Bester Schutz auf eigenen Flächen

Auf eine kurze Formel brachte Nabu-Chef Klaus Barthold die Bemühungen der örtlichen Gruppe: Den besten Schutz gibts auf eigenen Flächen.

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Diese Flächen werden nach und nach vor allem im Naturschutzgebiet der Echazaue erweitert, wo der Nabu Pfullingen zwischenzeitlich rund 15 Hektar betreut und damit bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen Rückzugsraum bietet. Dass Rückzugsräume immer wichtiger werden, machte Barthold in seinem Bericht deutlich und unterlegte seine Aussagen mit Zahlen aus aktuellen Studien. Vor allem die intensive Landwirtschaft macht vielen Arten unserer Kulturlandschaft zu schaffen und gerade die Tier- und Pflanzenarten des Offenlands kämpfen ums Überleben.

In den Jahren von 1980 bis 2010 gingen auf europäischer Ebene die Bestände vom Star um 52 Prozent zurück, beim Feldsperling um 57 Prozent, beim Wiesenpieper um 66 Prozent, beim Braunkehlchen um 71 Prozent und das Rebhuhn sei Spitzenreiter mit einem Bestandsrückgang in Europa um 94 Prozent. Gründe hierfür sind neben dem Einsatz von Pestiziden und Herbiziden auch der Umbruch von Grünland in Ackerflächen und der damit verbundene Lebensraumverlust. Innerhalb von fünf Jahren gingen über 30 Prozent Grünland verloren, in manchen Gegenden sogar über die Hälfte. Der hohe Intensivierungsdruck für die Landwirte ergebe sich aus einer völlig verfehlten Agrarpolitik in der EU mit niedrigen Preisen für Milch und Fleisch sowie der Förderung von Biogasanlagen.

Dass eine blütenreichere Landschaft auch den Landwirten selbst nutzen würde, belegten Untersuchungen mit Wildbienen, die deutlich gemacht hätten, dass Wildbienen und Honigbienen gemeinsam eine höhere Bestäubungsleistung bringen wie nur Honigbienen. Deshalb sei es nicht nur für die Vogelwelt wichtig, sich Gedanken über eine artenreichere Agrarlandschaft zu machen.

Bei der Nutzung erneuerbarer Energien setzt der Nabu auch auf Windenergie, es gebe genügend Flächen für einen natur- und umweltverträglichen Ausbau außerhalb von Schutzgebieten. Wichtig sei dem Nabu aber auch eine Vereinheitlichung der Standards bei der Standortsuche und eine Beteiligung der Bevölkerung. Nur so könne eine Akzeptanz für die Windenergie erreicht werden. In seinem weiteren Bericht ging der Nabu-Vorsitzende auch noch auf die Gefährdung von Zugvögeln durch Vogeljagd ein. Er berichtete von 140 Millionen gefangenen und getöteten Vögeln in einer 700 Kilometer langen Fanganlage in Ägypten.

In der Arbeit vor Ort sind Neubaugebiete nach wie vor ein Thema für die Nabu-Aktiven, in den letzten Jahren wurden weitere neun Hektar Lebensraum, und hier vor allem Streuobstwiesen, durch Bebauung zerstört. Barthold kritisierte die Ausgleichsmaßnahmen als modernen Ablasshandel, wirklich ausgeglichen wäre eine Versiegelung der Landschaft nur, wenn an anderer Stelle versiegelte Fläche wieder der Natur zurückgegeben würde. Nach einem Einblick in die Mitarbeit des Nabu in der Pfullinger Naturschutzstiftung berichtete er noch über aktuelle Flächenkäufe im NSG Echazaue und den damit verbundenen Schutz für Tiere und Pflanzen in einem einzigartigen Lebensraum.

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