Comeback ohne Mit-Helden

Drei Jahre war sie raus aus dem Geschäft, nun ist die Ex-"Heldin" zurück: Judith Holofernes erzählt mit neuer Band und aktuellen Songs im mäßig besuchten Kulturzentrum franz.K von der Kraft der Poesie.

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Authentisch, poetisch und dann noch subversiv: Die Ex-"Heldin" Judith Holofernes ist nach dreijähriger Pause mit neuer Band wieder unterwegs.  Foto: 

Mit den Comebacks im Popgeschäft läuft es auch nicht mehr so einfach wie früher. Obwohl Judith Holofernes mit ihrer ehemaligen Erfolgsband "Wir sind Helden" Popgeschichte schrieb und zum Teil die Grenzen der deutschen Musiklandschaft neu definierte, ist das franz.K bei ihrer Rückkehr ohne die einstigen Mit-"Helden" noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt.

Und dann wirbelt mit Celina Bostic auch noch eine Solokünstlerin durchs Vorprogramm, die mit kreativen Einfällen und einer bombastischen Stimme der Holofernes fast die Show stiehlt. Dabei hat es die inzwischen zweifache Mutter immer noch drauf: Mit ihrer fünfköpfigen Band schwelgt sie nicht nur in trendiger Metropolen-Romantik, sondern integriert Western-, Folk-, Zydeco- und RocknRoll-Elemente in ihren unangepassten Deutschpop.

Mal begleitet sie, die als Sprachrohr einer ganzen Generation gefeiert wurde, ihren Gesang mit der E-Gitarre, mal mit einer kleinen Ukulele oder einer Mandoline. Auch ihre Mitmusiker beherrschen zum Teil mehrere Instrumente, von der Trompete über ein Xylofon bis zur Pauke und Lapsteel-Gitarre. In ihrem naiven Gestus erinnert die Musik - und vor allem Holofernes Stimme - zuweilen an Bands der NDW-Ära, als hätten sich "Ideal" in Erstsemester verwandelt.

Judith Holofernes ist ein schöner Beweis für die These des "Quiet is the New Loud". Wohl auch, weil sie selbst einmal lauter war, als sie mit "Wir sind Helden" den Deutschrock revolutionierte. Nun aber hat sie die Kraft der Poesie kennen gelernt und lebt sie in ihren Liedern aus. Die Eigenkompositionen des neuen Albums "Ein leichtes Schwert" unterstreichen diese Aussage. Einfache Melodien sind das, persönliche Texte, die auch mal nur vom Alltag erzählen. Deutschsprachiger Pop, der ohne Triefschmalz auskommt.

Songs wie "Danke, ich hab schon", "Havarie", "John Irving" oder das Titelstück "Ein leichtes Schwert" gehören dazu. Sie stecken zum Teil voller Zitate, Verweise und manchmal auch voll trüber Nachdenklichkeit.

Wenn das Diskurs-Pop genannt wird, dann wohl, weil man die meisten Stücke als intelligente Wortspiele und auch als konkrete Fragen oder Statements begreifen kann, die auf Antworten oder neue Fragen geradezu warten. Holofernes, deren Stimme wie zu "Helden"-Zeiten wie die eines kleinen Mädchens, aber doch eindringlich klingt, verlässt sich eben nicht auf das abgesteckte Songwriter-Terrain, sondern geht um einiges weiter. Vor allem aber gibt sie ihren verbliebenen Fans im franz.K das gute Gefühl, dass man authentisch und gleichwohl subversiv drauf sein kann, ohne sofort mit einer Jeanswerbung verglichen zu werden. Das hat zwar mit Musik wenig zu tun, aber darum geht es heute sowieso nur noch zum Teil.

Gewiss ist die Musik im Gegensatz zu "Wir sind Helden" längst nicht so eingängig, nicht so aufbrausend und vor allem nicht so tanzbar. Aber gerade im intensiven Mittelteil, in dem die Sängerin mehr und mehr aus sich herausgeht und souverän in großstädtischer Melancholie schwelgt, ist die alte Leidenschaft zurück. Das quer durch alle Altersgruppen gemischte Publikum ist sich nach anderthalb Stunden und drei Zugaben einig: Judith Holofernes ist zwar keine "Heldin" mehr, aber man muss sie einfach mögen.

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