Das Wunder im Pullunder

Er hat Stil. Olaf Schubert legt Wert auf total unmodisches Outfit. Der Dresdner Komiker bespaßt inzwischen sogar die "heute-show". Vor seinem Auftritt am 5. März in der Stadthalle beantwortete er unsere Fragen.

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Schon sein Lebenslauf zeugt von trockenem Humor. Fängt ganz harmlos an: Olaf Schubert, so heißt es, sei 1967 in Plauen (Vogtland) geboren, Studium Architektur und Musik in Berlin und Minsk. Aha. Dann aber: „Arbeitete als Fußpfleger, Kameramann und Essenträger.“ Und in der typisch Schubertschen Mischung aus Größenwahn und Selbstironie folgt dann diese Einschätzung: „Begann im Frühherbst 1989 die Wende in der DDR einzuleiten (gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern).“

Wie bitte? Hintergründiger Witz, das ist es, was Olaf Schubert so populär macht. Da tritt einer in betont modefernen Klamotten auf – in Sachen, die manch westdeutscher SUV-Besitzer als „peinlich“ im Altkleidercontainer entsorgen würde.

Dann sächselt Olaf auch noch ein klein bisschen – und gibt sich wenig Mühe, das stromlinienförmig zu verbergen. Und schließlich spricht er auch noch, wenn’s sein muss, zu allen möglichen Themen – in einem eigenwillig krausen Stil, den wir hier mal, frei nach Kleist, „die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ nennen würden.

Wobei diese Verfertigung – und das ist typisch Olaf Schubert – auch schon mal stolpert, hakt und stockt. Aber gerade deswegen hören ihm viele so gerne zu: Wie er sich heillos beim Reden in schwierige Probleme hineinquatscht, und wie er aber aus diesen scheinbar ausweglosen Sackgassen wieder tapfer herausfindet und zum Befreiungsschlag ausholt.

Ja, das ist Olaf Schubert. Eine Kunstfigur und auch ein Künstlername, hinter dem sich ein in Dresden lebender Komiker verbirgt. Manchmal nennt der sich auch Gabi Schubert und ist als „Schlagzeugerin“ der Jazzrock-Band „Dekadance“ unterwegs.

Kurzum, Olaf Schubert, der neuerdings sogar als Weltkrisen-Experte die von Millionen Zuschauern gesehene „heute-show“ beehrt, ist ein verwirrendes Phänomen: ein bekennend ostdeutscher „Humorist und Weltverbesserer“, der so etwas wie Understatement-Manier pflegt. Keine Polit-Pointen-Drescher, sondern einer, der sich seinen Themen über trickreiche Umwege nähert. Einer, der den lauten Zeitgeist einfach verweigert: Mode, Neoliberalismus, Besserwessi-tum und vieles mehr.

SÜDWEST PRESSE: Ihr Rhombenpulli ist ja schon legendär. „Wunder im Pullunder“ heißt es über Sie. Wie kam’s denn zu diesem ungewöhnlichen Erkennungszeichen?

OLAF SCHUBERT: Ich habe das Gefühl, schon im Pullunder geboren worden zu sein. Sicher bin ich mir allerdings nicht, ich war ja damals noch sehr klein. Ich muss mal meine Mutti fragen.

Wie viele von diesen tollen Pullis haben Sie denn?

OLAF SCHUBERT: Drei – Sommer, Winter und natürlich einen für den Übergang. Den trage ich momentan.

Die meisten kennen Sie als Comedian. In Ihrer Biographie heißt es aber: „Lebt und arbeitet als Betroffenheitslyriker in Dresden“. Könnten wir da bitte eine Kostprobe hören?

OLAF SCHUBERT: Das stimmt. Ich bin Betroffenheitslyriker. Da bin ich irgendwie reingerutscht – ohne Ahnung wie. Und ich weiß auch nicht, was ein Betroffenheitslyriker eigentlich ist. Aber vielleicht bin ich es gerade deshalb so gerne.

„Wie ich die Welt retten würde“, hieß eins Ihrer Bücher. Wo würden Sie heute bei der Weltrettung anfangen?

OLAF SCHUBERT: Momentan gibt es so viele Probleme, da weiß selbst ein Pfiffikus wie ich nicht mehr, wo man beginnen soll. Im Zweifel entscheide ich mich immer eher für die kleineren Probleme, da kommt es schneller zum Erfolgserlebnis.

Jetzt kommen Sie nach Reutlingen – haben Sie je von dieser Stadt schon einmal etwas gehört oder ist Ihnen das egal?

OLAF SCHUBERT: Gehört schon – gesehen noch nichts. Ich werde aber hoffentlich noch vor dem Auftritt eine ausführliche Besichtigung des Terrains vornehmen. Wenn es mir gefällt, bleibe ich und werde Reutlinger. Falls man mich lässt. . .

Sie machen unter anderem auch Musik, sind als „Schlagzeugerin“ Gabi Schubert mit der Band „Dekadance“ unterwegs. Wie würden Sie denn diese Musik bezeichnen?

OLAF SCHUBERT: Als ziemlich schrägen Rock-Jazz-Funk-Huber-Swing. Mit deutlicher Tendenz zum dänischen Cha-Cha.

Auf Ihrer Website schreiben Sie: „Laut der Umfrage eines großen deutschen Nachrichtenmagazins gehöre ich nicht zu den zehn erotischsten Männern Deutschlands – aber ich kann auch mit dem elften Platz gut leben.“ Da würde uns interessieren, wer auf dieser Liste wohl die Nummer eins ist?

OLAF SCHUBERT: Gute Frage. Ich weiß nicht mehr. Aber es könnten viele sein. Peter Zwegat, Costa Cordalis, Peter Altmaier, Frau Merkel. . .

Könnten Sie Ihr Reutlinger Programm „Olaf Schubert & seine Freunde“ , mit dem Sie heute in der Stadthalle auftreten, ganz kurz in wenigen Worten beschreiben?

OLAF SCHUBERT: Olaf kommt auf die Bühne und beginnt zu erzählen. Der Rest ergibt sich dann.

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