Cine Latino kommt nach Reutlingen

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Das CineLatino-Team: von links Irene Jung, Paolo de Carvalho, Pola Hahn, Kathrin Frenz und Berenice Höntsch.  Foto: 

Am 19. April startet im Tübinger Kino Museum das Filmfestival CineLatino, das seine beiden Schwerpunkte dem aktuellen Filmschaffen auf Kuba und iberoamerikanischen Migrationsbewegungen widmet. Erstmals steigt das einwöchige Filmfest, das mit dem chilenischen Beitrag „Rara“ eröffnet, auch im Reutlinger Kamino.

Nur selten haben es in den vergangenen Jahren kubanische Filmproduktionen in deutsche Kinosäle geschafft. Ob sich das in naher Zukunft ändern wird, bleibt abzuwarten. Festivalleiter Paolo Roberto de Carvalho geht davon aus, dass die jüngsten Entwicklungen, allen voran die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA, „den Wandel und die Öffnung Kubas in der Filmbrache vorantreiben werden“.

Dass kubanische Kunstschaffende – auch im Bereich Film – bis heute mit staatlicher Zensur zu kämpfen haben, ist ebenso Fakt. Bislang wurden viele kubanische Filme vom staatlichen Filmmonopol (ICAIC) produziert, was beim Genehmigungsverfahren häufig schon eine Form von Selbstzensur seitens der Regisseure erforderte.

Auch heute kommt es noch vor, dass ein bereits abgedrehter Film von der staatlichen Zensurbehörde ohne Begründung abgelehnt „oder zumindest in den staatlichen Kinos nicht gezeigt wird“, berichtet de Carvalho, der das Festival vor 24 Jahren aus der Taufe gehoben hat. Junge Filmemacher auf Kuba finden dennoch immer wieder Wege, die Zensurbehörde zu umgehen.

Die vier kubanischen Langfilme, die beim Festival zu sehen sind, wurden so auch über private Investoren oder mit Hilfe internationaler Koproduzenten finanziert: „Auf Kuba einen Film zu drehen ist nicht nur eine Frage der Kontrolle, sondern vor allem der Finanzierung“, sagt der Festivalleiter. Ein weiterer Weg, den Filmemacher auf Kuba nutzen, ist die Möglichkeit, ihren Film durch Crowdfunding zu finanzieren. Kiki Álvarez‘ „Venecia“ (Samstag, 22. April, 18 Uhr, Studio Museum) über einen Feierabend-Ausflug von drei jungen Angestellten eines Schönheitssalons durchs nächtliche Havanna ging etwa diesen Weg. Das Festival zeigt neben vier Spielfilmen aus Kuba auch ein Kurzfilmprogramm von Studierenden der Filmschule San Antonio de los Baños.

Ein weiterer Schwerpunkt des Festivals sind Produktionen, die sich mit Migrationsbewegungen innerhalb des amerikanischen Kontinents und mit Flucht vor struktureller Armut und Gewalt beschäftigen. Dazu gibt es sieben Spielfilme, einen Kurzfilm, eine Gesprächsrunde (Sonntag, 23. April, 18 Uhr) wird sich ebenfalls dem Thema aus verschiedenen Perspektiven widmen.

 Insgesamt zeigt das Festival in diesem Jahr 42 Filme, davon 26 Langfilme, mehrere Kurzfilmprogramme und zahlreiche Schulvorstellungen, für die bereits knapp 1 000 Anmeldungen vorliegen, berichtet Festivalkoordinatorin Kathrin Frenz, die sich die Arbeit mit Pola Hahn und Irene Jung teilt. Als weitere Festivalorte sind Stuttgart und Freiburg sowie erstmals auch das Kamino dabei.

In dem Reutlinger Programmkino wird am 19., 21. und 26. April eine kleine Auswahl mit vier Filmen gezeigt. Dagegen fällt Rottenburg als Festivalort weg, da das Interesse an lateinamerikanischen Filmen zu schwach war. Dafür erfreut sich das 2015 erstmals ausgetragene „Open Festival Space“ in der oberen Haaggasse wachsender Beliebtheit. Dieses Jahr werden im Freien und in verschiedenen Cafés und Kneipen Kurzfilme aus Mexiko und Spanien gezeigt.

Insgesamt elf Gäste beehren das Festival, darunter der kubanische Regisseur Carlos Quintela, der seinen preisgekrönten Film „La obra del siglo“ vorstellt. Auch finanziell ist das Festival mit einem Gesamtbudget von 90 000 Euro und einem neuen Zuschussgeber, der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (10 000 Euro), „relativ gut ausgestattet“, so Irene Jung.

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