Der Narrhalla-Marsch gefällt auch im Orgel-Sound

Von der Orgel herab tönte der Narrhalla-Marsch, unten saßen Krautskräga, Mühlakatza und die Tanzgarden. Pfarrer Matthias Dangel reimte zur fröhlichen, fünften Jahreszeit: Betzingen erlebte seine Narrenmesse.

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Spalier gestanden, Ausmarsch: Die Betzinger Tanzgarden flankieren die Gottesdienstbesucher, die von Pfarrer Matthias Dangel verabschiedet werden. Zuvor begeisterte der mit närrischen Reimen mit biblischen Hintergrund.  Foto: 

Was Protestanten überaus ungewöhnlich, gar sehr befremdlich scheinen mag, ist bei den Katholiken Brauch: Am Faschings-Sonntag erfahren die Christenmenschen in den Kirchen dort, weshalb die Fasnet ein Riesenspaß ist - und sie es auch sein darf.

In katholischen Gefilden ist die "Narrenpredigt" oder die Narrenmesse schon lange Tradition, in Betzingen gibt es sie seit etwa der Jahrtausendwende. "In die Kirche gehe ich nicht so oft, aber das hier macht eine Menge Spaß", bekennt die 18-jährige Tatjana von der Tanzgarde. Zum elften Mal schon ist sie mit von der Partie. Yvonne ist seit Beginn an dabei, zwölfmal davon im Kostüm der Tanzgarden. Und findet's ebenfalls prima.

Günther Federschmid, der bei den Krautskräga den "Müller" gibt, glaubt sich erinnern zu können, dass Matthias Dangel bereits der vierte Pfarrer sei, der in der Betzinger katholischen Bruder-Klaus-Kirche eine solche Narrenpredigt hält. Auf die klassische Bütt indes wird an der Echaz verzichtet. "Heute feiern wir noch lockerer als sonst im Gottesdienst, wir wollen die Sache gelassen und fröhlich angehen", verspricht Dangel.

"Bis der Arzt kommt", lautete diesmal das Thema, nachdem es zuvor schon ein gemeinsames Frühstück, organisiert von den Narren, gegeben hatte.

"Gib' den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung! Christus höre uns!" Die Gemeinde stimmt ein: "Christus, erhöre uns!" Und weiter in der abwechselnd von Gemeindemitgliedern gesprochenen Fürbitte hieß es: "Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen - aber nicht sofort."

Politisches, auch Kommunales wurde dem Volk danach vom Pfarrer aufgetischt, Gottes Wort in Reimen. "Bis kommt der Arzt, nun manche toben. Glauben sie an den Arzt von oben? Nicht unser Papst, zwar meist in Weiß, nein, Gott führt selbst zurück ins Gleis. Und Gott, dass Betzingen ihn hört, als Assistenzarzt mich beschert!" Dies samt Stethoskop. Dangel war im Gleis, orientierte sich in seiner Predigt an Markus1, die Verse 40 bis 45.

Auch von Flüchtlingen ist zu hören, die "wie zum Versand" in Container gesteckt werden. Weniger dramatisch sei die Sache bei den Hoffmann-Schülern, die ebenfalls in Container müssen. Doch gleichwohl glaubt Matthias Dangel zu wissen: Die Schüler darob aber "schon die Messer wetzen". Lokalkolorit ist noch mehr dabei: Seien für die Betzinger bereits die Gmindersdörfer Fremde, werde weiter östlich in Richtung Reutlingen schärfer kontrolliert, wer rein will. Und zur Auskreisung: "Ihr wollt' heraus vom Landkreis schnell - von Wannweil? Aber nur mit Visum, gell!"

"Trink, trink, Brüderlein trink" gab es als Orgelmusik am Fasnets-Sonntag ebenso wie "Oh Du lieber Augustin". "So singt ein Hoch auf Euch mit Recht, weil vieles läuft gar nicht so schlecht. Gesund schreib' ich Euch all' zusammen, drum sagt darauf auch kräftig 'Amen'". Dies taten Narren und "normale" Gottedienstbesucher dann auch, bevor das Abendmahl folgte. Karl-Heinz Kutzbach, der Vorsitzende der Krautskräga, dankte am Ende allen Beteiligten.

Schon hatten die Tanzgarden Aufstellung genomen, sodass nun jeder Kirchenbesucher auf dem Weg zum Ausgang durch ihr Spalier gehen durfte. Wo dann auch der Pfarrer seine Schäfchen in den sonnigen Sonntag verabschiedete.

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