Briefe werden immer bunter

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In der Briefordnerei werden Briefe, die über Briefkästen eingeliefert wurden, von Hand vorsortiert bevor die hochmodernen Sortiermaschinen die weitere Bearbeitung übernehmen. Foto: Deutsche Post AG  Foto: 

Der Einzugs- und Versorgungsbereich des Reutlinger Briefzentrums reicht von Nürtingen bis Sigmaringen und von Alpirsbach bis Münsingen. Der größte Teil der Briefe, die in der Region eingesammelt werden, kommt aus den Filialen und von Großkunden. Es sind täglich Hunderttausende Sendungen, die teilweise sogar auf Paletten angeliefert werden. Diese Briefe sind schon gestempelt und vorsortiert und können deshalb direkt von den Sortiermaschinen weiter bearbeitet werden.

Eine besondere Behandlung brauchen dagegen Briefe, die hauptsächlich von Privatkunden über Briefkästen eingeliefert werden. Denn die landen kreuz und quer auf den Transport- und Sortierbändern in der Briefordnerei, wo sie zuerst von Hand nach Formaten (Standard-, Kompakt-, Maxi- und Großbriefe) getrennt werden. Gleichzeitig wird dabei unterschieden, ob eine Sendung maschinell bearbeitet werden kann oder ob sie von Hand sortiert werden muss. Danach werden die „maschinenfähigen“ Standard- und Kompaktbriefe automatisch gestempelt und alle nicht maschinenfähigen Sendungen von Hand. Maschinenfähige Groß- und Maxibriefe werden von der Großbriefsortieranlage vor der Sortierung automatisch gestempelt.

Unterm Jahr werden im Reutlinger Briefzentrum allein in der Briefordnerei über 105 000 Sendungen am Tag bearbeitet. Briefe und Postkarten, Bücher- und Warensendungen in allen Größen landen auf den Bändern, so wie sie aus den Briefkästen kommen.

Je näher Weihnachten kommt, desto bunter werden die Briefe und desto mehr werden es. Viele sind mit Aufklebern verziert, auf einige haben Kinder Bildchen und bunte Verzierungen gemalt. Auch wenn in der Briefordnerei an Spitzentagen vor Heiligabend bis zu 320 000 Briefe zu bearbeiten sind, ist das für Rainer Hoff, Leiter des Reutlinger Briefzentrums, und seine Mitarbeiter Routine.

Allerdings stellen manche private Briefe eine besondere Herausforderung dar: „Vor Weihnachten ändert sich unsere Sendungsstruktur“, berichtet Hoff. „Statt der ganz normalen weißen Umschläge und viereckigen Postkarten kommen hier plötzlich viele Briefe in farbigen Kuverts und bunten Aufklebern und Verzierungen an, ja sogar Karten in Tannenbaumform.

So schön diese individuellen Grüße sein mögen, die Sortiermaschinen im Briefzentrum – genauer gesagt, die Adresslese-Sensoren – werden dann nicht selten vor Probleme gestellt“. Auch mit zu dunklen Briefumschlägen oder mit Briefen, auf denen die Adresse mit gold- oder silberfarbenem Stift geschrieben ist, haben die Adress-Lesegeräte meist Probleme. Deshalb empfiehlt Hoff auch für die Weihnachtspost nur Umschläge in Pastelltönen zu verwenden, außerdem sollte auf den Umschlägen unten ein Rand von rund anderthalb Zentimetern frei bleiben. Denn dort drucken die Sortiermaschinen den Barcode ab, in den sie die Adresse zuvor übersetzt haben.

Nur wenn dieser Barcode einwandfrei lesbar ist, ist die durchgängige maschinelle Sortierung der Briefe möglich, und maschinell heißt schnell.

Die gute alte Handsortierung kostet Zeit. „Eine unserer drei Sortiermaschinen für Standard- und Kompaktbriefe kann bis zu 40 000 Sendungen pro Stunde bearbeiten, eine routinierte Sortierkraft schafft etwa 1000 Stück pro Stunde“, so Hoff.

Zu den steigenden Sendungsmengen kommt also auch noch eine aufwendigere Bearbeitung. Mit den 195 Mitarbeitern der Stammbelegschaft allein wäre das alles nicht zu stemmen. Deshalb werden sie vor Weihnachten von 50 Aushilfskräften unterstützt. Als „Weihnachtsaushilfen“ werden bevorzugt Kräfte eingestellt, die teilweise schon seit vielen Jahren aushelfen und so gut wie keine Einarbeitung brauchen, beispielsweise Schüler und Studenten oder Angehörige von Beschäftigten des Briefverteilzentrums. Außerdem leisten in diesen Tagen viele Mitarbeiter Mehrarbeit, Teilzeitbeschäftigte stocken vor Weihnachten für ein paar Wochen auf, und Kollegen aus der Verwaltung tauschen ihren Schreibtisch mit einem Arbeitsplatz vor oder hinter einer Sortiermaschine, setzen Sendungen auf oder tragen sortierte ab. Vielleicht ist die Stimmung vor Weihnachten gerade deshalb so gut, weil alle mit anpacken und zusammenhalten.

Die meisten Sendungen erwartet Hoff in dieser Woche. Denn in diesem Jahr bleibt zwischen dem letzten Wochenende vor Weihnachten und Heiligabend noch eine ganze Woche. Dennoch appelliert Hoff an die Kunden, ihre Weihnachtsgrüße nicht erst in den letzten Tagen vor Heiligabend in den Briefkasten zu werfen oder am Schalter abzugeben.

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