Die Großeltern kannten all diese Apfelsorten noch

Gute Resonanz bei der Ausstellung des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine und der Grünflächenberatung des Kreises. Das Buch "Im schwäbischen Streuobstparadies" wurde vorgestellt.

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Siegfried und Inge Früh aus Grafenberg brachten einen Apfel vom Gütle mit.  Foto: 

Vor über 125 Jahren verstarb Eduard Lucas, der Begründer des Pomologischen Institutes. Dieses geriet nach seinem Aus im Jahr 1922 schnell in Vergessenheit. Erst mit der Landesgartenschau 1984 begann man, sich wieder für die Leistungen seines Gründers zu interessieren. Lucas war ein exzellenter Obstsortenkundler und er veranstaltete Obstausstellungen, die ihm europaweite Anerkennung brachten.

Im vor fünf Jahren denkmalgerecht renovierten Gewölbekeller der einst von Lucas bewohnten Friedrich-Ebert-Straße 2 war am Samstag die vierte große Obstausstellung der "Neuzeit" aufgebaut.

Von Christian Knecht und Dieter Kern vom Kreisobstbauverband zusammengetragen konnte mit 122 Apfelsorten und 30 Tafelbirnen sowie zehn Mostbirnen eine Vielzahl heimischer Streuobstsorten präsentiert werden. Dazu noch zehn Walnus- und fünf Haselnusssorten sowie je eine Mispel, Feige und Kiwi. "Dennoch ein Bruchteil von allein in Deutschland vorhandenen 3000 verschiedenen Apfelsorten", so Ulrich Schroefel von der Grünflächenberatungsstelle beim Landratsamt.

Der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine hatte die Ausstellung mit der Grünflächenberatungsstelle des Kreises organisiert. Am Samstagnachmittag konnte man den Besuchern aus nah und fern eine erstaunliche Vielfalt an Obst in den unterschiedlichsten Formen und Farben vor Augen führen.

Auch konnte man mitgebrachte Sorten, "die die Großeltern noch kannten, die Erben aber nicht mehr beim Namen nennen können", bestimmen lassen. Ulrich Schroefel und Pomologe Markus Zehnder aus dem Zollernalbkreis erkannten und bestimmten eine erstaunliche Vielzahl seltener und vor allem alter Sorten. Manchmal aber mussten auch sie passen: "Tut mir leid, den kenne ich nicht." So wie einen Apfel, den das Grafenberger Ehepaar Siegfried und Inge Früh von seinem mit 30 Obstsorten vielfältig ausgestatteten Gütle mitgebracht hatte. Schroefel und Zehnder gaben alles, konnten den farbenfrohen schmackhaften Apfel aber dennoch nicht zweifelsfrei zuordnen.

Mehr Glück hatte da der Reutlinger Uli Gaiser, der vor der Sortenbestimmung nur zwei seiner insgesamt 18 Apfelsorten nicht beim Namen kannte, jetzt aber ganz genau weiß, dass es sich bei den beiden bislang Unbekannten um die Sorten Luikapfel und Jonathan handelt. "Nein, das habe ich vorher nicht gewusst", sagte der frühere Bundesliga-Radballer des 1. RMC Reutlingen, ehe er sichtbar zufrieden heimwärts zog.

Zufriedene Gesichter gab es nach der dreieinhalb Stunden währenden Obstausstellung und Sortenbestimmung unter "Ausstellern", Fachberatern und interessierten Besuchern gleichermaßen.

Im Zusammenhang mit der Veranstaltung wurde das neue Streuobstbuch "Im schwäbischen Streuobstparadies - Menschen, Landschaft, himmlische Genüsse" vorgestellt. Mitautor Markus Zehnder verwies darauf, dass das durch die Fotografinnen Angela Hammer und Andrea Letsch reich bebilderte Buch "auch einen besonderen Bezug zur Pomologie Reutlingen hat". Darin kommt auch Martin Stiegler, der Urenkel von Eduard Lucas, zu Wort. Das jetzt im Tübinger Silberburg-Verlag erschienene Werk bezeichnet er als "ein wunderbares Buch".

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