Bernd Weilers Albträume

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Bernd Weiler hat ihn geschafft: den literarischen Albaufstieg. Gegessen sind das „Leberkäsweckle“ und die „Butterbrezel“, seine ersten beiden Bücher, die in Pfenningen, einem Städtlein, das arg an Pfullingen erinnert, spielen. Da wurde äußerst fröhlich auftragsgemordet, bankgeraubt, polizeilicherseits vor der Großmetzgerei gevespert und überdies noch der Ertrag der Metzinger Weinberge von Gott himself gespriesen.

Doch all das ist nun nicht Käse, immerhin aber doch Krimi-Autorisches von gestern.  Denn das neueste Werk des Pfullingers, der sich nicht nur als Hausmann, sondern auch als freier Lektor durchs Echaztäler Leben schlägt, hat satte 112 Höhenmeter  einfach so hinter sich gelassen. Sogar tempotechnische Widrigkeiten – der Hauptkommissar nennt sie mit „Dieses blöde Lichtenstein mit der neuen Dreißiger Zone“ unverblümt beim Namen – haben den Autor nicht davon abhalten können, mit seinem jüngsten Buch auf die Alb zu kurven. Oder besser zu kriechen. Trotz allem hat es der Pfullinger irgendwie nach Zwiefalten geschafft, um dort auszurufen: „Oh Älble, sei rau!“ Der Weiler-erfahrene Leser wird es ahnen: Es ist der Titel seines nigelnagelneuen Romans, der gerade erst bei Emons erschienen ist und sich über 204 (inklusive Älble-Gedicht sind es sogar 205) Seiten der Aufklärung eines rätselhaften  Dreifachmordes widmet.

Dabei ist der Beginn der „Schwäbischen Albträume“, wie der Inhalt auf dem Klappentext subsumiert wird, denkbar harmlos. Christian Schoch vom LKA Stuttgart trifft sich – nicht ohne zuerst das Münster mit seiner „barocken Pracht“ besichtigt zu haben – mit seiner Ex Sabine auf ein Kännchen Kaffee und ein Stück Apfelkuchen an der Wimsener Höhle. Dort endet nicht nur der Plausch der beiden eher jäh (Sabine: „Heinz wartet auf dem Parkplatz auf mich“), sondern auch die erste Leiche taucht auf. Und das nicht nur im übertragenen Sinne. Denn: Dank einem der wegweisenden Dialoge des Buches wird schnell klar, dass die Alb wirklich ganz schön rau ist und Leichen auch vor Kinderaugen nicht halt machen.

Papa, isch des Wasser net kalt?“, fragt Tim bei der Bootsfahrt durch die Höhle seinen Erziehungsberechtigten. „Hosch doch grad ghert, acht Grad Celsius, des ganze Jahr über“, antwortet der Vater. Um nachzuhaken: „Wieso frogsch?“. Der Sohn: „Weil do oiner schwemmt, noi, der taucht, der hot sei Gsicht im Wasser“. Nur, dass der mit dem Gesicht nach unten keinen Taucher- sondern einen richtigen Anzug anhat. Et voila`: Da ist es auch schon –  das erste  Mitglied des Dahingemordeten-Trios.

Wie’s weiter geht mit dem „schrägen, schwäbischen und ein bisschen lyrischen Werk“ (Weiler über seinen Krimi), sei nicht verraten. Nur ein Auszug aus dem Schluss-Gedicht sei noch hintangestellt: „Wenn Se kommat ausem Tal, no geht’s los dui Rennerei, des Wandra, der Turismus.“ Weilers tiefen Erkenntnissen zu den Höhenlagen des Mittelgebirges wäre nichts hinzuzufügen. Auch keine weitere Leiche nicht.

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