Christian O. Erbe tritt nochmal an

Mit der konstituierenden Sitzung der neuen IHK-Vollversammlung am 22. Juli endet auch die Amtszeit von Christian O. Erbe. Zeit für einen Rückblick auf viereinhalb Jahre IHK-Präsidentschaft.

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IHK-Präsident Christian O. Erbe (hier vor einem Kanal in der Oberen Wässere) zieht eine positive Bilanz der vergangenen viereinhalb Jahre.  Foto: 

Christian O. Erbe wird, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, für eine zweite Amtszeit kandidieren, sofern er in die neue IHK-Vollversammlung gewählt wird. Die Wahlen sind vom 15. April bis 4. Mai, die neue Vollversammlung konstituiert sich am 22. Juli. "Wir haben viele Themen angestoßen. Es sei eine tolle Aufgabe, das Ganze weiterzugestalten", betonte der IHK-Präsident.

Dazu gehört auch der Kampf gegen die Auswirkungen des demografischen Wandels, den der Geschäftsführende Gesellschafter der Erbe Medizintechnik GmbH in Tübingen schon im Juli 2010 in seiner Bewerbungsrede vor der IHK-Vollversammlung angesprochen hatte. "Um Talente zu gewinnen", wurde in den vergangenen Jahren die Kooperation mit fast allen Hochschulen in der Region institutionalisiert, dazu wurde im Herbst 2013 gemeinsam mit Unternehmen die Technikakademie ins Leben gerufen, die sich um die Weiterbildung kümmert und von deren Angeboten bislang rund 300 Mitarbeiter profitiert haben, wie der 54-jährige IHK-Präsident sagte.

Zum Werben um Fachkräfte lassen sich aber auch Projekte zählen, die weit vor einer Berufstätigkeit liegen. Die Kooperationen mit Kindergärten und Schule - vom "Haus der kleinen Forscher" über die "MINT-Kids" bis zu "Wirtschaft macht Schulen" - wurden in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut, sie sollen bei Kindern und Jugendlichen das Interesse am Forschen, an Technik, Informatik und Naturwissenschaften sowie an Wirtschaftsthemen generell wecken. Aus Erbes Perspektive ist es daher auch richtig und wichtig, dass ab 2016 das Fach "Wirtschaft" in Baden-Württemberg eingeführt wird. Derzeit würden die Curricula für das neue Fach erarbeitet.

Doch all das werde nicht reichen, um die Folgen der demografischen Entwicklung auszugleichen. Daher gelte es auch diejenigen, die hierher gekommen sind, auch zu halten - keine "einfache Aufgabe", wie der IHK-Chef weiß. Erbe setzt hier auf das bei der IHK angesiedelte Welcome-Center, dessen Leiterin Yvonne Brockhaus bei der Wohnungssuche oder auch bei Behördengängen helfen kann.

Sorgen bereitet Erbe in diesem Kontext die Pegida-Bewegung, die gegen alle moralischen und ethischen Grundsätze stehe. Er warnt davor, das Phänomen zu ignorieren, man müsse sich dagegenstellen - ganz nach dem Prinzip "Wehret den Anfängen". Schließlich könnten die Unternehmen von Flüchtlingen und Zuwanderern profitieren - eine Möglichkeit, den Fachkräftemangel zu lindern. Im Gegenzug könnten sich die Flüchtlinge einbringen. Damit profitierten dann beide Seiten - eine klassische Win-win-Situation.

"Wir können uns nur durch Innovationen auf dem Weltmarkt behaupten", unterstreicht Erbe. Hier soll das im Februar 2012 eröffnete Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer (IWW) einen wichtigen Beitrag leisten, den Technologietransfer zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen sowie kleinen und mittleren Unternehmen auszubauen. Eine bedeutende Rolle spielt laut Erbe auch die Bildung von Clustern, um den Erfahrungsaustausch zwischen Firmen eines bestimmten Segments zu verbessern. Die IHK verfügt inzwischen über rund zwei Dutzend Netzwerke - von den Technischen Textilien bis zur Kreativwirtschaft. So hat die Reutlinger Kammer das deutschlandweit erste Netzwerk für Klein- und Kleinstunternehmer eingerichtet.

Eine wichtige Aufgabe der IHK-Führung ist die Lobbyarbeit gegenüber der Politik. "Wir müssen hier präsent sein, um der Region Gewicht zu verleihen", betont der Tübinger Unternehmer. Es sei wichtig, der Politik Wirtschaftsthemen nahe zu bringen. Als "erstaunlich gut" bezeichnet er das Verhältnis zur grün-roten Landesregierung, auch weil sich vieles gewandelt habe - sowohl, was den Bildungsbereich als auch was die Wirtschaftsfreundlichkeit generell angehe. Insbesondere Ministerpräsident Winfried Kretschmann lege großen Wert darauf.

Eher kritisch betrachtet Erbe derzeit die Arbeit der Großen Koalition in Berlin: "Wir müssen feststellen, dass der Trend weg von den Investitionen hin zum Konsumtiven geht", sagt er mit Blick auf die Rente mit 63 Jahren.

Ein zentrales Thema, das die IHK weiter forcieren wird, ist der Ausbau der B 27, zudem sollte mit dem Ausbau von Breitbandleitungen im ländlichen Bereich, aber auch in den Städten eine weitere strukturelle Schwäche der Region Neckar-Alb abgemildert werden. Nur zwei Aufgaben, die Erbe, Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp und ihre Mitstreiter in den kommenden Jahren verfolgen könnten.

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