Der bläst 'ne geile Kanne!

Wer hat Klavier studiert, die "Feetwarmers" gegründet und mit Drummer Udo Lindenberg gerockt? Richtig: Klaus Doldinger. Am 22. Januar spielt er mit seiner Band "Passport" und der Philharmonie in der Stadthalle.

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Der Mann ist 78 Jahre alt und gilt als der einflussreichste deutsche Jazzsaxophonist. Sein Konzert am nächsten Donnerstag in der Stadthalle firmiert als "Symphonic Project" - denn die Württembergische Philharmonie, sonst eher der Klassik verpflichtet, spielt hier zusammen mit Doldingers legendärer Fusion-Band "Passport", die für Rock-Jazz steht. Kurzum, hier ist eine Kreuzüber-Begegnung der ganz besonderen Art zu erwarten.

"Ich mag es ohnehin nicht", sagt Doldinger gerne, "wenn man Grenzen zu eng zieht. Ich freue mich, wenn richtig Leben in die Halle kommt. Bei Musik geht es um Emotionen." Was erwartet die Zuhörer? Unter anderem erklingt ein erster Gehversuch als Komponist: das Jazzconcertino für Jazzband und Orchester von 1967. Dann aber stehen natürlich seine berühmten Filmmusik-Suiten zu "Tatort", "Das Boot" oder "Die unendliche Geschichte" auf dem Programm. Aber auch einschlägige "Passport"-Evergreens wie "Reng Deng", "Samba Cinema" und "Lucky Loser".

Welche Frage ihm besonders häufig gestellt wird, ist klar, nämlich die: Ob er seine "Tatort"-Erkennungsmelodie, 1970 komponiert, heute noch schmerzfrei hören kann? Doldinger bleibt da cool: "Mit gefällt es immer noch, in allen möglichen Versionen."

Doch Hand aufs Herz: In der Hardcore-Jazz-Szene der späten 60er und frühen 70er galt Doldinger mit all seinen Erfolgen als viel zu mainstreamig, zu wenig radikal, zu kommerziell. Vor allem seine Ausflüge in den Pop-Bereich, die er unter dem Pseudonym Paul Nero versteckte, aber auch seine lukrativen Werbeaufträge (wie die Musik zur Spülmittel-Reklame "Pril") wurden in der Szene kritisch beäugt.

Aber mit den Jahren hat sich das gelegt. Den Mister Paul Nero schaffte 1969 ab, und die Reklamemusiken stellte er Ende der 80er ein. Was bleibt, ist Klaus Doldinger, der kreative Allrounder, den auch Herbie Hancock oder Miles Davis hochschätzten und dessen Band "Passport" als Trendsetter in der Jazzgeschichte gelten darf.

Und ja, es stimmt: Der spätere Panik-Rocker Udo Lindenberg hat einst 1971 als Drummer bei "Passport" angefangen. Doldinger erinnert sich: Udo "kam morgens mit einem zerbeulten R 4 an, hat mir etwas auf dem Sofa vorgetrommelt, dann haben wir uns unterhalten, und mir war sofort klar, da ist was ganz Besonderes an dem Jungen."

Heute lebt Doldinger, 1936 in Berlin geboren, in Icking am Starnberger See und setzt sich für die finanzielle Förderung junger Musiker ein: "Dazu, dass Autorenschaft eine bessere Bewertung erfährt, könnte sogar unser ehemaliger Verteidigungsminister zu Guttenberg beigetragen haben. Immerhin hat er der Öffentlichkeit den Wert des geistigen Eigentums nahe gebracht."

Übrigens: Klaus Doldinger sieht fürs Musikbusiness nicht ganz so schwarz. "Der Tonträgermarkt ist nicht am Ende und die entsprechende Industrie auch nicht."

Kein Wunder, der Mann vermittelt grenzenlose Freude am Jazzen, Rocken, Arrangieren, Komponieren, Kombinieren und - ganz einfach am Musizieren. Das spürt auch eine junge Generation. Im Netz, etwa auf der Website saxophonforum.de, schreibt ein bekennender Fan über Doldinger: "Der Klaus bläst doch 'ne geile Kanne!"

Klaus Doldingers Symphonic Project mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen (WPR) unter Leitung von Leo Siberski steigt am Donnerstag, 22. Januar, 20 Uhr, in der Stadthalle Reutlingen.

Restkarten gibt es bei der WPR unter Telefon: (0 71 21) 82 012-26, online auf www.wuerttembergische-philharmonie.de sowie an der Abendkasse.

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