Beschuldigter wird noch im Gerichtssaal verhaftet

Gestern begann am Reutlinger Amtsgericht der Prozess gegen einen 54-Jährigen. Er soll drei seiner Nichten sexuell missbraucht haben. Das Verfahren wurde vertagt und der Mann noch im Gerichtssaal verhaftet.

|

Bereits die Sicherheitskontrolle durch die Polizei am Eingang zum Verhandlungssaal im Reutlinger Amtsgericht deutete auf die Brisanz im Prozess gegen den 54-Jährigen hin. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Eberhard Hausch hatte im Vorfeld befürchtet, es können zu Auseinandersetzungen zwischen den Familien des Angeklagten und der Opfer kommen. Das Verfahren selbst kam gestern allerdings nicht über die Verlesung der Anklage durch Staatsanwältin Rotraud Hölscher hinaus.

Demnach wiegen die Vorwürfe gegen den Beschuldigten schwer. Ihm wird der sexuelle Missbrauch von Kindern in zehn Fällen zur Last gelegt. Betroffen waren drei seiner Nichten, die heute zwischen neun und 23 Jahren alt sind. Folglich war auch der Zeitraum, in dem sich die Taten abgespielt haben sollen, lang.

Der erste Fall trug sich vermutlich 1995 zu, als der Angeklagte zu Besuch im Haus der Großeltern war und seine Nichte aufsuchte, die auf dem Dachboden spielte. Laut Anklage soll er sowohl sich wie auch dem Mädchen Hose und Unterhose heruntergezogen und sie an der Brust sowie zwischen den Beinen gestreichelt haben. Dann musste sie seinen Penis in die Hand nehmen. Bevor er diesen gegen ihren Mund drücken konnte, riss sich die damals Siebenjährige los und flüchtete. Zwei oder drei Jahre später soll er versucht haben, dasselbe Mädchen bei einem Picknick zwischen den Beinen zu streicheln, als sie hinter einem Gebüsch pinkeln wollte.

In den Folgejahren wählte er sich ein anderes Opfer. Sieben Übergriffe sind in der Anklage aufgelistet. Er besuchte das damals ebenfalls sieben Jahre alte Mädchen immer dann, wenn diese allein zu Hause war. Dabei hat er sie zwei Mal vor allem an der Brust und an der Scheide berührt, in zwei weiteren Fällen zog er das Kind dabei aus. Zudem soll er einmal das Kind ausgezogen, auf das Bett geworfen und sie zwischen den Beinen geküsst haben. Obendrein habe er dem Kind einmal pornografische Bilder gezeigt. Der letzte Fall schließlich ist jüngeren Datums. Vor zwei Jahren soll er ein damals ebenfalls siebenjähriges Mädchen, die auf seinem Schoß saß, an der Brust und zwischen den Beinen angefasst haben.

Der 54-Jährige muss sich obendrein wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten, da er bei einem handgreiflichen Streit mit seinem Schwager im Herbst vergangenen Jahres diesem durch einen Faustschlag und mit einem Nordic-Walking-Stock unter anderem eine Kopfplatzwunde zugefügt hatte.

Dem Vernehmen nach bestreitet der Angeklagte bislang den ihm vorgeworfenen sexuellen Missbrauch. Sein Verteidiger Rolf Krause stellte gestern allerdings den Antrag, das Verfahren auszusetzen. Begründung: Die Verbindung beider Verfahren sei erst am Montag bekannt gegeben worden. Für eine Absprache mit seinem Mandanten habe die Zeit nicht gereicht. Zudem bemängelte er, dass ein Gutachten zur Glaubwürdigkeit der Opfer zu spät vorgelegen habe.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft spiele dagegen das zweite Verfahren ohnehin zunächst keine Rolle. Das Gutachten habe wiederum nur vorläufig Charakter.

Das Gericht lehnte die Aussetzung zwar ab, vertagte den Prozess aber auf 21. Mai. Zudem verhängte Hausch Untersuchungshaft gegen den Angeklagten, da er dessen Flucht ins Ausland sowie Verdunkelungsgefahr befürchtete. Der Mann wurde durch die Polizei abgeführt.

Vor dem Gerichtsgebäude kam es zu einem kurzen Tumult: Die Familien der Opfer begrüßten die Verhaftung mit Beifall, es gab wechselseitige Beschimpfungen. Der Polizei gelang es, beide Gruppen voneinander fernzuhalten.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gewerbesteuer: Einnahmen sprudeln kräftig

Stadtkämmerer Frank Pilz stellt im Finanzausschuss den zweiten Finanzwischenbericht vor. weiter lesen