Der (Rad-)Weg ist das Ziel

Vorausichtlich im Mai werden sich die Kreistagsgremien mit der Fortschreibung des Radwegenetzkonzepts befassen. Im Vorfeld hatte Florian Müller vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Verwaltung kritisiert.

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Vorbildlicher Radwegweiser unweit des Rutschenfelsens: Hier verläuft sowohl der Themenradweg des Marbacher Gestüts als auch der Mythos-Schwäbische Alb-Radweg R13 "Rund um St. Johann".  Foto: 

Eines wird im Gespräch mit Udo Pasler, dem Leiter des Kreis-Straßenbauamts, schnell deutlich: Die Radwegeplanung ist ein komplexes Thema und außerdem ist Radweg nicht gleich Radweg. Grundsätzlich sind die Kommunen die Träger der Straßen- oder besser der Radwegebaulast. Zwar übernimmt der Kreis auch den Bau von Radwegen - meist im Zuge des Neubaus oder der Sanierung von Kreisstraßen, gelegentlich auch im Auftrag des Regierungspräsidiums bei Bundes- und Landesstraßen -, doch auch dann geht anschließend die Unterhaltungslast auf die Kommunen über.

Damit aber die Arbeit der Gemeinden kein Flickwerk bleibt, ist der Landkreis "zuständig für das Vernetzende und das Überörtliche", macht Pasler klar. Zudem versucht man, möglichst viele sehenswerte touristische Punkte per Radweg zu erschließen.

Hier auf den aktuellen Stand zu kommen, dazu dient tournusmäßig die Fortschreibung des Radwegenetzkonzepts 2010 in diesem Jahr. Dazu werden Gemeinden, Tourismusorganisationen, Vereine und Interessenverbände nach ihren Wünschen und Anregungen gefragt.

So auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Hier bekam der Landesverband die Unterlagen zugeschickt mit der Bitte, diese kritisch zu prüfen und gegebenenfalls zu ergänzen. Warum das Schreiben nach Stuttgart ging, fragt nun Florian Müller "mit Befremden", wo er als Regionalbeauftragter des VCD doch in Reutlingen wohne und es hier seit 2013 einen Kreisverband gebe. Weil sich die Verwaltung generell an die zentralen Verbände wendet, so Pasler - die wüssten am ehesten, wer vor Ort etwas zu der Anfrage beisteuern könne und machten das intern unter sich aus.

Dass Ehrenamtler Müller nicht innerhalb der gesetzten Frist habe fundiert antworten können, wie er bemängelt, ist für Pasler kein Beinbruch. Auch andere Beteiligte suchten um Fristverlängerung nach und bekamen sie. Wie überhaupt in diesem Meinungsbildungsprozess nach Paslers Ansicht das direkte Gespräch immer der beste Weg sei.

In Sachen Radwegenetz-Fortschreibung selbst sieht Pasler einen gewissen Verständnisbedarf. Zum Beispiel, was das zu Grunde liegende Karten- und Planmaterial angeht. Die Zustandskartierung der Radwege etwa, die Reutlingen als bislang einziger Kreis erstellte, kostete Pasler einen vollen Monat. In der Zeit besuchte er jede einzelne Gemeinde im Kreis und ließ sich den Zustand der Radwege in ihrer Zuständigkeit schildern.

Die daraus entstandene Karte stieß bei den kommunal Zuständigen auf breite Zustimmung, sei's weil sie darin gut wegkommen, sei es als Motivationshilfe für die Gremien, mehr für die Radwege zu tun.

Dass der Kreis überhaupt schon 2010 und damit vor allen Nachbarkreisen ein Radwegenetzkonzept vorlegen konnte, ist dem Bemühen des längst pensionierten Dezernenten Friedrich Melchinger zu verdanken, der ein besonderes Faible für Verkehrswege im Kreisgebiet hatte.

Als "reine Arbeitskarte" dient die landesübliche Flurkarte, in die die Kreis-Straßenbauer das Radwegenetzkonzept per Geo-Informations-System (GIS) eintragen. Dass diese Karte nicht sämtliche Radwege enthält, ist für Pasler - anders als für Müller - zwangsläufig, denn nicht jeder als Radweg genutzter Weg sei Bestandteil des Konzepts.

Rund 950 Kilometer lang ist dennoch allein das Radwegenetz, das Teil des Konzepts ist - demgegenüber stehen gerade mal 650 Kilometer klassifizierte Straßen im Kreis. Pasler glaubt, dass "unser Wegenetz zu dicht ist", eine allumfassende Darstellung sei deswegen "nicht handlebar". Deshalb werden parallel führende Wege nicht mehr im bereinigten Konzept geführt, auch manche touristische Rundtour sei nicht enthalten, wiewohl sie ihre Berechtigung habe, sagt Pasler.

Fester Bestandteil des Netzkonzepts sind hingegen die überregionalen Radwege. Landesfernradwege (dazu auch unser Stichwort unten) wie der Schwäbische-Alb-Weg, der Alb-Neckar- oder der Neckartal-Radweg sowie touristische Touren wie der Radweg Deutsche Fachwerkstraße oder der Württemberger Weinradweg durchziehen oder tangieren als "Rad-Fernstraßen" das Kreisgebiet. Im Entstehen ist das überörtliche RadNETZ, das vom Oberzentrum Reutlingen-Tübingen nach Riedlingen verlaufen und auch Metzingen und Münsingen anbinden wird (dazu unser nebenstehender Beitrag). Daneben ist das Wegenetz für Alltagsradler mit kurzen, gut ausgebauten, also sicheren Wegen ohne touristischen Anspruch Teil des Konzepts.

All diese Karteninformationen übermittelt das Kreis-Straßenbauamt an das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung (dazu die Info unten). Dort und beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie stehen dann die Daten für die Herstellung von Landkarten und Smartphone-Apps, wie sie die Tourismusgemeinschaft Mythos Schwäbische Alb im Landkreis Reutlingen anbietet, zur Verfügung. Die Herausgeber wählen dabei, je nach Ansatz und Zielgruppe, unterschiedliche Kartendarstellungen.

Weil nicht jeder GPS-navigiert auf zwei Rädern unterwegs ist, nützt der beste Weg nichts ohne gute Beschilderung. "Wir richten das am Ideal aus, der Familie mit zwei Kindern", sagt Pasler. Vor zwei Jahren hat das Straßenbauamt die Mammutaufgabe begonnen. Mittlerweile sind die Mythos-Radwege und der Themenweg des Gestüts Marbach komplett neu beschildert, bis zum Herbst soll der Rest bewältigt sein, verspricht Pasler. Die neue Einheitlichkeit mit kleinen "Einschiebern" für die verschiedenen Touren verspricht dann deutlich mehr Übersichtlichkeit als bisher.

Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung

Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) ist die Obere Vermessungs-, Flurbereinigungs- und Siedlungsbehörde für die Landkreise in Baden-Württemberg. Es übt die Fachaufsicht über die unteren Vermessungsbehörden, über öffentlich bestellte Vermessungsingenieure sowie die unteren Flurbereinigungsbehörden aus.

Ein Ziel des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) ist, neben den hoheitlichen Geobasisinformationen auch marktgerechte Produkte und kundenorientierte Dienstleistungen anzubieten. Die Produkte gliedern sich in analoge Produkte wie Land-, Wander- und Radkarten, Druckschriften oder Luftbilder, und digitale Produkte, die so genannten Geodaten.

SWP

Landesradfernwege

Ein wichtiger Bestandteil des Radverkehrsnetzes im Land sind die Landesradfernwege. Sie werden in der Regel überwiegend touristisch genutzt und sind daher für viele Radfahrer, die das Fahrrad im Alltag nicht nutzen, erster Berührungspunkt mit der Radverkehrsinfrastruktur in Baden-Württemberg. Die Qualitätssicherung dieser bestehenden Landesradfernwege ist ein zentrales Anliegen der Landesregierung. Bei den Landesradfernwegen handelt es sich um derzeit 19 Radwege, die das gesamte Land durchziehen, mit knapp 5000 Kilometern Gesamtlänge. Seit 2014 werden alle baden-württembergischen Landesradfernwege regelmäßig befahren, um Wegequalität und Beschilderung zu überprüfen. Ziel ist auch die einheitliche Beschilderung der Landesradfernwege.

SWP

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