Die Fetthennen sollen’s richten

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Pflanzwände an der Lederstraße: Reinhard Braxmaier, Umweltbeauftragter der Stadt Reutlingen (Mitte) mit Ilona Rutkiewicz und Johannes Geywitz von Automotive Lighting.  Foto: 

Es sei das weltweit erste und einzige Forschungsprojekt dieser Art, sagt Victor Splittgerber von der Green City Solutions Berlin. Zwei Wände mit insgesamt 32 Quadratmeter Pflanzfläche und begrünt mit einer Fetthennen-Art sollen zur Reduzierung des Stickstoffdioxids in Reutlingen oder besser gesagt im direkten Umfeld in der Lederstraße beitragen. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. Splittgerber jedenfalls erwartet eine Schadstoffreduzierung von bis zu zehn Prozent. Die Wände stehen im Mittelstriefen vor der Volkshochschule und damit in unmittelbarer Nähe zur Mess-Station. Rund 50 000 Autos befahren die B 312 an dieser Stelle pro Tag.

Die Pflanzwände, so genannte City Trees, gibt es bereits in mehreren Städten, das Berliner Start-Up hat vor geraumer Zeit damit den Durchbruch geschafft. Allerdings sind diese City Trees auf Feinstaubreduzierung ausgelegt, bepflanzt sind die Wände mit einer speziellen Moos-Sorte.

In Reutlingen dagegen wurden in den vergangenen drei Jahren die Feinstaub-Grenzwerte eingehalten, hingegen gibt es erhebliche Überschreitungen beim Stickstoffdioxid. Fetthennen reduzieren Schadstoffe, wie Labortests ergeben haben. Jetzt soll das Ganze im Freilandversuch  getestet werden.

Gerne hätte die Stadt das Projekt noch viel umfassender angelegt, wie Reinhard Braxmaier, Umweltschutzbeauftragter der Stadt, erklärt. Fördergelder von insgesamt 800 000 Euro wurden unter anderem bei der Bundesforschungsanstalt für Naturschutz beantragt, letztlich aber abschlägig beschieden. Jetzt belaufen sich die Gesamtkosten für die beiden Wände auf 40 000 Euro, wobei der Hauptsponsor, die Firma Automotive Lighting, eine der beiden Wände finanziert.

Rund neun Millionen Euro will die Stadt Reutlingen in den kommenden Jahren in Luftreinhaltung und Klimaschutz investieren. Pflanzwände können dabei nur ein Baustein von vielen sein, erklärt Baubürgermeisterin Ulrike Hotz. Sie verwies besonders auch darauf, dass ohne eine veränderte technische Entwicklung in der Autoindustrie das Problem der Luftverschmutzung nicht gelöst werden könne. „Ein breit angelegtes Handeln ist wichtig.“

Die Firma Green City Solutions Berlin wird nun mit Unterstützung des Karlsruher Instituts für Technologie sechs Monate lang die Fähigkeit der Pflanzen beobachten, Stickstoffdioxid zu absorbieren. Die Wände versorgen sich über Wassertank, Pumpe und den Anschluss ans Wassernetz komplett selbst, die Pumpe wird zudem über eine Solaranlage mit Energie gespeist. Ist das Forschungsprojekt vorüber, sollen die Wände dennoch stehenblieben, betont Ulrike Hotz. Zumindest die nächsten zwei bis drei Jahre.

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