Der Theaterneubau kommt

Mit einer Mehrheit von 26 zu zehn Stimmen hat der Gemeinderat gestern Abend den Baubeschluss für einen Theaterneubau an der Jahnstraße gefasst. Neun CDU-Räte und ein WiR-Rat votierten dagegen.

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Eine rund zehn Jahre andauernde Hängepartie neigt sich dem Ende zu: Das Theater die Tonne erhält für 8,41 Millionen Euro einen Neubau auf dem ehemaligen Listhallenareal. Damit nimmt auch die dritte Säule der Kulturkonzeption - nach franz.K und Stadthalle - Gestalt an.

Barbara Bosch, die nochmals kurz auf die lange Geschichte des Projekts einging, charakterisierte den entstehenden Neubau als "einzigartiges Gebäude, das für sich stehe, das auch von außen symbolisiere, was innen stattfinde: nämlich innovatives Theater". Ausdrücklich lobte die Oberbürgermeisterin die Tonne - das engagierte Ensemble und die Intendanz, aber auch das interessierte Theaterpublikum in Stadt und Region. So habe sich in Reutlingen eine "stabile Theaterlandschaft herausgebildet". Der Standort an der Jahnstraße sei eingeführt und biete gute Zukunftsperspektiven.

"Dieses Projekt ist zur jetzigen Zeit in dieser Form nicht zu rechtfertigen", hielt Gabriele Gaiser (CDU) dagegen. Sie begründete die Ablehnung ihrer Fraktion mit den kontinuierlich gestiegenen Baukosten - von einstmals zwei auf jetzt neun oder zehn Millionen Euro - und der schwierigen Haushaltssituation der Stadt mit einer geplanten Kreditaufnahme von 60 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren. Zu den Baukosten kämen noch jährliche Unterhaltskosten von 202.000 Euro plus 90.000 Euro für Personal, rechnete Gaiser vor. Die CDU wolle alle Bereiche gleich behandeln und nicht die Innenstadt bevorzugen.

Ganz anders sah dies Helmut Treutlein: Der SPD-Fraktionsvorsitzende sprach euphorisch von einem "großen Tag für die Stadt", von einem "großen Tag für die Kultur" und von einem "großen Tag für den Gemeinderat", der einen langen Atem bewiesen und mit dem Beschluss ein "Zeichen für unsere Gestaltungskraft" gesetzt habe. Im Unterschied zur CDU sei das Theater für die SPD keine "Verhandlungsmasse zur Konsolidierung des Haushaltes", betonte der SPD-Rat, der die Entscheidung als Beschluss für die "Zukunft der Stadt", für die Steigerung ihrer Attraktivität würdigte.

Auch für Rainer Buck ist der beschlossene Neubau ein "Meilenstein", eine "wichtige Zukunftsentscheidung für die Stadt Reutlingen". Zwar sei der Abschied vom einst geplanten Theaterzentrum bitter gewesen, aber: "Wir müssen akzeptieren, dass wir die Zeit nicht zurückdrehen können", sagte der Grünen-Fraktionssprecher. Jetzt gelte es, das Projekt, das zur Infrastruktur und Lebensqualität in der Stadt beitrage, zu einem guten Abschluss zu bringen.

"Die Tonne sind wir - das ist unser Stadttheater", erklärte der FWV-Fraktionsvorsitzende Jürgen Fuchs und lobte das "hervorragende Programm". Es sei richtig gewesen, die Kosten zu begrenzen. "Verschieben heißt immer verteuern", mahnte Hagen Kluck. Der Rat müsse endlich einen Knopf dranmachen, so der FDP-Fraktionsvorsitzende, der auf den Bürgerentscheid von 2006 verwies: "Wir haben lange genug gebraucht, den Bürgerwillen umzusetzen." Dr. Sven Fischer, der gestern als Einziger die WiR-Fraktion im Gremium, erinnerte an die große finanzielle Bedeutung des Beschlusses, den er wie die überwiegende Mehrheit der CDU ablehnte.

Während Jessica Tatti (Linke) nochmals für die parallele Bespielbarkeit von großem Saal und Probebühne warb, begründete Dr. Karsten Amann, warum er - anders als die übrigen CDU-Räte - für die Vorlage stimme. Eine Entscheidung, die auch ihm Bauchschmerzen verursache. Aber es sei ungewiss, was 2017 mit der Planie 22 passiere. Zudem "macht der Neubau Sinn und ist an der Zeit", so Amann. Mit der Zustimmung sei aber auch die Erwartung verknüpft, die Planie möglichst rasch und gut zu veräußern.

Zu den Gesamtkosten von 8,41 Millionen Euro trägt der Landkreis einen Zuschuss von 100 000 Euro bei. Ein Antrag der SPD, der den Einbau einer Kühlung und Befeuchtung der Raumbelüftung vorsah, erhielt ebenso wenig eine Mehrheit wie der Antrag der Grünen, die sich für einen Gründachaufbau ausgesprochen hatten. Keine Chance hatte auch der Antrag der beiden Linken-Stadträte Jessica Tatti und Thomas Ziegler. Die Mehrheit des Gremiums lehnte die von ihnen geforderte gleichzeitige Bespielbarkeit von Saal und Probebühne ab.

So bleibt es bei den in der Vorlage beschlossenen Einsparungen - mit einer Ausnahme: Der Tonne-Förderverein übernimmt die Kosten für die Fußbodenheizung im Foyer in Höhe von 13.000 Euro.

So geht's weiter

Nach dem Baubeschluss vom Dienstag kann die Stadtverwaltung jetzt in den kommenden Monaten die Genehmigungs- und Ausführungsplanung erstellen und die Arbeiten ausschreiben. Die Vergaben könnten dann im Oktober erfolgen. Damit wäre bereits im November ein Spatenstich an der Jahnstraße möglich. Bei einer geschätzten Bauzeit von insgesamt 20 Monaten könnte der Neubau am 30. September 2017 in Betrieb genommen werden - exakt zwei Monate, nachdem die Betriebsgenehmigung für die Tonne in der Planie 22 erloschen sein wird.

 

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