Brücken bauen in den Arbeitsmarkt

Ein ganzer Strauß von Bündnispartner hat sich im Februar zusammengetan, um in drei Integrationszentren im Kreis seine Kompetenzen zu bündeln. Gestern nahm der Anlaufpunkt für Asylbewerber seine Arbeit auf.

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  • Hans-Joachim Neveling und seine Frau Anne (Mitte) führen die Vertreter der Bündnispartner durch ihr Fabrikgebäude Täleswiesenstraße 2, das seit gestern das Integrationszentrum beherbergt. 1/2
    Hans-Joachim Neveling und seine Frau Anne (Mitte) führen die Vertreter der Bündnispartner durch ihr Fabrikgebäude Täleswiesenstraße 2, das seit gestern das Integrationszentrum beherbergt. Foto: 
  • Sozialarbeiterin Christine Kuhnle (rechts) und Praktikant Daniel Gönninger (links) vom Landratsamt versuchen im Gespräch, die beruflichen und allgemeinen Kompetenzen des jungen syrischen Asylbewerbers – hier mit seinem ehrenamtlichen Übersetzer – zu ermitteln. 2/2
    Sozialarbeiterin Christine Kuhnle (rechts) und Praktikant Daniel Gönninger (links) vom Landratsamt versuchen im Gespräch, die beruflichen und allgemeinen Kompetenzen des jungen syrischen Asylbewerbers – hier mit seinem ehrenamtlichen Übersetzer – zu ermitteln. Foto: 
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Die Situation der Flüchtlinge in der Region hat sich gewandelt. Als Folge der gewandelten politischen Zugangs-Bedingungen in Europa werden dem Landkreis Reutlingen überwiegend Menschen zugewiesen, die nicht postwendend wieder zurückgeschickt werden dürfen, weil sie kein Anrecht auf Asyl haben. Stammte Anfang 2015 noch die Hälfte der Flüchtlinge aus Staaten des westlichen Balkans, kommen mittlerweile 70 Prozent aus Syrien, Irak und Eritrea, also Staaten mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit. Das bedeutet, dass ein Großteil dieser Menschen langfristig in Deutschland bleiben wird und hier eine Perspektive braucht. Hierbei sollen im Landkreis die drei Integrationszentren in Reutlingen, Dettingen/Erms und Münsingen eine zentrale Rolle spielen. Gestern hat das erste in der Täleswiesenstraße 2 im Industriegebiet Mark West in einem früheren Firmengebäude den Betrieb aufgenommen. Die beiden anderen Integrationszentren werden noch in diesem Monat „ans Netz gehen“, kündigte gestern Dr. Claudius Müller an, Ordnungsdezernent beim Kreis.

Die Zentren sollen ein Forum schaffen und den Bedarf der Asylsuchenden abdecken, sollen Raum bieten für unterkunftsübergreifende Veranstaltungen und sollen die die Kompetenzen der Bündnispartner bündeln und koordinieren mit dem Ziel, die Asylbewerber rasch in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dabei „wollen wir nicht zwanghaft neue Instrumente erfinden, sondern die im Job- und Integrationsprogramm (JIP) im Kreis vorhandenen Instrumente verknüpfen mit Themen der sozialen Integration“, umriss Müller die Zielsetzung.

Partner dabei sind neben den zahlreichen Ehrenamtlichen in erster Linie der Diakonieverband, der eine lange Tradition in der Begleitung von Flüchtlingen  und „viele Unterstützerkreise unter unser Dach genommen hat“, wie Geschäftsführer Günter Klinger erläuterte. Die Bündelung aller Initiativen und Projekte „wäre ein Traum – und ein Hauch von dem Traum wird heute wahr, alle, die sich engagieren, sitzen an einem Tisch“, sagte er. „Lasst uns die Menschen schnell in Lohn und Brot bringen“, bat er die Partner.

 Der Diakonieverband stellt das Start-Team im Integrationszentrum mit Peter Donecker und Helga Maria Neuhaus, die sich eine Stelle teilen. Dritte feste Kraft im Bunde ist Sozialarbeiterin Christine Kuhnle vom Landratsamt. Unterstützt werden sie von drei eigens geschulten interkulturellen Vermittlern, die als BuFdis im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes beschäftigt sind.

Im Landratsamt  wird das Zentrum von Hanna Brenzel, der Koordinatorin Arbeitsmarktintegration, und Mirjam Schmid betreut. Zudem wurde für die drei Zentren für drei Jahre eine Projektstelle für soziale Integration bewilligt, außerdem bekommt der Kreis vom Land einen Zuschuss über 50?000 Euro für diese Aufgabe. Weiterer wichtiger Partner ist die Sozialbetreuung der Stadt Reutlingen. Hier wurde mittlerweile eine Stelle für Integration eingerichtet, Mitarbeiterin Tetyana Pikulska  wird stundenweise im Zentrum beratend tätig sein, erläuterte Sultan Braun vom Referat für Migrationsfragen. „Unser Anspruch ist, dass kein Flüchtling in Anschlussunterbringung ohne Sprachkurs bleibt“, sagte Braun. Das Problem sei der hohe Analphabetenanteil von 30 Prozent, für die es nur wenige Kursplätze gebe.

Integration schnellstmöglich durch Sprache und Qualifikation, im nächsten Schritt dann Integration ins Erwerbsleben, „dann haben wir die gesellschaftliche Integration geschafft“, sagt Dr. Jan Vetter, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall in Reutlingen. Der Verband hat eine Million Euro für Flüchtlinge freigegeben, damit koordinieren fünf Integrations-Lotsen im Land, dass Unternehmen und Flüchtlinge zusammenkommen.

„Beeindruckende Instrumente“, so Müller, hat die Arbeitsagentur als wichtiger Partner in der Vermittlungsarbeit entwickelt. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Reutlingen, Wilhelm Schreyeck, „hat eine klare Botschaft: lassen sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Flüchtlinge von heute nicht die Langzeitarbeitslosen von morgen werden“.

Diesem Ziel ordnen sich auch  Bündnispartner IHK mit einer Taskforce unter, die Beatrix Andriof vorstellte: „Unsere Kernaktivität ist die Qualifizierung – über Ausbildung und Beschäftigung wollen wir eine Brücke bauen in den Arbeitsmarkt“. Werben will die IHK zudem für die oft unbekannte Duale Ausbildung, für die „Karriere mit der Lehre“.

Kreishandwerksmeister Dieter Laible hofft, dass Flüchtlinge einen Ausgleich für den Fachkräftemangel bilden. Mit dem Integrationszentrum als Ansprechpartner für die Betriebe „müsste jetzt vieles doch leichter werden“.

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