Den ersten Brand hat die Röhre schon hinter sich

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Das Szenario ist gespenstisch. Durch den Tunnel pfeift der Wind mit sechs Metern pro Sekunde, vorn bei Block 125 lodern die Flammen und der Lärm, den die Ventilatoren machen, ist ohrenbetäubend – übertönt wird er nur noch von einer Frauenstimme, die aus den Lautsprechern dröhnt. „Hier spricht die Leitzentrale. Ein Feuer brennt im Tunnel. Bilden Sie eine Rettungsgasse und verlassen Sie sofort den Tunnel. Es besteht Lebensgefahr“. Doch trotz der drängenden Durchsage verlässt keiner die Röhre. Die Mannen vom Regierungspräsidium nicht, die Ingenieure auch nicht und die Journalisten und Feuerwehrleute bleiben erst recht stehen. Schließlich ist das hier ein Probelauf. Einer von acht Brandversuchen, mit denen der Scheibengipfeltunnel am Donnerstagnachmittag und auch noch am Freitag auf Herz und Nieren geprüft wird.

RABT gibt es nicht umsonst

„Wie reagiert die Tunneltechnik?“: Die Frage möchten nicht nur die Ingenieure von der Leipziger Firma „Brandschutzkonzept Consult“ jetzt, vier Wochen vor der Inbetriebnahme der Röhre, beantwortet haben, sondern auch das Regierungspräsidium und vor allem der Gesetzgeber. Nicht umsonst gibt’s die RABT, die Richtlinie für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln, die vorschreibt, wie so ein Neubau auf seine Tauglichkeit und vor allem auf seine Sicherheit getestet werden muss. Weshalb am Donnerstag erstmal ein Benzinwannenbrand auf der Tagesordnung stand. Mit dem muss die „Funktionalität der Brandmeldeeinrichtungen“ erwiesen werden. Fünf Megawatt Brandleistung: Das ist die Vorgabe für die Testreihe, bei der es auch darum geht, wie der Scheibengipfeltunnel extreme Wärme- und Rauchentwicklung bewältigt. Deshalb auch muss in Phase zwei ein Kleinfahrzeug-Brand her. Das „Modell“, das die Leipziger mit nach Reutlingen mitgebracht haben, hat schon 30 Feuer hinter sich. Und es hat, angeheizt von sechs Propangasflaschen, gestern Nachmittag auch seinen 31. Brand hinter sich gebracht, bei dem erprobt wurde, ob das Linienbrandkabel an der Tunneldecke nach der Zündung auf 50 Meter genau detektiert und den Alarm auslöst. In Fünf-Meter-Abständen sind an der Decke Mikrochips verbaut, die genau anzeigen sollen, wo das Feuer ausgebrochen ist. Und in Phase 3 ging’s am Donnerstag darum, ob der Rauch, den Nebelmaschinen simulieren mussten, auch tatsächlich richtig abzieht und die Rauchklappen sich auch rechtzeitig von selbst öffnen.Ihre gesamte High-Tech muss die Röhre auffahren, um die Tests zu bestehen. Der erste mit der ölgefüllten Wanne lief zum Beispiel perfekt. In 43 Sekunden hat der Tunnel auf die Hitzeentwicklung reagiert, 60 Sekunden hätte er Zeit gehabt.

Gespannt beobachtet

Gespannt haben die Testreihe am Donnerstag nicht nur die Journalisten, sondern vor allem auch die Feuerwehrleute aus Reutlingen, Eningen und Pfullingen beobachtet, die später auch im Ernstfall auch diejenigen sein werden, die als erste ran müssen, wenn’s im Tunnel brennt. Sie waren zum Beobachten da, aber auch zur Sicherheit. „Denn bei den sechs Propangasflaschen, mit denen wir hier arbeiten, bleibt halt doch ein Restrisiko“, so Gunther Junginger, Referatsleiter Straßenbau Nord beim Regierungspräsidium Tübingen, mit Blick auf den Versuchsaufbau, mit dem nicht nur das Brandmeldekabel, die Notfallorientierungsleuchen, die akustischen Signale und die Rauchklappen  geprüft wurden, sondern  auch die Rauchmessgeräte.

Eröffnung nicht in Gefahr

Tobias Heinzelmann von der Bauleitung des RP, wirkte nach den ersten Versuche, die auch Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen sollten, denn doch relativ erleichtert. Zumindest aus brandschutztechnischer Sicht scheint die Eröffnung des Scheibengipfeltunnels am 27. Oktober nicht in Gefahr zu sein. Und das Interieur „lebt“ auch noch. Teile der Decke direkt über dem brennenden Fahrzeug wurden nämlich vorsorglich abgeklebt. Damit sollte verhindert werden, dass die nagelneue Technik schon vor der Inbetriebnahme des Tunnels zerstört wird.

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