Das Schloss und die Rotoren

Die Firma Sowitec will sieben Windräder auf dem Sonnenbühler Hohfleck bauen. Darüber sind zahlreiche Lichtensteiner überhaupt nicht erfreut.

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Rotoren halb so hoch wie der Pariser Eiffelturm? Hier der Blick von Holzelfingen mit Schloss Lichtenstein am Horizont als Visualisierung. Foto/Montage: Sowitec

"Auch wenn der Mindestabstand eingehalten wird, verlöre Schloss Lichtenstein durch die Windkrafträder sein bisheriges Erscheinungsbild", erklärte Lichtensteins Bürgermeister Peter Nußbaum auf Anfrage; dies nach der Bürgerversammlung in Engstingen über das Windkraftprojekt der Firma Sowitec für die Bebauung des rund 870 Meter hohen Bergs Hohflecks (wir berichteten). "Jedoch glaube ich, dass das Projekt letztendlich niemand verhindern will." Wilhelm Albert, Herzog von Urach, der Hausherr von Schloss Lichtenstein, sagte: "Das Vorhaben erweckt natürlich nicht meine Freude, logisch, wenn die einem so etwas vor die Haustüre bauen." Er wisse aber auch, dass dies die einzige Fläche sei, die Sinn mache.

Sowitec hatte, als Pionier in der Region, 1995 den Windpark auf dem Himmelberg oberhalb des Sonnenbühler Teilorts Willmandingen errichtet. Danach kam lange Zeit nichts. Denn die CDU-regierten Landesregierungen sprachen sich immer vehement gegen die "Verspargelung" der Landschaft aus.

Heute werden die Dinge angesichts des Atomausstiegs und der Energiewende - und dem Hang zum Regenerativen etwas anders gesehen. Und die Landesregierung in Stuttgart wird von Grünen und der SPD geführt. Auch der Lichtensteiner Bürgermeister ist kein kämpferischer Gegner des Großprojekts mit seinen bis zu sieben Rotoren, die dann bis zu 140 Meter hoch sein würden. Hatte Nußbaum doch Ende September seine Gemeinderäte gebeten, die "Änderung des Flächennutzungsplans" durchzuwinken. Doch es folgte ein Aufstand der Lichtensteiner Gemeinderäte.

Das Landschaftsbild würde verschandelt, insbesondere Schloss Lichtenstein würde unter der dann ganz anderen landschaftlichen Optik leiden. Andere Gemeinderäte warnten aber seinerzeit: Wer es mit der Energiewende ernst nehme, dürfe sich nicht einfach für Windkraft aussprechen mit dem Vorbehalt: "Aber nicht vor meiner Haustüre." Knapp wurden mit neun gegen sieben Stimmen Einwände gegen das Vorhaben beschlossen. Peter Nußbaum weiß, dass das Projekt Windpark Hohfleck sicher auch "rechtlich sorgfältig geprüft" werde. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit werde sich auch das Landesdenkmalamt melden. "Das Schloss ist ein Kulturdenkmal von herausragender Bedeutung", so Nußbaum, das durch den Windpark beeinträchtigt würde. "Wir müssen das noch einmal vertieft betrachten."

Und das wahrscheinlich recht bald. Wilhelm Albert, Herzog von Urach, geht davon aus, dass der Windpark schon Ende 2015 stehen könnte. Ob auch er dagegen aktiv wird, weiß er noch nicht. Indes: Wer vom Schloss in Richtung Süden und Südwesten blickt, habe derzeit noch eine intakte Alblandschaft vor sich, "die gäbe es danach aber nicht mehr", sagt der Herzog.

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Kommentare

22.01.2015 10:32 Uhr

es werden nicht die letzten Windräder sein

Wo ein Windrad steht, kommen in den meisten Fällen weitere dazu. Das ist Fakt. Immer wieder wird von Bürgermeistern, Ländräten, von Initiatoren und der Landesregierung behauptet, wenn dies oder jenes Gebiet ausweisen wird, dann werden alle von weiteren Windparks verschont werden. Wer die diversen Meldungen zur Windkraft verfolgt, kann aber leicht feststellen, dass hauptsächlich von Seiten der rot/grünen Landesregiegrung und von verschiedenen Naturschutzverbänden weitere Zugeständnisse für die Windkraftbranche gemacht werden sollen. Das geht dann inzwischen soweit, dass Aufweichungen beim Naturschutz gepant und auch gemacht werden. Wo heute nicht gebaut werden darf, soll es bald schon möglich sein, siehe aktuell die Debatte um den Naturpark Schwäbischer Wald.

Wilhelm Albert, Herzog von Urach, werden Sie gegen diese Windkraftpläne aktiv !! Eine intakte Alblandschaft wird es sonst bald nicht mehr geben und das liegt nicht am angeblich menschengemachten Klimawandel, defintiv nicht !!!"

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