Buchbinder macht Geschichte

Norma und Dieter Schumacher haben ihre Buchdruckmaschinen und allerlei Werkzeug der Stadt vermacht. Die Objekte sind nun im Stadtgeschichtlichen Museum Schlössle zu bestaunen. Eingerichtet hat das Zimmer der Geschichtsverein.

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Rudolf Heß und Dieter Schumacher an der Fadenheftmaschine.  Foto: 

Das muss wie an Weihnachten gewesen sein, als die Jungs eine Modelleisenbahn bekamen - als die Mitglieder des Geschichtsvereins und Bürgermeister Rudolf Heß das neue Buchbinderzimmer im Schlössle zu Gesicht bekamen. "Außer im Buchbinder-Museum in Mainz gibt es in deutschen Museen nichts Vergleichbares", weiß Bürgermeister Rudolf Heß, dem zur Eröffnung des Buchbinderzimmers im Schlössle gleich ein ganzer Tross Interessierter gefolgt war.

Im ehemaligen Kirchenzimmer dort ist nun ein bedeutendes Stück Handwerker- und Wirtschaftsgeschichte beheimatet. Im Beisein zahlreicher Gemeinderäte verwies Heß auf die 1936 von Heinrich Schumacher erhaltene Gewerbekarte. In der Kirchstraße 4 habe man stets "hervorragende Qualitätsarbeit" bekommen, auch das Ambiente und die Art, wie die Kunden bedient wurden, sei vorbildlich gewesen, so Heß. Ab 1999 führte dann Dieter Schumacher die Geschäfte des Vaters weiter. Nun ist er im Ruhestand.

Der Pfullinger Künstler Helmut Bachschuster hatte angeregt, die Maschinen samt der Werkzeuge von Dieter und Norma Schumacher ins Museum zu übernehmen. Und so kam es auch. Das Ehepaar Norma und Dieter Schumacher vermachte die noch voll funktionsfähigen Maschinen der Stadt. Und jede Menge anschaulichen Werkzeugs kam auch dazu. Erich Losch und Frank Korndörfer vom Geschichtsverein machten sich alsbald daran, die Stube im ersten Stock des Schlössles museumspädagogisch geschickt und hoch informativ einzurichten. Die Modelle der Martinskirche, die dort bislang standen, wanderten ins Geschoss darüber.

"Wir wollten hier schon immer modernisieren," ließ Waltraut Pustal wissen, die Vorsitzende des Geschichtsvereins ist. Die Schumachers, die vom Bürgermeister Blumen und ein paar Scheine der städtischen Pfulben-Währung erhielten, versicherten, dass es an bestimmten Tagen nicht nur Führungen geben werde, sondern auch Vorführungen. "Wir wollen schließlich ein lebhaftes Museum," so Pustal.

Doch zunächst war es überhaupt nicht sicher, ob die schweren Maschinen die Statik des 1450 erbauten Schlössle nicht erschüttern würden, genauer: den Boden im ersten Stock. Doch der hielt, und dank kräftiger Leute des Bauhofs wurden die einzigartigen Gerätschaften hinauf transportiert.

Und schon lief sie an, die beeindruckende Fadenheftmaschine. Eine Anleitung zum Thema "Wie drucke ich ein Buch" findet sich in der neuen Schau ebenfalls - in gedruckter Form, versteht sich.

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