Dem Vereinsziel so nah

Die Initiative für ein Kulturhaus, kurz „I’kuh“, trägt ihren Vereinszweck schon im Namen. Allein: Seit ihrer Gründung vor exakt 20 Jahren hat sie ihr Ziel nicht erreicht. Was sich jetzt tatsächlich ändern könnte.

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Es war der 30. Januar 1995 als gut 40 Pfullinger einen Verein gründeten, um der Stadt ein Kultur-Zentrum zu geben, in dem sich alle Kunstschaffenden zusammenfinden und Veranstaltungsreihen über die Bühne gehen könnten. Ja, etwas Identitätsstiftendes sollte es sein. Eine Heimstatt für Vereine und Einzelne – alle eben, die irgendwie mit Kultur zu tun haben.

Entstanden war der Verein I’kuh aus der Reihe „Kultur im Klosterkeller“ heraus, die es bis heute gibt. Nach und nach taten sich immer mehr Menschen mit der Vision eines Kulturhauses zusammen bis Helmut Bachschuster, Andreas Schuler und Ulrich Koch Nägel mit Köpfen machten – und aus der losen Gemeinschaft einen Verein.

Dass I’kuh eigentlich nur ein Vereinsheim wollte und das eben Kulturhaus nannte – „das ist sicher das dauerhafteste Missverständnis in unserer Geschichte“, sagen Siegfried Maier und Manfred Kober, der Erste Vorsitzende und sein Stellvertreter, heute mit Blick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte. Dabei ist ihr Ansinnen ein ganz anderes. Einen kulturellen Mittelpunkt für die Stadt will I’kuh schaffen – und das vereinsübergreifend.

Was Pfullingen 1995 gefehlt hat, hat es allerdings im Jahr 2015 noch immer nicht bekommen. Auch wenn der Verein inzwischen auf 70 Mitglieder – Tendenz steigend – angewachsen ist und, teils auch in Kooperation mit anderen Einrichtungen und Gruppen, eine Veranstaltung nach der nächsten stemmt. Genannt seien da nur der Talk auf dem Pfulben, die Kellernächte, die Most-Kultur oder das allsommerliche Open Air im Hof des Pfullinger Schlosses.

Überhaupt: das Schloss. Seine Zukunft hat die Initiative seit 1995 immer wieder umgetrieben. Hatte man anfangs noch an eine Art Kulturkneipe nach Glemser Vorbild gedacht, wurde das Vorhaben schnell wieder verworfen, weil keiner den Wirt machen wollte. Dann kam die Idee auf, das Schloss umzubauen, es neu zu nutzen. Die zentrale Lage, die geschichtliche Bedeutung und die Chance, es mit einem Anbau wieder auf seine einstige Größe zu dimensionieren – das alles hat I’kuh imponiert.

Allein: Der Gedanke, das Schloss umzubauen – „damit hat man’s noch schlimmer gemacht“, wissen Maier und Kober heute über ihre Beziehung zur Kommune. Für die Stadt sei der Brocken einfach zu groß gewesen. Auf sechs bis acht Millionen Euro hat Ex-Bürgermeister Rudolf Heß das Investitionsvolumen noch kurz vor Ende seiner Amtszeit geschätzt. „Wir hatten uns aber darauf eingeschossen“, sagt Maier selbstkritisch über die frühen Vereinsjahre. Wobei er I’kuh da auch einen Erfolg zugesteht. „Es hat uns geholfen, den Kulturgedanken weiter voranzutreiben.“

Freilich musste der Verein im Laufe seiner Geschichte auch umdenken. Zwischendurch war – als Angebot von der Stadt – sogar mal der frühere Edeka-Markt Stoll im Gespräch. Seit Ende vergangenen Jahres ist es ein ganz anderes Gebäude, das als Kultur-Zentrum in Frage kommt: die Klosterkirche. Die Stadt hat ein vergleichendes Gutachterverfahren in Auftrag gegeben, um die Fluchttreppe – ohne die die Kirche aus dem 13. Jahrhundert nicht mehr für größere Veranstaltungen genutzt werden darf – in ein Gesamtkonzept mit Saalanbau zu integrieren. Der Siegerentwurf des Architekturbüros Bamberg hat nicht nur die Stadträte überzeugt. Auch I’kuh ist begeistert – und gefordert (siehe Interview). Denn der Gemeinderat hat dem Verein im Dezember noch mit auf den Weg gegeben, dass er „jetzt liefern muss.“

Gemeint war, dass sich I’kuh engagieren soll und konzeptionell an der Realisierung des Kultur-Zentrums arbeiten muss. Endlich, nach 20 Jahren, scheint das Vereinsziel in greifbare Nähe gerückt zu sein: Die Kommune hat Verantwortung übernommen und will – so der Gemeinderat zustimmt – die Rahmenbedingungen für ein Kulturhaus schaffen, der Verein darf es mit Inhalt füllen. Das I’kuh-Motto scheint zukunftsweisend: sich einmischen, aufmischen, mitmischen.

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