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    In der Outreach Clinic Bahunipati – eine der wenigen Außenstellen, die bereits ein batteriegestütztes Ultraschall-Gerät haben – supervisioniert Dr. Wolfgang Blank einen jungen Arzt bei der Behandlung eines Bauern mit Schulterschmerzen. Foto: 
  • Das Dhulikhel-Hospital bietet der armen Bevölkerung in Nepal kostenlose medizinische Betreuung. 2/2
    Das Dhulikhel-Hospital bietet der armen Bevölkerung in Nepal kostenlose medizinische Betreuung. Foto: 
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Für viele Menschen in Nepal ist eine medizinische Behandlung nahezu unerschwinglich und Krankenhäuser sind oftmals aufgrund der Entfernungen und einer mangelhaften Verkehrsinfrastruktur  kaum erreichbar. Um der armen Bevölkerung eine gute medizinische Versorgung bieten zu können, gründete Professor Dr. Ram Shresta 1996 das Dhulikhel-Hospital, das sechs Jahre später zum „Lehrkrankenhaus“ der Universität Kathmandu bestimmt wurde. Während der Monsunzeit werden viele Straßen völlig unpassierbar und so hat sich das Hospital vor längerem dazu entschlossen, 30 sogenannte Außenstellen (Outreach-Clinic) zu gründen. Dort kümmert sich ein junger Arzt, der dazu als Teil seiner Ausbildung für ein Jahr verpflichtet wird, sowie ein medizinisch ausgebildeter Pfleger (Paramedic) und eine Krankenschwester mit Hebammenausbildung um die Menschen in der jeweiligen Region.

Für den vor gut einem Jahr am Steinenbergklinikum pensionierten Ultraschallspezialisten Dr. Wolfgang Blank steht der Himalaya-Staat inzwischen regelmäßig als Reiseziel im Kalender, denn er engagiert sich dort ehrenamtlich für die Ausbildung von jungen Ärzten und medizinischem Personal im Bereich der Ultraschallmedizin. Und er kümmert sich zusammen mit Dr. Wolfgang Benkel um die Ausstattung der Außenstellen mit tragbaren Ultraschallgeräten, die durch Akkus mit Strom versorgt werden, da sie nur so vor dem Hintergrund häufiger Stromausfälle und Netzschwankungen zuverlässig funktionieren. Zwei Institutionen stehen hinter dem Projekt, nämlich der Arbeitskreis Entwicklungs- und Schwellenländer der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) sowie die Nepal Gruppe in der „Gastro-Foundation“. Von beiden Seiten wird die Ausbildung der Ärzte und Paramedics in Nepal unterstützt.

Dabei werden zunächst die Grundlagen der Ultraschall-Diagnostik in Kooperation mit den Radiologen des Dhulikhel-Hospitals nachhaltig und fundiert vermittelt. So hat Blank bei einem Aufenthalt im April diesen Jahres in zwei der Außenstellen das dortige medizinische Fachpersonal – ein Arzt, zwei Pfleger und zwei Hebammen – im Umgang mit Ultraschallgeräten ausgebildet, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Die viertägige Schulung wurde von einem Vertreter der Public Health Organisation am Dhulikhel-Hospital begleitet. Für Blank ist die Ausbildung der Paramedics, also der Pfleger, besonders wichtig, da diese im Gegensatz zu den jungen Ärzten in den Ortschaften bleiben, in die soziale Gemeinschaft eingebunden sind und die Menschen dort kennen. Bei der Vorsorge für Schwangere geht es in den Bergregionen nicht zuletzt um die Entscheidung, welche Frau zu Hause gebären kann und wann eine Einlieferung in die Klinik nötig ist.

Neben der Grundlagenausbildung gibt es Schulungen für Spezialisten im Bereich der interventionellen Sonographie, also dem Einsatz des Ultraschalls in der minimal-invasiven Diagnostik und Therapie. So können Leberabszesse punktiert oder Gallengangsteine festgestellt werden. „In Nepal kommt es oftmals zu einer Blutvergiftung, weil die Diagnose zu spät erfolgt“, erzählt  Blank. Einbezogen werden in die Basisschulung Ärzte verschiedener Fachrichtungen – das ist neu in Nepal, da dort, wie in Großbritannien und den USA, die Ultraschalldiagnostik bislang eine Domäne der Radiologen war, erläutert Blank.

Neben der Betreuung von Schwangeren liegt eine der Stärken der Ultraschalldiagnostik in der Einsatzmöglichkeit als „Basismedizin“, betonte Blank, der im Frühjahr wieder nach Nepal reist. Ziel: In den Außenstellen des Dhulikhel-Hospitals eine Möglichkeit zu haben, verlässliche Ergebnisse bei Eingangsuntersuchungen zu erhalten und auf dieser Grundlage entscheiden zu können, ob eine Verlegung des Betroffenen ins Hospital erforderlich ist. Die Voraussetzung dafür ist natürlich die Ausstattung der Außenstellen  mit den tragbaren Ultraschallgeräten. „20 solcher Geräte sollen sukzessive beschafft werden“, nennt Blank als Ziel. In die Finanzierung involviert ist die Namaste-Stiftung, ferner gibt es Spenden von Rotariergruppen aus Nürnberg sowie der Schweiz und es wurden Födergelder der Bundesregierung beantragt. Einen wesentlichen Anteil trägt die Firma Kalamed aus Pliezhausen, da diese die tragbaren Ultraschallgeräte zum Einkaufspreis von 8500 Euro zur Verfügung stellt.

Der Gründer der Namaste-Stiftung stand Blank zufolge ursprünglich skeptisch dem Projekt gegenüber, weil nur „Barfuß-Medizin“ unterstützt werden sollte, konnte jedoch davon überzeugt werden, dass Ultraschalldiagnostik eben gerade eine sehr gute Basismedizin ist.

Blank kombiniert seine medizinischen Einsätze in Nepal immer mit privatem Urlaub. „Es ist ein tolles Land für Wanderungen“, erzählt der passionierte Bergsteiger und wirbt für den Tourismus, der dort nach dem Erdbeben am Boden liegt. „Ich denke, man muss den Leuten dort helfen, wo sie leben“, nennt er als Motiv für sein Engagement. Und begreift dies auch als Möglichkeit, die Landflucht in Nepal zu verhindern. Die Städte dort könnten den Zuzug von immer mehr Menschen nicht verkraften.

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