Die Finnen lassen's mächtig krachen 550 Hardrock-Fans bei der Dynamite Night

Rock'n'Roll. Heavy Metal. Laut. Brachial: So könnte man die Reutlinger Dynamite Night überschreiben. Die Eishalle jedenfalls vibrierte beim Auftritt der acht Bands, darunter Headliner Bonfire, nicht schlecht.

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Battle Beast mit Sängerin Noora Louhimo bei der Dynamite Night.  Foto: 

Einigen Heavy-Metal- und Hardrock-Puristen sind sie zu glatt, bewegen sich zu wendig zwischen den Stilen, vermischen hymnischen Stadionrock, Heavy Metal und Kuschelrock allzu beliebig und steuern zu sehr in Richtung Nostalgie-Setzkasten. Deshalb waren wohl einige auch gar nicht erst in die Eishalle gekommen, zur Dynamite Night und ihrem Headliner Bonfire aus Ingolstadt.

Als zu später Stunde der neue Frontsänger David Reece, das einzig verbliebene Ur-Mitglied Hans Ziller (Gitarre), Frank Pane (Gitarre), Ronnie Parkes (Bass) und Harry Reischmann (Schlagzeug) die Bühne der nüchternen Eishalle betreten und rund 550 Menschen ihnen zujubeln, merkt man dem ehemaligen Accept- und neuen Bonfire-Sänger schon ein wenig die Enttäuschung an.

Nicht nur er, auch Veranstalter Willi Wrede hatten vermutlich etwas mehr Besucher erwartet. Schließlich spielten an diesem langen und lauten Samstagabend nicht nur die neu formierten Hardrock-Helden von Bonfire auf. Sondern auch insgesamt sieben weitere Starkstrom-Bands und -Sänger gaben sich die Ehre: Rebellious Spirit, Dave Esser, Timeless Rage, Vansih, Manila Motel, die Tübinger Sängerin Ela und die finnische Metal-Band Battle Beast.

Allen acht Bands ist gemeinsam, dass sie einer Musiksparte angehören, die zumindest bei manchen jüngeren Leuten ein echtes Image-Problem hat. Metal-Musik und Heavy-Rock gehören schon lange nicht mehr zur Elite des Rock'n'Roll und wird von den meisten Radiostationen ebenso abgewiesen wie ihre schwarz gekleideten Fans von den Türstehern nobler Discotheken. Nur auf Starkstrom-Konzerten können sich die Getreuen noch austoben. So breitet sich zu Füßen von Bonfire und den anderen Bands ein Teppich aus schwarzen Lederklamotten und langen Haaren aus, von denen einige beim kollektiven Kopfschütteln Tausende von Schweißtropfen verschleudern wie eine Sprinkleranlage. Was für eine Stimmung, welch hingebungsvolle Gefolgschaft - Relikte aus den großen Tagen des Hardrock.

Der aus New York stammende und laut Veranstalter Willi Wrede bald nach Metzingen umsiedelnde Frontsänger David Reece wirkt da fast wie ein Fremdkörper. Mit hipper Sonnenbrille und blauer Feder im Haar betritt er die Bühne und nimmt erstmal einen großen Schluck aus der Bierpulle.

Seine Stimme ähnelt ein wenig der von Scorpions-Sänger Klaus Meine: Elegisch hebt sie ab, schwebt über den tosenden Geräuschwelten und duelliert sich in hohen Gefilden mit den orgelnden Gitarren.

Das klingt durchaus sauber, geht bisweilen gefällig ins Ohr. Auch von der Musik her drängen sich Vergleiche mit Rock-Legenden à la Scorpions auf, denn der Hardrock von Bonfire ist melodiös, hymnisch und scheut auch Balladen nicht. Seit mehr als 40 Jahren spielen sie diese Art Hardrock, daran änderten auch die häufigen Besetzungswechsel nichts. Das einzige, was anders ist: Damals nannten sie sich noch Cacumen, und ihr Leadsänger hieß Claus Lessmann.

Die Besucher sind von dem Dargebotenen einigermaßen angetan. Vor allem der Auftritt der finnischen Hardrockband Battle Beast mit ihrer agilen Sängerin Noora Louhimo lässt richtig Stimmung aufkommen. Beim abschließenden Finale kommt auch sie nochmal auf die Bühne, und alle gemeinsam lassen den guten, alten Hardrock in seiner ganzen Lautstärke aufleben.

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