Bilder von Baselitz und Oehlen im Kunstverein

Zwei prominente Maler im Bilderdialog: Georg Baselitz trifft auf Albert Oehlen. Riesenandrang im Kunstverein. Leider war Baselitz bereits abgereist.

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Der Maler und der Ausstellungsmacher: Albert Oehlen (rechts) und Christian Malycha.  Foto: 

Die Enttäuschung war vielen der rund 300 anwesenden Besucher anzusehen. Sie waren gekommen, um dem persönlichen Dialog zweier Künstlerlegenden beizuwohnen und mussten nun erfahren, dass daraus nichts wird. Georg Baselitz hatte die Achalmstadt bereits am Vorabend wegen „gesundheitlicher Probleme“ verlassen, das Aufeinandertreffen der beiden fast schon mythischen Gestalten der Gegenwartskunst kam – zumindest für die Öffentlichkeit – nicht zustande. Mehr als 50 Jahre ist Georg Baselitz inzwischen aktiv und zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern, der die deutsche Nachkriegskunst nachhaltig mitgeprägt hat. Sein Bekenntnis zur Malerei kann man fast schon als obsessiv bezeichnen, und das verbindet den heute 78-Jährigen auch mit seinem 16 Jahre jüngeren Künstlerkollegen Albert Oehlen. Ihre erste gemeinsame Ausstellung überhaupt bezeichnen beide Künstler als „ein richtiges Glück“. Für den Betrachter der zwölf großformatigen, zumeist eigens für den Kunstverein entstandenen Gemälde, bietet es bei allen Unterschieden die einmalige Gelegenheit, „an ihrer ungebrochenen Auseinandersetzung, Infragestellung und Erneuerung der Malerei teilzuhaben“, erläutert der künstlerische Leiter des Kunstvereins, Christian Malycha, dem die Verpflichtung der beiden prominenten Künstlerpersönlichkeiten zu verdanken ist.

 Auch der Kunstvereins-Vorsitzende Wolfgang Riehle verweist in seiner Dankesrede nicht ohne Stolz auf dieses denkwürdige Aufeinandertreffen, das sich in der Präsentation von je sechs Werken der beiden Künstler manifestiert. Denn diese gemeinsame Ausstellung von Georg Baselitz, geboren 1938 in Sachsen, und Albert Oehlen, geboren 1954 in Krefeld, sei nicht nur eine Premiere, die beiden Künstler hätten sich außerdem die Freiheit genommen, „in Reutlingen jeweils ganz aktuelle Werkserien zu zeigen“, so Malycha.

Und gerade, weil Baselitz noch im vergangenen Jahr darüber nachsann, als Künstler wohl eher aus der Gegenwart auszutreten, ist der Kunstvereinsleiter den beiden Künstlern „besonders für ihren großen persönlichen Einsatz“ dankbar und dafür, „dass sie in Reutlingen beide ganz auf der Höhe ihrer und unserer Zeit stehen“.

Zu sehen sind sechs schwarzgrundige, geradezu tänzerisch verspielte Fuß-Bilder von Baselitz, die für ihn eher untypisch sind. Sie zeigen ungewohnt zarte und leichte Motive, die „alle Erwartungen ornamental verwirbeln und zum Tanzen bringen“. Wie feinste Risse im Eis oder Fäden von Rauch fließt die Farbe und mit ihr die gedanklichen Assoziationen, etwa an Frida Kahlos Schuhe und an die mexikanische Revolution oder an Andy Warhols piktogrammatische Tanzdiagramme.Sie bringen Chiffren statt Buchstaben zum Vorschein, „die sich am Rande des Nichts bewegen“ und beinahe unlesbar werden.

Und Oehlen? Seine sechs Baum-Bilder auf weiß lackierten Aluplatten überschreiten ebenfalls Grenzen von gegenständlicher Lesbarkeit und ungebundener malerischer Entfaltung, wie Malycha erläutert. Auch Oehlen gehe es um „handgemachte Malerei“, um eine Malerei allerdings, die ausdrücklich um ihr Gegenteil weiß und es dabei spielend aushebelt.

Welche Relevanz hat Malerei heute noch? Das versuchte der Kunstverein in den vergangenen drei Jahren mit seiner gegenwartsbezogenen Reihe „Wo ist hier“ zu ergründen. Der generationenübergreifende Dialog zwischen Baselitz und Oehlen markiert eindeutig den Höhepunkt des ambitionierten Kunstverein-Programms.

Dauer – Öffnungszeiten

Dauer Die Ausstellung „Georg Baselitz Albert Oehlen“ läuft bis 15. Januar 2017 im Kunstverein Reutlingen, Eberhardstraße 14.

Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 11 bis 17 Uhr.

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