Bürokratie weiter abbauen

Das Handwerk in der Region begrüßt die vorgesehenen Erleichterungen bei den Dokumentationspflichten im Zusammenhang mit dem Mindestlohn.

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Von Anfang an bestand im Handwerk keinerlei Verständnis für die Monatsverdienstgrenze von nahezu 3000 Euro zum Nachweis der Arbeitszeit. Die Erleichterungen gehen aber vielen Betrieben noch nicht weit genug: In einem Gespräch in der Kreishandwerkerschaft wird ein weiterer Abbau der Bürokratie gefordert. Des Weiteren wehren sich die Betriebe gegen festgelegte Höchstarbeitszeiten selbst gegen die Wünsche der Mitarbeiter.

Seit Jahresbeginn gilt in Deutschland ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn. Für das Handwerk war diese Lohnuntergrenze von Anfang an ein kleines Problem, so übereinstimmend Kreishandwerksmeister Dieter Laible und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Ewald Heinzelmann. In vielen Handwerksbetrieben galten zu diesem Zeitpunkt und gelten auch weiterhin allgemeinverbindliche Tarifverträge, die deutlich höhere Lohnuntergrenzen vorsehen. Als Beispiele nennen die beiden Vertreter des regionalen Handwerks das gesamte Bauhauptgewerbe, aber auch das Malerhandwerk, verschiedene Ausbauhandwerke oder auch das Friseurhandwerk.

In der Kritik der Betriebe standen deshalb von Anfang an viel stärker die umfangreichen Bürokratielasten und Dokumentationspflichten. Insbesondere war es für niemand einsichtig, weswegen in vielen Branchen die Arbeitszeiten von Mitarbeitern nachzuweisen sind, die nahezu 3000 Euro brutto monatlich verdienen. Bei üblichen Arbeitszeiten und einer Lohnuntergrenze von 8,50 Euro war diese Zahl mathematisch nicht nachzuvollziehen.

Die Handwerker begrüßen deshalb, dass nun Erleichterungen geplant sind, die beispielsweise bei der Monatsverdienstgrenze greifen. Begrüßt wird ebenso, dass die Beschäftigung von mitarbeitenden Familienangehörigen aus der Dokumentationspflicht herausgenommen werden soll. Auch die Klarstellung hinsichtlich der Haftung wird befürwortet, nachdem diese immer wieder falsch ausgelegt wurde, was zu unnötiger Arbeit geführt hat.

Mit den vorgesehenen Erleichterungen sind die Handwerker alles andere als zufrieden. Sie reklamieren einen weiteren Abbau der Bürokratie. Die Beschäftigung von Aushilfen ist durch die gültigen Höchstarbeitsgrenzen massiv eingeschränkt. Unter Berücksichtigung der geleisteten Arbeitszeit im Hauptbeschäftigungsverhältnis bleibe vergleichsweise wenig Zeit für Aushilfstätigkeiten übrig. Viele Betriebe wissen nicht einmal wie viel Arbeitszeit die Aushilfe konkret im Hauptbeschäftigungsverhältnis geleistet hat. Kommt es in der Addition der Arbeitszeiten aber zu einer Überschreitung, werde dies zu Lasten der Arbeitgeber sanktioniert.

Weiterhin gibt es auch im Handwerk viele leistungsbereite Mitarbeiter, die aus unterschiedlicher Motivation heraus mehr arbeiten wollen. Der Gesetzgeber könne diesen Arbeitnehmern nicht vorschreiben, wie lange sie arbeiten dürfen und damit letztendlich auch wie viel sie verdienen können. Angesichts des Fachkräftemangels droht die große Gefahr, dass Servicezeiten eingeschränkt werden müssen und nicht mehr jeder Kundenwunsch im vollen Umfang erfüllt werden kann.

Der demografische Wandel werde den bestehenden Fachkräftemangel noch massiv verstärken. Dem entgegenzuwirken bedürfe neuer Konzepte. Dazu muss nach Ansicht der Handwerker auch eine erhöhte Flexibilität gehören. Innerhalb gewisser Grenzen müssten Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit im Einvernehmen mit dem Betrieb selbst festlegen können.

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