Cooler Kojote: Howe Gelb mit Giant Sand

Er setzt keine neuen Trends, und seine Musik ist eher unkompliziert: Howe Gelbs Band Giant Sand spielte im franz.K, die Fans waren begeistert.

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Für eine graue Eminenz des amerikanischen Untergrunds ist Howe Gelb erstaunlich gut gelaunt. Vielleicht liegt es daran, dass seine Tochter Patsy erstmals bei einer Tour dabei ist. Oder weil es ihm heute so leicht fällt, zwischen romantischen Balladen und monströsen Klangbildern hin und her zu pendeln, was den Vorteil hat, großes Gefühl zu behaupten, ohne an LoFi-Charme zu verlieren.

Vielleicht liegt es auch daran, dass er seine rastlosen, das Niemandsland zwischen Country, Folk, Jazz, Blues und Americana abgrasenden Mitteilungen wieder einmal in feste Formen gießen konnte. In Lieder, die zeitlos sind auf eine Art und Weise, wie das nur wenige Bands hinkriegen. Die sich dem Ohr anschmiegen, ohne schmalzig zu werden: "Heartbreak Pass" heißt das aktuelle Album, aus dem er im franz.K spielt und die Stücke darauf reichen an die alten locker heran.

Auch Howe Gelb selbst hat von seiner faszinierenden Ausstrahlung nichts eingebüßt. Manche im leidlich gefüllten franz.K tragen den Schriftzug oder Gelbs Konterfei auf T-Shirts wie eine Reliquie vor sich her. Für viele hier ist der Sänger, Gitarrist, Pianist und Kopf von Giant Sand seit Jahrzehnten der coolste Kojote, der je eine amerikanische Wüste betreten hat. Howe Gelb dankt es ihnen mit einem abwechslungsreichen Doppelkonzert, das von seinen Bandkollegen Brian Lopez, Gabriel Sullivan und Gästen psychedelisch eröffnet wird.

Anfangs sitzt Howe Gelb am Klavier, spielt auf und in seinem Flügel und pflegt den sonoren rauen Countrygesang. Da gibt er sich, wie man ihn seit 30 Jahren kennt: als schmachtender Countrybarde, der herzergreifend vor sich hin brummt. Doch er kann auch anders: Dann lässt er die Steel-Guitar-Akkorde aus weiter Ferne anrollen. Sie kündigen sich als ein Pfeifen an, dann nähern sie sich wie das verzerrte Ächzen einer alten, aber schnellen Maschine, und wenn sie ganz nah sind, dann sind die Töne unendlich dick und weich und kommen genau im Zentrum des Brustkorbs zum Halten.

Vor dem Absturz ins Sentimentale rettet ihn die Lust an der Improvisation, das anarchische, fast selbstzerstörerische Bedürfnis, die Oberfläche seiner Stücke zu durchlöchern: "Paradise don't come without mistakes." Von Leonard Cohen spielt er "A thousand Kisses deep", später Zeilen, die ihm der Kollege Kurt Wagner von Lambchop einst in ein Diktiergerät gesungen hat. Drei Zugaben.

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