Bolero, Blues und klingende Steine

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Haben Jazzfestivals in Deutschland ein wachsendes Akzeptanzproblem? Nicht von der Hand zu weisen ist, dass vor allem die jungen Fans weniger werden, da mit dem Jazz dessen Publikum altert. Ein Problem gerade auch für kleinere Festivals wie dem Jazzfrühling.

Clemens Wittel will dieser Entwicklung entgegenwirken, indem er aufstrebende Musiker wie das japanische Ayako Shirasaki Trio, den aus Reutlingen stammenden Gitarren-Virtuosen Jan Henning und den in London lebenden Drummer Asaf Sirkis aus Israel eingeladen hat.

Aber auch auf regionale Bands und etablierte Künstler wie den Altmeister der kubanischen Musik, Guillermo Rubalcaba, will Wittel nicht verzichten. Gleichzeitig darf der Reutlinger Jazzclub das enge Budget nicht aus den Augen verlieren. Was nicht so einfach ist, denn die Zuschüsse für das Jazzfestival werden nicht mehr, dagegen steigen die Gagen und Ansprüche der Künstler von Jahr zu Jahr. Dazu sagt Clemens Wittel: „Mein Bestreben war immer, den Jazzclub und den Jazzfrühling auf eine solide, finanzielle Basis zu stellen, damit er weiter bestehen bleibt.“

Wie dünn das Eis ist, auf dem sich das Festival angesichts klammer Kassen bewegt, musste der Jazzclub-Vorstand in den Jahren 2006, 2007 und 2014 erfahren, als das Festival jeweils herbe Verluste einfuhr. Dank einer soliden Sparpolitik hofft Wittel, bei dieser Ausgabe wieder ein leichtes Plus zu verzeichnen. Fünf Konzerte stehen auf dem Programm, zwei im Jazzkeller, zwei im Kulturzentrum franz.K und eines in der Katharinenkirche.

Die musikalischen Highlights: Der seit Ende der 90er-Jahre in England lebende Israeli Asaf Sirkis gilt als einer der hoffnungsvollsten Drummer der aktuellen europäischen Jazzszene.

Mit dabei hat Sirkis am 14. März die polnische Sängerin Sylwia Bialas, den britischen Jazzpianisten Frank Harrison und den amerikanischen Bassisten und Harmonika-Spieler Patrick Bettison.

Als weiteren Höhepunkt erwartet das Reutlinger Publikum den Pianisten der Original-Besetzung des legendären Buena Vista Social Club. Der 87-jährige Guillermo Rubalcaba Gonzáles kommt am 20. März mit einem der bedeutendsten Stimmen des Son Cubano, Luis Frank Arias, ins franz.K. Das Duo greift auf ein großes Repertoire zurück – vom traditionellen Son über Guaracha bis hin zu Cha-Cha-Cha, Danzon und Bolero – und versteht es wie kaum ein zweites Musikergespann, Altes mit Neuem zu kombinieren.

Den Auftakt des Festivals gestalten am 6. März die beiden lokalen Blues-Heroen Blueskraft und Black Cat Bone bei einer Blues Night im franz.K. Die fünf Katzenknochen präsentieren ihren knackigen Bluesrock, und auch die seit 35 Jahren bestehende Band Blueskraft stellt eine Klasse für sich dar.

Spannend könnte auch das abschließende Jazzfrühling-Wochenende werden – mit dem aus Reutlingen stammenden, in Los Angeles lebenden Gitarristen Jan Henning und dem Klangsteine-Streichler Hannes Fessmann, die archaische Sounds mit zeitgenössischer Gitarrentechnik verbinden.

Das Konzert in der Reutlinger Katharinenkirche verspricht auf jeden Fall etwas ganz Besonderes – eine nicht alltägliche Verbindung von klingenden Steinen und ungewöhnlicher Fingerfertigkeit.

Der Reutlinger Jazzfrühling endet am Samstag, 28. März, mit dem Ayako Shirasaki Trio. Die japanische Pianistin, die seit 1997 in New York lebt, hat sich durch ihre brillante Kreativität weltweit einen Namen gemacht und galt in Japan bereits im Alter von zwölf Jahren als „Jazz-Wunderkind“.

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