Das Ziel vor Augen

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Was waren das für abendfüllende Diskussionen, bevor der Gemeinderat im März 2015 grünes Licht für die Neuordnung der Jagd gegeben hat. Jetzt, zwei Jahre später, scheint Ruhe eingekehrt zu sein in Pfullingen. Selbst wenn es von Seiten der Jäger noch hie und da Kritik gibt und auch die Landwirte nicht immer rundum glücklich sind. Vor allem, weil die Wildschweine partout nicht lernen wollen, dass sie im Wald bleiben und nicht raus auf die Felder rennen sollen. „Das müssen die Sauen erst noch lernen“, verkündete jüngst im Gemeinderat der scheidende Stadtpfleger Roland Deh.

Zum Ende seiner Zeit als Kämmerer konnte Deh den Pfullinger Räten dann aber doch noch eine wichtige Erkenntnis mit auf den Heimweg geben. „Es ist ein langer Prozess“, sagte er – und meinte damit die Tatsache, dass die Neuordnung der Jagd inklusive der Bildung von zwei Eigenjagdbezirken und der Einführung von Begehungsscheinen nicht dafür geeignet ist, schnelle Ergebnisse zu erzielen. Viel eher käme man wohl mit einem Betrachtungszeitraum von drei bis fünf Jahren hin, waren sich Roland Deh und Bürgermeister Michael Schrenk einig. Letzterer hat indes schon festgestellt: „Wir werden landauf landab beobachtet“. Denn erstens denken auch andere Kommunen über das neue System, das mehr Transparenz und bessere Kontrollmöglichkeiten bringen soll, nach. Zweitens war das Pfullinger Regiejagdmodell erst kürzlich Gegenstand eines Vortrags von Professor Thorsten Beimgraben an der Rottenburger Hochschule für Forstwirtschaft, die der Stadt bei der Umsetzung des Projektes zur Seite steht.

Natürlich muss sich noch vieles einspielen in den Wäldern rund ums Echaztal – weil es halt schon ein deutlicher Unterschied ist, ob es, wie früher, neun Jagden gibt, für die ebenso viele Jäger ihre eigene Art gefunden haben, die Dinge zu regeln, oder ob es nur einen Ansprechpartner gibt: die Stadt. Und dort allen voran Revierförster Bernd Mair. Dass die Freude bei denen, die die landwirtschaftlichen Flächen in Richtung Gönningen beackern, sich in Grenzen hält – dafür hat auch Roand Deh angesichts der Sauenschäden Verständnis. Weil dort aber auch der Verbiss im Wald sehr hoch sei, habe man den Hiebsatz im Stadtwald gesenkt.

Andererseits scheinen die Jäger nicht so unglücklich zu sein mit der neuen Regelung, die vorsieht, dass sie zeitlich begrenzte Begehungsscheine bei der Stadt beantragen müssen. 31 solcher Genehmigungen seien vergeben, erklärt die Pressesprecherin der Stadt, Cornelia Gekeler. Und es gebe gar eine Warteliste mit Jägern, die zum Zug kommen könnten, wenn die Scheine zum 1. April neu verteilt werden.

Zum Pfullinger Modell gehört indes auch, dass eine Wildkammer auf dem Gelände des Bauhofs eingerichtet wurde, in der die Jäger das Wild zerlegen. Der Landkreis ist dann für die Vermarktung zuständig, wofür er bis zu 10 000 Euro jährlich berappen kann. Weil’s 2015 allerdings zu „Verzögerungen bei der Beschlussfassung kam“, wie es von Seiten der Verwaltung heißt, ist die Wildkammer denn doch einiges teurer geworden. 50 000 Euro waren ursprünglich dafür vorgesehen. 125 000 Euro wurden’s tatsächlich. Auch, weil bei den ersten Planungen wohl nicht abzusehen war, dass die Entwässerungs- und Fundamentierungsarbeiten und die EDV-Ausstattung so kostenintensiv werden würden. Die Erneuerung diverser Reviereinrichtungen – zum Beispiel neue Ansitze  – verschlang weitere 20 000 Euro. Alles in allem fielen bisher auf der Ausgabenseite 135 000 Euro an. Während die Willdkammer auf 40 Jahre abgeschrieben werden kann, sind es bei den Reviereinrichtungen 20. Gleichzeitig kommen auf der Ertragsseite 17 000 Euro durch die Begehungsscheine wieder in die Stadtkasse und 11 000 Euro sind es durch den Wildpreterlös. Am Ende bleibt ein Reinertrag von 11 500 Euro. Summen, die der Gemeinderat jüngst ohne  größere Debatte zur Kenntnis nahm. Dabei stimmte er denn auch einem Dienstleistungsvertrag zu, den die Stadt mit dem Landkreis abschließt. Laut dem übernimmt der Kreis die Jagdleitung, die Stadt legt unter anderem die Kriterien für die Begehungsscheine fest. Was bislang noch unklar ist, ist, ob das Pfullinger Modell seinen Zweck erfüllt und der Verbiss in den Griff zu bekommen ist. Denn ob jetzt mehr Rehe geschossen werden als früher – das hat sich in den ersten beiden Jahren nicht ermitteln lassen.

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