Besonderes Auchtertklima

Die ausgedienten Klassencontainer zwischen Sporthalle und Auchtertschule sind kurz vor dem Abheben: Unter der Decke kleben mehr als 99 bunte Luftballons zum Jubiläum "50 Jahre neues Schulgebäude".

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Fest zum 50. Jahr der neuen Schule in Degerschlacht: Ob für Seiltänzer oder Jongleure - die Auchtertschule hat ein Konzept für viele Lebenssituationen, machte der bunte Jahrmarkt am Samstag deutlich.  Foto: 

"Die Grundschule in Degerschlacht gibt es seit mehr als 300 Jahren", korrigiert Schulleiter Horst-Dieter Gerold das historische Datum, "wir feiern heute die Tatsache, dass fast auf den Tag genau 1964 im Auchtert die neue Schule eingeweiht wurde". Der geplante Ersatz für zwei inzwischen 18 Jahre alte Klassen-Container lässt noch bis ins nächste Frühjahr auf sich warten. Dann wird eben nochmal gefeiert, freut sich der Rektor: "Das wird die enge Betreuungssituation entspannen - eine neue Mensa wird entstehen." Dabei redet der Rektor strikt nicht über sein ganz persönliches Dienstjubiläum (25 Jahre), schon eher über das 30-Jährige seiner beiden Kolleginnen Gabriele Gerber und Ursula Wöhl-Heck.

"Son Fest zu stemmen, ist eine riesen Aktion." Schulleiter Horst-Dieter Gerold dankte dem Festausschuss des Elternbeirats und dem Förderverein für die tatkräftige Unterstützung der Projektwoche zum Thema "Die Schule hat heut Jahrmarkt". Die bunte Kulisse auf der Bühne der Sporthalle ließ vieles erwarten. Was die Kinder inszenierten, begeisterte von Szene zu Szene mehr: Eine richtig schrille Lumpenkapelle gab den Takt vor zum kunterbunten Zirkus mit akrobatischer Leistung und ganz viel Fantasie.

Zu sehen war eine orientalische Bauchtanztruppe, aufgereihte Tanzbären zum Tango, Pyramiden-Baumeister der ganz alten Schule, geschmeidige Ballerinen und Virtuosen auf dem Seil, Jongleure und Schlangenbeschwörer aus Aladins Märchenwelt.

Auf dem Schulhof ging es grade so weiter: Die beim Hagelunwetter zerborstenen Dachziegel hatten die Schüler mit Perlen dekoriert. Wer wollte, konnte ein "Stück Schule" erwerben, statt den "Lukas" ein paar Erbsen auf den Kopf hauen, Enten angeln, am Glücksrad drehen, zwischen zwei Bäumen auf dem "Rope" balancieren, sich in selbst gebackene Lebkuchenherzen verlieben oder auf Entdeckungstour durchs Schulgebäude hinter das Geheimnis von Montesori kommen.

Rückblickend ist Reutlingens Oberbürgermeisterin der Auffassung: "Es war gar nicht so verkehrt, dass die Sickenhäuser damals schneller waren und es nicht zu einem gemeinsamen Schulgebäude auf der Markungsgrenze gekommen ist. Ein Schule in der Gemeinde ist so wichtig wie die Kirche", betonte Barbara Bosch. Die Auchtertschule ist mit der pädagogischen Lernform nach Maria Montesori einen umstrittenen Weg gegangen. Mit Jahrgangs übergreifenden Klassen, die von den Schülern früh sehr selbständiges Arbeiten fordern. "Das stellt auch uns Eltern vor ganz andere Herausforderungen", erklärt ein Vater und ist sich sicher, "die kommen später mal spielend durchs Leben".

"Jahreszahlen sind nicht aussagekräftig", betont Bezirksbürgermeister Wolfgang Heusel, "sondern der Geist, die Atmosphäre und die Philosophie des Leitmotivs Hilf mir selbst zu tun. Der gute Ruf der Auchtertschule ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt". Schulamtsdirektor Wolfgang Straub: "Das Konzept wird auch von Experten von außen als modellhaft betrachtet. Die Qualität des Unterrichts hat in den meisten Ausprägungen die Exzellenzstufe erreicht."

Die Auchtertschule schafft nach Ansicht von Sebastian Reiß durch "ein ganz besonderes Klima" jahrgangsübergreifend eine Verbundenheit am Ort. Das erlebt der Elternbeiratsvorsitzende in der eigenen Familie: "Gerade eine kleine Schule muss zusammen halten!" Dafür gab es vom Auditorium trampelnden Applaus. Die einzügige Grundschule in Degerschlacht hat derzeit 81 Schülerinnen und Schüler in vier Klassen. Der Förderverein wurde 1996 gegründet und kümmert sich seither um die Ganztagesbetreuung, organisiert Arbeitsgemeinschaften und das Mittagessen.

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