Der lange Weg von Platz zu Platz

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Wir müssen am Passy-Platz anfangen, um über den Marktplatz am Lindenplatz anzukommen – und das ist sicher ein langwieriger Weg“. Was Bürgermeister Michael Schrenk da in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend als Marschrichtung vorgegeben hatte, das war freilich nicht der simple Gang über die Pfullinger Plätze. Der würde nur ein paar Minuten dauern und wäre auch nur wenige hundert Meter lang. Nein, was Schrenk beschrieben hatte, war viel mehr der Sanierungsablauf, der weder finanziell noch planerisch ein Spaziergang werden dürfte. Wobei der Anfang schon gemacht ist.

„DEZ und Kirchstraße sind ja 2016 bereits gelaufen“, erläuterte Meinrad Riedlinger von der Stadtplanung den Räten. Was nun folgen soll, das ist der Umbau des Passy-Platzes, der sich direkt an die Flächen des Dienstleistungs- und Einkaufszentrums (DEZ) anschließt. Im April will die Stadt mit der eigentlichen Platz-Gestaltung beginnen, im Juli, nach dem Kirchentag, soll der zweite Bauabschnitt folgen. Dann steht die Abdichtung der Tiefgarage Marktplatz an. Weil die Arbeiten sich auch bis auf die Marktplatz-Oberfläche auswirken werden, schlägt das Stadtbauamt vor, provisorisch teilweise Asphalt aufzubringen. „Dann können wir uns die Konzeption für den Marktplatz noch offenhalten“, so Riedlinger.

Was den Passy-Platz angeht, „wollen wir die Bemusterung vom DEZ übernehmen“, erläuterte der Stadtplaner weiter. „Wir möchten den gesamten Bereich in Ordnung bekommen“, ist die Prämisse Riedlingers, der jetzt noch eine deutliche Trennlinie zwischen DEZ-Flächen (neu) und Passy-Platz (alt) sieht.

Auf einen öffentlichen Aufzug, wie er von der Tiefgarage Marktplatz aus auf den Passy-Platz vorgesehen war, kann man offenbar verzichten. Die barrierefreie Alternative zu den Treppenaufgängen bietet sich nämlich schon jetzt im Haus A des DEZ an. Der Aufzug ist zwar ein privater, kann aber von der Öffentlichkeit genutzt werden. Außerdem ist für das Carré zwischen Kirchstraße und Stadtbücherei eine neue Überdachung vorgesehen. Die alte, stark lädierte, ist zum Teil schon entfernt worden. Die neue, so Riedlinger, „soll eine Glas-Stahl-Konstruktion mit einer leichten, filigranen Ausgestaltung werden“. Gleichzeitig soll ein Wasserspiel – relativ eben angelegt und für kleinere Kinder geeignet  – auf den Platz gebaut werden. Was die Tiefgarage Marktplatz angeht, so wird die eine neue Technik und ein Fußgängerleitsystem bekommen und optisch wieder ansprechender gestaltet werden. All das hat freilich seinen Preis: Eine Million Euro wird die Stadt für die oberirdischen Arbeiten zahlen müssen, 500 000 Euro werden die Stadtwerke für alles, was unterhalb der Schutzbetonschicht zur Tiefgarage hin ist, berappen müssen.

Angetan von den Plänen des Stadtbauamts war indes Martin Fink (UWV). Er hat den Aufzug im DEZ-Haus A bereits mehrfach getestet. „Und ich bin positiv überrascht“. Auch die Pflasterung am DEZ gefällt ihm „hervorragend.“ Ja, er spricht gar von einem „völlig neuen Pflaster-Erlebnis“, wenn er die DEZ-Flächen mit anderen Plätzen in der Stadt vergleicht. Allerdings fasste Fink auch noch nach in Sachen Bewirtschaftung der WC-Anlage, die am Rande des Passy-Platzes geplant ist. Aber: „Komplette Selbstreinigung, das gibt’s nicht“, weiß Meinrad Riedlinger. Zwei bis drei Mal die Woche müsse  man da schon manuell nacharbeiten. Wobei die Innenausstattung der WC-Anlage wohl im März noch näher erläutert wird, wie Stadtbaumeister Karl-Jürgen Oehrle erklärte.

Nicht ganz so glücklich wie Fink war indes Gert Klaiber (CDU) mit den Plänen der Stadtverwaltung. Er drängte darauf, dass Teile des Marktplatzes schon früher „hergerichtet werden“ und hatte dabei den schlechten Zustand des Platzes im Blick, auf dem Klaiber doch einige Stolperfallen entdeckt hat. „Ich bitte, zu überlegen, das Gestaltungskonzept mit einer Kombination aus Asphalt und Pflaster schon bald im Endzustand hinzubekommen“, wandte sich der CDU-Stadtrat an die Verwaltungsbank. Schließlich sei es nicht besonders zielführend, wenn man den Marktplatz immer wieder ausbessern müsse. Klaiber rät „dringend zu einem vereinfachten Konzept“. Pragmatismus müsse vor Schönheit gehen, erläuterte er die aus seiner Sicht „einzige finanzierbare Lösung“ – eben die DEZ-Pflasterung fortzusetzen und sie auf dem Marktplatz mit Asphalt zu kombinieren. Eine Idee, die Meinrad Riedlinger angesichts „des historischen Marktplatzes“ denn doch zusammenzucken ließ. Und auch Michael Schrenk stellte die Möglichkeit, am Marktplatz Abstriche bei der Gestaltung zu machen, in Frage. Schließlich sei der Markt- und nicht der Passy-Platz der zentrale Ort in Pfullingen.

Ihre Ideen brachten indes auch noch andere Stadträte ein. Traude Koch (GAL) würde aus der WC-Anlage gerne eine behindertengerechte „Toilette für alle“ machen, was demnächst noch thematisiert wird. Und Thomas Mürdter (SPD) hatte noch Argumente gegen die dauerhafte Asphaltierung des Marktplatzes – weil die Marktstände bei großer Hitze ihre Spuren hinterlassen könnten. Die Bedenken von Sigrid Godbillon (GAL), dass irgendwann die Fördermittel fürs Sanierungsgebiet ausgehen könnten, konnte Michael Schrenk derweil zerstreuen. „Wichtig ist es, dass wir jetzt Fördermittel verbauen, um dann weitere Anträge auf Aufstockungsmittel stellen zu können. Wir müssen in eine Art Rhythmus reinkommen, um immer neue Anträge stellen zu können“. Wobei der Bürgermeister auch einschränkte: „Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben“.

Am Ende einigten sich Verwaltung und Gemeinderat darauf, den Passy-Platz zwar auf den Weg zu bringen, aber auch darauf, dass die Stadtplaner bis zum Frühjahr Gestaltungsvarianten für den Marktplatz zu Papier bringen, um zu sehen, wie der Markt- auf den Passy-Platz abzustimmen ist. Zudem soll auch noch mehr Zahlenmaterial geliefert werden. Die Idee einer Toilette für alle soll weiterverfolgt werden, nicht aber die Planung für einen öffentlichen Aufzug.

Asphalt wäre deplatziert

So nachvollziehbar das Drängeln von Gert Klaiber ist, der den Marktplatz gern schneller saniert sehen würde, so schade ist es, dass er dabei vor allem an eine Asphalt-Pflasterstein-Kombination denkt. Anders ausgedrückt: Dem CDU-Stadtrat ist es einerseits zu verdanken, dass bei der Verwaltung jetzt beschleunigt an einem Gestaltungskonzept gearbeitet wird – andererseits ist das, was er da im Sinn hat eher im Bereich „günstig, weil hässlich“ anzusiedeln.

Die Pflasterung, die an den nagelneuen DEZ-Flächen und am Passy-Platz, der umgeben ist von Bauten aus den 80er Jahren, passt, dürfte am historischen Marktplatz mit den vielen Fachwerkhäusern und der Martinskirche reichlich deplatziert wirken. Und dann noch große Asphalt-Flächen! Die von Klaiber ausgegebene Maxime „Pragmatismus vor Schönheit“ ist weder hilfreich noch zielführend. Schließlich setzen auch die Pfullinger immer stärker auf den Biosphären-Tourismus. Da sollte so ein zentraler Platz doch eher ein Hin- als ein Weggucker sein.

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