Debatte um 50 Meter Straße

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Für rund 600 000 Euro soll der „Flickenteppich“ in der Kanzleistraße saniert werden, beschloss der Gemeinderat vergangene Woche.  Foto: 

Es ging um nicht viel mehr als 50 Meter. Doch die Diskussion um die Gestaltung des Straßenstücks der Aulberstraße zwischen Weibermarkt und Mauerstraße beschäftigte den Reutlinger Gemeinderat vergangene Woche über die Maßen. Dabei war es ja keinesfalls so, dass dieses Thema nicht schon einmal ausführlich und umstritten geführt wurde: Im Bauausschuss im Juli vergangenen Jahres hatten die Fraktionen schon einmal die unterschiedlichen Positionen ausgetauscht.

Die Straße sei sehr wichtig für Fußgänger, um aus der Oststadt in die Altstadt zu kommen, betonte Holger Bergmann (Grüne). So weit stimmten die anderen Fraktionen ja noch zu, jedoch nicht mehr, als es um die Frage „Gehweg oder nicht“ ging. Der Grüne betonte nämlich, dass ein Trottoir von gerade mal 1,50 Meter Breite eh nicht ausreichend seien, weil sich da ja nicht einmal zwei Kinderwagen oder zwei Rollstuhlfahrer begegnen könnten. Bei einer nur sieben Meter breiten Straßenfläche von Hauswand zu Hauswand sei aber nun mal nicht mehr Platz vorhanden, hieß es vonseiten der Stadtverwaltung. Bergmann forderte also „eine Straße ohne sichtbaren Gehweg“ – womit der gesamte Verkehr verlangsamt werde. Und das sei „auch okay“, obwohl die Aulberstraße eine sehr wichtige Radverbindung in die Altstadt sei. „Aber an dieser Stelle können die Radler ein wenig ausgebremst werden“, befand der Grüne.

Anders sah das Andreas vom Scheidt (CDU): „Fußgänger sollen auf einem Gehweg Schutz erhalten, das ist die richtige Planung.“ Unterstützung fand er bei Regine Vohrer (FDP): „Es braucht dort unbedingt einen Gehweg, sonst ist das viel zu gefährlich für Fußgänger.“ Auch Fritz Haux (CDU) sah das so: „Ich beobachte täglich, dass Kinder auf Gehwegen wissen, dass sie sich dort bewegen können.“ Zustimmung kam auch von Helmut Treutlein (SPD): „Ein Gehweg hat orientierende Funktion für Kinder.“ Bergmanns Vorschlag sei hingegen „regelrecht gefährlich“. Allerdings erhielt der Grüne auch Zustimmung, nämlich von Thomas Ziegler (Linke): „Dass Fußgänger einen Gehweg brauchen, ist eine typische Autofahrer-Perspektive.“ Ohne Trottoir würden Autofahrer sehr viel vorsichtiger fahren, habe er selbst beobachtet. Entschieden hat sich der Gemeinderat gegen die Stimmen der Grünen für die Gestaltung des kleinen Stücks Aulberstraße mit Gehweg. Kosten: rund 250 000 Euro.

Fast untergegangen ist bei dieser Diskussion das einstimmige Votum des Gremiums, die Kanzleistraße zwischen Marktplatz und Oberamteistraße neu zu gestalten – obwohl das auch mal eben so knapp 600 000 Euro kosten wird. Aber: Dass der Flickenteppich an dieser Stelle auf rund 800 Quadratmetern alles andere als schön ist, wurde von den Stadträten auch nicht infrage gestellt. Orientieren soll sich die Gestaltung an der im Herbst 2015 erneuerten Oberamteistraße, zwischen Wilhelm- und Museumstraße.

Ziemlich genervt zeigten sich aber manche Gemeinderäte über den Baufortschritt am Weibermarkt: Der ruhe nämlich schon seit Wochen, ohne dass ein einziges Zeichen des Fortschritts erkennbar sei, kritisierte etwa Annette Seiz (CDU). „Das ist sehr ärgerlich, weil da junge Leute viel Geld in die Hand genommen haben, um ein Lokal zu eröffnen – sie brauchen die Freiflächen.“

Die drei bestellten Bäume würden erst im Herbst gepflanzt, sagte Bernd Eger, Abteilungsleiter Tiefbau bei der Stadt. „Bei der Gestaltung mit dem Wasserspiel gibt es noch Abstimmungsbedarf.“ Oberbürgermeisterin  Barbara Bosch resümierte: „Die handfesten Beschwerden müssen wir mitnehmen und uns darum kümmern.“

Gleiches gilt auch für den Ärger von Sebastian Weigle und Edeltraut Stiedl (beide SPD): Sie wollten wissen, wieso immer wieder und viel zu viele Autos zwischen Schulstraße und Weibermarkt in der Metzgerstraße auftauchen, „obwohl sie da überhaupt nichts verloren haben“.

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