Deutlich übers Ziel hinausgeschossen

Wegen Vergewaltigung einer 14-jährigen muss sich derzeit ein 56-jähriger Reutlinger vor dem Amtsgericht verantworten. Zunächst stritt er die Tat zwar ab, letztlich gab er die Vorwürfe aber zu.

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"Ich habe die vorgeworfene Tat nicht begangen", ließ ein 56-jähriger Reutlinger am Mittwochmorgen noch von seinem Verteidiger verlesen. Den Vorwurf, eine 14-jähriges Mädchen vergewaltigt zu haben, habe er sich nämlich selbst nicht erklären können. Zumal sich das vermeintliche Opfer und der Täter schon seit Jahren gekannt hätten.

Doch während zwischen dem Angeklagten und dem alleinerziehenden Vater der Schülerin sowie deren Brüdern ein gut nachbarschaftliches beziehungsweise sogar freundschaftliches Verhältnis herrschte, ging der 56-jährige Angeklagte, der selbst Vater mehrerer Söhne ist, irgendwann zu weit.

Das Massieren an den Schultern, das er wohl so gut beherrschte und anscheinend spontan verschiedenen Leuten angedeihen ließ, führte nämlich an einem Tag Mitte Dezember zu mehr als bloßen Berührungen im Intimbereich.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, lag daran, dass der Angeklagte das Vertrauen der Familie genoss und öfters zu Gast war. Auch wenn die Tochter alleine war, schaute er ab und zu vorbei. Genauso war es am Tattag. Er habe sich via Handy gemeldet und das Geld für einen angemieteten Stellplatz vorbeibringen wollen.

"Sie hat sich sehr gewaschen, weil sie es so eklig fand", erinnerte sich eine Kriminalpolizistin am Mittwoch im Amtsgericht an die Aussage des Mädchens. Doch während der Beschuldigte die Massagen an den Schultern gegenüber der Polizei bestätigt habe, ist laut ihm nichts weiter gewesen.

"Sie kam mir vor, als ob sie schlecht Nein sagen könnte", erklärte die Polizistin zudem ihren Eindruck von der 14-Jährigen. Bereits frühere Massagen habe die Schülerin nämlich teilweise als unangenehm empfunden.

Weil der Angeklagte kein Wort sagte und laut ihm an den Vorwürfen überhaupt nichts dran sein sollte, schien die Vernehmung des Mädchens unausweichlich. Amtsrichter Eberhard Hausch stellte dem 56-Jährigen allerdings in Aussicht, dass die Vorwürfe als sexuelle Nötigung gewertet werden könnten, wenn er ein Geständnis ablege. Könnten doch weitere Zeugen sowie das Gutachten zur Glaubwürdigkeit der Schülerin ein anderes Bild sowie eine Erhärtung der Vorwürfe ergeben. Auch Staatsanwältin Rotraut Hölscher stimmte dem zu: "Wenn dem Opfer etwas erspart wird, wird das zugunsten des Angeklagten bewertet."

"Die Tat wird in vollem Umfang eingeräumt", meinte deshalb Verteidiger Steffen Kazmeier nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung. Sein Mandant bekenne sich schuldig und sei an dem Tag im Dezember deutlich übers Ziel hinausgeschossen.

Weshalb sich das Mädchen nicht gegen den Täter gewehrt habe, erklärte die außerdem als Zeugin vernommene Familienhelferin damit, dass die 14-Jährige still und zurückhaltend sei. Die Kriminalpsychologin Dr. Ursula Gasch kam in ihrem Gutachten zum gleichen Urteil. Mobbing in der Schule hätten den Teenager zudem zu einem Schulverweigerer gemacht.

Fehlende Freunde, kein Austausch unter Gleichaltrigen und ein Vater, der die Tochter über die Maßen beschützen wollte, hätten letztlich dazu geführt, dass der nun Angeklagte der einzige Kontakt zur Außenwelt gewesen sei, was letztlich das Vertrauensverhältnis ermöglicht habe. Und das obwohl der Mann vor zwei oder drei Jahren der Schülerin schon das erste und bis Mitte Dezember wohl einzige Mal in die Hose gefasst habe.

Die Verhandlung wird am Dienstag um 10 Uhr am Amtsgericht Reutlingen fortgesetzt. Das Urteil gegen den 56-Jährigen wird ebenfalls an diesem Tag erwartet.

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