Der Rat des älteren Bruders

Das Arne Huber Quartett gehört seit Jahren zur Creme der hiesigen Jazzszene: Zu Recht, wie der Auftritt in Tobias Festls "World of Basses" zeigte.

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Bassist Arne Huber jazzt mit seinem Quartett in Reutlingen.  Foto: 

Manchmal lohnt es sich doch, auf den älteren Bruder zu hören. Denn als der junge Gitarrist und Schlagzeuger Arne mit seinen Lieblingsinstrumenten bei keiner Band so richtig ankam, riet ihm der große Bruder: "Versuchs doch mal mit Bass."

Als sich dann ein paar Monate später anbot, in eine ambitionierte Jazzcombo einzusteigen, die gerade einen Kontrabassisten suchte, war der Grundstein für die spätere Karriere gelegt. Heute gehört Arne Huber zu einem der angesehensten Tieftöner der deutschen Jazzszene.

Dies zeigt auch sein Auftritt dieser Tage im tropisch heißen Bassladen von Tobias Festl. Das Arne Huber Quartett überzeugt dort von Beginn an mit wohl strukturierten Formen, ohne das weite Feld freier Improvisation zu vernachlässigen. Mit von der Partie sind an diesem Abend der Tenorsaxofonist und Bassklarinettist Domenic Landolf, der Landesjazzpreisträger Rainer Böhm am Piano und der Schlagzeuger der hr-Bigband, Jean-Paul Höchstädter - alle ebenfalls Virtuosen auf ihren Instrumenten.

Besonders nach der Pause spielt das Quartett ausdrucksvoll und befreit auf. Ob für diesen Energieschub der mittlerweile mit 50 Besuchern gut gefüllte Konzertsaal oder die angeregten Pausengespräche verantwortlich sind, ist egal. Jedenfalls besticht das Quartett nun nicht mehr nur durch Souveränität und Schnörkellosigkeit, sondern durch ausgefeilte Improvisationen.

Der durch seine Zusammenarbeit mit Bassist Dieter Ilg bekannte Rainer Böhm ist mit geschickt getimten Piano-Soli zur Stelle, Bandleader Arne Huber überzeugt mit trockenen Bassfiguren und Paul Höchstädter mit akzentuiertem Trommeleinsatz. Harmonien werden bis zur Unkenntlichkeit verbogen, Rhythmen zerdehnt, Melodien verfremdet, dass es eine reine Freude ist. Ein tolles Quartett.

Auch dem Publikum gefällt die eigenwillige Mischung aus hochexplosivem Jazz, verfremdeten Cole-Porter-Versionen und impressionistischen Melodien immer besser - mit heftigem Zwischenapplaus. Manchmal scheint es sich eben tatsächlich zu lohnen, auf den Rat des älteren Bruders zu hören.

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