für Entscheidungsträger aus Handel und Politik in der Region Neckar-Alb. Die IHK analysiert alle zwei Jahre, wie sich die Kaufkraft, die tatsächlich im Einzelhandel ausgegeben werden kann, sowie der Einzelhandelsumsatz in der Region entwickelt haben. Bei der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft werden Ausgaben wie Mieten, Hypothekenzinsen, Versicherungen oder für Reisen herausgerechnet.

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