Büfett International und Jonglage

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Viel Andrang herrschte am riesigen Büfett-International beim Begegnungsfest mit geflüchteten Menschen, die aus zahlreichen Nationen kamen.  Foto: 

Auf dem Hof spielten die Kinder und freuten sich wie alle auf die fliegenden Mini-Fußbälle des Meister-Jongleurs Nei Kodama aus Japan. Oben im ersten Stock waren alle Tische voll besetzt, und aus der Küche kamen exotische Düfte. Der Arbeitskreis Asyl mit seinen rund 60 aktiven Ehrenamtlichen feierte unlängst Begegnungsfest – und die Resonanz war ebenso groß wie die Freude über neue Fortschritte bei der Wohnungssuche.

Doch noch nicht alles läuft so, wie man sich das wünschen könne, war allenthalben von den sehr engagierten Männern  und Frauen zu hören, die die allesamt anerkannten Geflüchteten in der Gemeinde am Fuße der Achalm nach Kräften unterstützen. Denn eine, stets wiederkehrende, frohe Kunde schafft auch Platzprobleme. Bis zu schätzungsweise sechs Familiennachzüge soll es demnächst geben, da ist guter Rat teuer, der private und bezahlbare Wohnraum jedenfalls ist knapp.

Doch genau das sieht ja das dezentrale Modell des Landkreises vor. Um sich besser integrieren zu können, sollen anerkannte Flüchtlinge nicht dauerhaft in der gemeinsamen Unterkunft im Eninger Boarding House wohnen bleiben.

All diese Themen wurden beim Begegnungsfest in Gesprächen zwar auch angesprochen, jedoch dominierte die Freude über ein Event, das es in zweierlei Hinsicht in sich hatte. Da waren die liebevoll hergerichteten Häppchen aus aller Welt, deren Platten die ganze Küche füllten – und deren Namen kaum jemand alle kante. Denn die Menschen kommen ja nicht nur aus den unterschiedlichsten Ländern der Erde, die wiederum auch die verschiedenste kulinarischen Kultur haben.

Gefeiert wurde vor dem Gebäude im Grund, wo sich die Leute im ersten Stock trafen. Dort ist auch das stets stark nachgefragte Kleiderlager. Doch hatte das am Tag des Begegnungsfests freilich ebenso geschlossen, wie das große Möbellager schräg gegenüber im Hof eines anderen, leer stehenden Gewerbebetriebs. Denn die Organisatoren hatten jede Menge andere Dinge zu tun, auch die Fahrradwerkstatt konnte nur besichtigt werden.

Und da deutet sich eine größerer Rochade an. Während laut Ankündigung Möbel und Zweiräder schon im April hätten raus müssen, es aber noch eine „Schonfrist“ gibt, seien die Aussichten nun ganz gut, das Erdgeschoss im Grund 4 bald auch beziehen zu dürfen. Das wissen das Ehepaar Christel und Jürgen Theurer – sie managt das Kleiderlager, er die Werkstatt und das Möbellager.

Im Hof warten die Leute auf Wetterbesserung für die zweite Attraktion des Tages: Jugendreferent Michael Löcke war es gelungen, Nei Kodama einzuladen. „Ich kenne ihn schon lange, und seine Vorführungen sind Spitze“, so Löcke, der dann aber auch in den Himmel blickt, aus dem es tröpfelt. Aufführung verschoben! Denn der junge Artist jongliert auch im Sitzen mit den Bällen.

Oben im Saal wird derweil international genascht und getratscht, wobei der deutsche Bienenstich ganz schnell weg war. Bei Kaffee und Säften unterhalten sich auch Eningens stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Barbara Dürr und Gemeinderätin Annegret Romer, die sich selbst auch für die Flüchtlinge engagieren. Ob Alltagsbegleitung, Behördengänge oder Rechtsberatung: „Für uns war es ein Segen, dass sich der AK Asyl schon 2014, also vor dem großen Zuzug der Menschen zusammengefunden hat“, so Dürr.

Die Medizinerin betreut syrische Ärzte und sieht ein Hindernis des beruflichen Vorankommens auch darin, dass ab einer bestimmten Stufe der Sprachkurse, diese nicht mehr kostenlos angeboten werden. „Das wirft die Leute dann doch schnell einmal sechs Monate zurück“, weiß Dürr. Aber ihr ist auch klar: „Wir können nicht bei allen Flüchtlingen für das komplette Angebot sorgen.“

Annegret Romer unterhält sich mit Mahmud und will ihm helfen, beruflich Fuß zu fassen. Der junge Syrer, der nach nur einem Jahr schon sehr gut deutsch spricht,  hat ansonsten schon einmal das ganz große Los gezogen: „Meine Eltern waren vor mir in Deutschland, da konnte ich hier deren Wohnung übernehmen. Das war nun wirklich Glück. Aber viele andere Flüchtlinge in Eningen sind auch frohen Mutes, setzen auf die heute schon große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung.

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