Den Schrecken vor Technik und Informatik verloren

„Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.“ Dass dies Realität werden kann, erlebten Laura-Schradin-Schüler in einem Projekt mit der Hochschule.

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Die Teilnehmer und Betreuer der beiden Projekte an der Laura-Schradin-Schule.  Foto: 

Ein Jahr lang erforschten die Schüler der Jahrgangsstufe 1 (12. Klasse) des biotechnologischen Gymnasiums an der Laura-Schradin-Schule Messmethoden an einem Bioreaktor und entwickelten dabei Methoden, um den von einer Hefe hergestellten Alkoholgehalt in einer Nährlösung mit speziellen Sensoren zu messen. Auch die benötigte Software programmierten sie dabei selbst. Die Ergebnisse präsentierten die Schüler jetzt bei der Abschlussveranstaltung des naturwissenschaftlichen Seminarkurses an der Schule. Neben dem Bioreaktor-Projekt befasste sich eine zweite Schülergruppe mit dem Thema Klärschlamm-Resistenzen. Hier erforschten die Schüler etwa, wie Antibiotika im Klärschlamm abgebaut werden können.

Entwickelt wurden die Forschungsprojekte der Schule gemeinsam mit dem Studiengang Medizinisch-Technische Informatik der Hochschule Reutlingen. Das Ziel: Neben der praktischen Umsetzung sollen die Schüler schon an der Schule erleben können, wie wissenschaftlich an einer Hochschule oder in einem Forschungslabor gearbeitet wird. Dieses Ziel hätten die Schüler dabei sogar übertroffen, sagte Prof. Dr. Sven Steddin vom Studiengang Medizinisch-Technische Informatik bei der Abschlusspräsentation.

Mit ihren Forschungsergebnissen haben die Schüler drei wesentliche Merkmale der Prozessoptimierung umgesetzt: Im Laufe des Projektes wurden die Kosten reduziert, die Versuchszeit verringert und die Messergebnisse kontinuierlich verbessert. Das sei letztlich nur möglich, wenn man sich auch für ein Thema begeistert, erläuterte Steddin. „Sobald sich Schüler intensiv mit technischen Fragen auseinandersetzen, verlieren die Technik und die Informatik ihren Schrecken. Am Ende hatten die Schüler richtig Spaß und das wollten wir eben auch vermitteln.“ Aus Sicht von Sylvia Lange, Lehrerin für Informatik an der Schule, hat das Projekt Hemmungen und Hürden abgebaut: „Viele hatten vorher noch nie programmiert und am Ende haben sie so etwas wie Programmieren für Fortgeschrittene gemacht.“

Mit dem Projekt konnte den Schülern der so genannte MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) praktisch und interessant vermittelt werden und sogar eine Perspektive aufgezeigt werden, wie es nach der Schule weitergehen könnte, so die Schulleiterin der Laura-Schradin-Schule, Hildegunde Haist-Huber. „Es wird immer davon gesprochen, dass wir einen Mangel im MINT-Bereich haben. Wir haben hier bei unseren Schülern ein großes Potenzial, das wir wecken wollen und die Hochschule hilft uns hierbei als externer Partner. Eine absolute Win-Win-Situation. Ich freue mich über diese Partnerschaft.“ Abgerundet wurde das Projektkonzept dadurch, dass für die technische Unterstützung und Beratung der Schüler Annika Walz von der Robert Bosch GmbH gewonnen werden konnte und so neben der wissenschaftlichen Perspektive der Hochschule auch die Perspektive eines Unternehmens in das Projekt einfloss.

Initiiert wurde die Zusammenarbeit durch Dr. Frank Baumgartner, Projektleiter am Biotechnologischen Gymnasium und Prof. Dr. Sven Steddin, die die Kooperation auch in Zukunft fortsetzen wollen. Gerade der interdisziplinäre Charakter des Themas bereitet die Schüler auf zukünftige Projekte an der Hochschule und in der Industrie vor, da es in den modernen Wissenschaften heutzutage häufig fächerübergreifende Fragestellungen gibt, sagte Baumgartner. Der Erfolg und der Zuspruch der Schüler gibt ihnen dabei Recht. So gewannen die Schüler bei der Informatics Inside, einer wissenschaftlichen Konferenz der Informatik an der Hochschule Reutlingen den Poster Award. Spaß gemacht hat es eben auch, sagte Silvia Katolla von der Projektgruppe: „Ich fand es ganz toll, und wir haben relativ viel gelernt in dem Jahr. “

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