Die Eltern entscheiden

|
 Foto: 

Wie geht es weiter mit der Achalmschule? Das fragen sich derzeit viele Eninger. Um etwas Klarheit in die Sache zu bringen, veranstalteten Gemeinde und Schulleitung am Donnerstag einen Infoabend.

MAREIKE MANZKE

Die Notwendigkeit zur Sanierung machte Bürgermeister Alexander Schweizer direkt zu Beginn der Veranstaltung klar: „Die Achalmschule befindet sich auf einem Stand von vor 50 Jahren“, bescheinigte er. Weder den demografischen Veränderungen noch den neuen pädagogischen Ansätzen genügten die momentanen baulichen Voraussetzungen. Mit diesem großen Nachholbedarf begründete er auch die stattliche Investitionssumme von rund fünf Millionen Euro. Schließlich wolle man jetzt auch etwas machen, dass dann wieder für die nächsten Jahrzehnte halte. Klar sei, dass eine Weiterentwicklung von Nöten sei. Über die genaue Zielsetzung herrschte jedoch lange Uneinigkeit und die gravierenden Änderungen in der Bildungslandschaft oder das Wegfallen der verbindlichen Grundschulempfehlung taten ihr übriges dazu. So wurde nur Trakt eins saniert und der Rest blieb beim Alten. Eine Mutter zeigte bei der Info-Veranstaltung dafür wenig Verständnis und hakte nach, warum es denn mit dem Entschluss so lange gedauert habe. „Wir sind uns bewusst, dass es jetzt höchste Zeit ist,“ räumte Schweizer ein.

Nun soll es endlich vorangehen. In den Sommerferien beginnt die Sanierung des Traktes drei, danach folgen Trakt zwei und ein neuer Verbindungsbau. Die spätere Nutzung, ob als Grund-, Werkreal- oder Gemeinschaftsschule, hält sich die Gemeinde vorerst offen. „Was wissen wir schon, was in zehn Jahren für eine Sau durchs Dorf getrieben wird“, so Schweizer. Das Geld, versicherte Ortsbaumeister Rainer Klett, sei unabhängig von der späteren Schulform gut angelegt. Die Baumaßnahmen trügen dann auch zu einer gesteigerten Identifikation mit der Schule bei, hoffte er.

Die Sorge einiger Eltern, dass durch die Baumaßnahmen der Schulbetrieb gestört werde, versuchte der Architekt Matthias Knies zu entkräften. Die Arbeiten würden sogar an die Prüfungszeiträume angepasst, erläuterte er. Dabei käme es außerdem zupass, dass die Trakte weit auseinander lägen und die Schüler so ganz definiert in einem ihnen bereits vertrauten Gebäude betreut werden könnten, ergänzte der Ortsbaumeister.

„Die beste Weiterentwicklung nutzt nichts, wenn das Haus nicht mit Leben gefüllt wird“, fuhr Rektorin Susanne Maschke fort. Sie stellte das Schulkonzept vor. Darin betonte sie vor allem den immer stärker werdenden freizeitpädagogischen Aspekt. Angestrebt werde eine Ganztagesschule, wahrscheinlich in einer offenen, also freiwilligen, Form, so Maschke. Bisher könne sie allerdings nur Eckpunkte preisgeben, der Rest befinde sich noch im Prozess. Bereits ab nächsten Schuljahr wird die Schulbetreuung der Grundschüler bis 17 Uhr ausgeweitet, die Werkrealschüler werden dann zwischen 12 und 14 Uhr während der Mittagspause mit Mahlzeit betreut. Für die Zeit danach stehen vier Modelle zur Auswahl: drei oder vier Tage mit sieben oder acht Stunden Aufsicht.

25 verbindliche Anmeldung bräuchte es dafür, um zusätzliche Lehrerwochenstunden angerechnet zu bekommen. Bis auf das Mittagessen und die Früh- und Spätbetreuung soll das alles kostenlos sein. Bei der konkreten Gestaltung schwebt Maschke die Mithilfe örtlicher Vereine oder Privatpersonen, die unterschiedliche AGs anbieten könnten, vor. Maschke bat eindringlich: „Bitte tragen sie das hinaus, wir brauchen die Unterstützung.“ Daran, dass sich da genügend Leute finden, zweifelte eine Mutter.

Nicht begeistert zeigte sich eine andere Zuhörerin davon, dass die Schillerschüler bis zum Schuljahr 2016 /17 auch in der Achalmschule untergebracht werden sollen. „Meiner Erfahrung nach finden Streitereien eher unter Gleichaltrigen statt“, versuchte die Rektorin zu beschwichtigen. Außerdem seien innerhalb des Pausenhofs verschiedene Bereiche geplant. Zudem liege es durchaus im Bereich des Möglichen, dass bis dahin die Werkrealschule bereits auslaufe. Denn trotz 27 Werkrealschulempfehlungen der Schillerschule erschienen zum Schnuppernachmittag an der Achalmschule nur fünf Kinder. „Das schmerzt sehr“, gab Maschke zu und zeigte sich wenig optimistisch, die Vorgabe von mindestens 16 Schülern erfüllen zu können. Gelingt das über zwei Jahre nicht, bedeutet das das Aus für die Werkrealschule. Die Eltern von den Qualitäten dieser zu überzeugen bezeichnete Schweizer gar als „Kampf gegen Windmühlen.“

„Wer weiß was in zehn bis 15 Jahren ist“, rätselte Gemeinderätin Dr. Barbara Dürr. Durch den Fachkräftemangel werde dann vielleicht wieder eine Hauptschule gefragt sein. Eben darum bräuchte Eningen eine dynamische Schule, die sich den politischen Rahmenbedingungen anpassen könne. Am Schluss, so Dürr, entschieden die Eltern über die Zukunft der Achalmschule.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Jede Menge offene Fragen

Wie sollen die Mitarbeiter der Stadt zukünftig untergebracht werden? Die CDU-Gemeinderatsfraktion hat jetzt die Prämissen und Schlussfolgerungen eines Gutachtens hinterfragt. weiter lesen