Dankeschön für viele Jahrzehnte im Ehrenamt

Den gestrigen Bürgerempfang nahm OB Barbara Bosch zum Anlass, um vier rührige Reutlinger - Trude Heck, Rita Singer, Werner Henne und Ewald Rilling - mit der Verdienstmedaille der Stadt auszuzeichnen.

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Oberbürgermeisterin Barbara Bosch (rechts) zeichnete gestern (von links) Ewald Rilling, Trude Heck, Rita Singer und Werner Henne mit der Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen aus. Foto: Bernd Haase

Für ihre großen kulturellen Verdienste um die Stadt und ihre Bürgerschaft zeichnete das Reutlinger Stadtoberhaupt Trude Heck aus. Die "Grande Dame des Naturtheaters" konnte im vergangenen Jahr auf 70 Jahre Einsatz auf der Bühne zurückschauen. In unzähligen kleinen und großen Rollen habe sie, würdigte Barbara Bosch, das Publikum begeistert, Regie im Kindertheater geführt und sei bei vielen Theaterproduktionen als Regieassistentin tätig gewesen. Die gelernte Weißnäherin sei seit 1963 ehrenamtlich beim Naturtheater als Kostümbildnerin tätig, habe in dieser Funktion rund 4000 Rollen mit Kostümen versehen.

Aber nicht nur Spielen und Schneidern, auch Singen ist "ihr Ding". Seit 1949 singt die Sopranistin in der Chorgemeinschaft Naturtheater/St. Wolfgang mit, als Anerkennung erhielt sie 1989 den Sängerring der Stadt Reutlingen. Seit 40 Jahren sitzt Trude Heck im Beirat des Naturtheaters und übte diverse Funktionen auf Verbandsebene aus, bis 2010 saß sie im Präsidium des Bundesverbands. "Durch Ihre freundliche und ausgleichende Art, so heißt es, tragen Sie stets zu sachlich geführten, harmonischen Sitzungen bei. Solche Menschen sind in Gremien Gold wert", lobte die Oberbürgermeisterin die Trägerin zahlreicher Auszeichnungen.

Nicht die einheimischen Haustiere, die Exoten haben es Werner Henne angetan: "Herr Henne liebt Schlangen, Leguane, Pinselohräffchen, chinesische Feuerbrandmolche, um nur einiges von dem spannenden Getier aufzuzählen, das unter seiner Betreuung oben auf der Pomologie im Exotarium versammelt ist", sagte Bosch über den Träger der Verdienstmedaille.

Seit 1969 ist der Pfullinger (!) im Vorstand des Vereins Exotarium Reutlingen, der früher unter dem Namen als "Reutlinger Aquarium-Verein" firmierte. Ursprünglich als reines "Schau-Aquarium" gedacht, wurde der Tierbestand nach und nach um Reptilien, Vögel, Insekten und Klein-Säugetiere erweitert. 1984 wurde der Standort auf die Pomologie verlegt. Seitdem gehört die Ausstellung dort zu den festen Einrichtungen. Vor allem für Familien mit Kleinkindern sei das Exotarium an Sonn- und Feiertagen ein attraktives Ausflugsziel und erweitere die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Die "Mini-Wilhelma" ist darüber hinaus, wie Bosch sagte, auch ein Lernort für Kindergärten.

Die anfallende intensive Arbeit werde von zwölf aktiven ehrenamtlichen Mitgliedern des Vereins Exotarium Reutlingen e.V. gestemmt, mit Henne an absolut vorderster Stelle. "Sie sind im Exotarium nicht nur der Mann für alle Viecher, sondern auch für alles, was sonst noch anfällt", sagte die OB und nannte als Stichworte: Futterdienst, Fahrten zum Tierarzt, Papiere für die Exoten, Technik, Pressearbeit, um Führungen und vieles andere mehr. Mensch und Tier profitierten von seinem profunden Wissen und großen Enthusiasmus. Rund 15 Stunden pro Woche sei Henne ehrenamtlich im Einsatz und habe auch schon viel Geld in die Ausstellung gesteckt. Seit über 40 Jahren lasse er sich vom Exotarium "in die Pflicht nehmen" - nicht als Hobby, sondern als "eine selbst gewählte Verpflichtung", betonte Bosch in ihrer Laudatio.

Um Fauna und Flora, aber auch um das Wohlergehen von sozial schlechter gestellten Familien kümmert sich Ewald Rilling. Lange Jahre wirkte er als Vorstand der Fischergemeinschaft Oferdingen, gestaltete Biotope mit und kümmerte sich um den Fischbestand und um die Sauberkeit der Zuflüsse zum Neckar im Reutlinger Norden - mit Erfolg, wie eine bessere Wasserqualität und eine größere Artenvielfalt zeigen.

Bis Ende des vergangenen Jahres war der passionierte Imker Naturschutzwart für Baden-Württemberg. Als Experte für den Hornissenschutz berät er Menschen, wenn sie sich von Hornissen bedroht fühlen. Kinder und Jugendliche führt er in die Welt der Natur ein. In seiner Heimatgemeinde war er etliche Jahre Ansprechpartner für die Oferdinger Vereine und organisierte mit hohem Zeiteinsatz und großem Engagement das Dorffest, inklusive des "Public Viewing" 2006, als die Fußball-WM hier ausgetragen worden war. Daneben arbeitet das "Organisationstalent" als tragende Säule bei der Vesperkirche und der Reutlinger Tafel mit. Die vierte Verdienstmedaille ging an Rita Singer - ein Multitalent in Sachen soziales ehrenamtliches Engagement. Sie ist nicht nur, wie Bosch ausführte, seit 1997 Mitglied im Leitungskreis der Vesperkirche. Darüber hinaus gehört die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes seit 20 Jahren dem Arbeitskreis Obdachlose (AKO) in Reutlingen an und setzt sich hier für die Belange von wohnungslosen Menschen ein und versucht, deren Lebenssituation zu verbessern.

Eine ganz besondere Rolle in Rita Singers Leben nimmt der Kinderschutzbund ein - von 1979 bis 2002 leitete sie das von ihr begründete Sorgentelefon. "Sie setzten sich mit Ihrer ganzen Kraft über Jahrzehnte für bedürftige Kinder und Familien ein, halfen bei der Bewältigung von Familienkonflikten, aber auch bei materiellen Fragen, Behördengängen und anderen Herausforderungen", würdigte Bosch. Daneben habe sie sich im "Weißen Ring" für den Opferschutz engagiert und 1992 als Gründungsmitglied des Vereins "Wirbelwind" fungiert, der sich um Opfer sexueller Gewalt kümmert. Als "Notaufnahmestelle" bei "pro juventa" half Singer, die sich erst in den vergangenen Jahren etwas von ihren Betreuungsaufgaben zurückgezogen hat, gestrauchelten Jugendlichen. Noch heute arbeite sie bei "Willkommen im Leben" mit und besuche regelmäßig im Auftrag der Stadt Familien mit neugeborenem Kind. "Liebe Frau Singer, eine solch jahrzehntelange Treue, ein derart vielseitiger ehrenamtlicher sozialer Einsatz ist beispielhaft", würdigte Bosch.

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