Bei vierzig Grad in roten Socken

Das war beeindruckend: ein Sommerkonzert des Nachwuchsorchesters mit attraktivem Programm und Solisten aus den eigenen Reihen.

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Maik Hanschmann.  Foto: 

Offenbar sind wieder einige "Neue" zum Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie (NWO) gestoßen. Vor allem für die stark besetzten Violin-Register erwies sich der große Saal der Stadthalle als angemessen, außerdem die großen sinfonischen Werke, die das Programm rahmten.

Dirigent Konrad Heinz ist es offenbar gelungen, seine Zöglinge in intensiven Proben zu engagiertem Einsatz zu motivieren. Das war bei Schulstress und drückender Hitze sicher anstrengender als Freibad. "Wussten Sie schon, dass. . .wir selbst bei 40 Grad Celsius mit roten Socken spielen?" hieß es im Faltblatt. Gute Laune machte auch Konrad Heinz' knappe, aber sympathische Moderation.

Bei der Ouvertüre, Beethovens "Geschöpfe des Prometheus", war es eine echte Herausforderung, die einleitenden Schläge aus dem Stand heraus auf den Punkt zu bringen. Diszipliniert und konzentriert entfachte das Orchester - dem Thema entsprechend - aus der Partitur Schwung und Feuer.

Gleich zwei musikalische "Hingucker" boten die beiden hauseigenen NWO-Solisten in Solokonzerten. Dazu wurde das Orchester auf Barockbesetzung verkleinert und das türkisgrüne Cembalo nach vorne gerollt. Zweimal Vivaldi: Winter und Sommer aus den "Vier Jahreszeiten" sowie das Konzert für (Piccolo-)Blockflöte in C.

Es gehört Mut dazu, als Schüler den Solopart der "Vier Jahreszeiten" öffentlich zu spielen - fast jeder kennt ihn, und dem Geiger wird enormes Können abverlangt. Minh-Vinh Go, 17-jähriger Reutlinger und Schüler von Mariette Leners (WPR), beeindruckte mit einer furiosen Darbietung, starker Bühnenpräsenz und Nervenkraft.

Klar, dass nicht alle Töne und das Zusammenspiel mit der Continuogruppe so perfekt kommen können wie bei Profis, doch im Ganzen fesselte der hoch talentierte junge Solist durch eine stilsichere, packende Darbietung der winterlichen Eispartien und sommerlichen Gewitterszenen, spannungsreich unterstützt durch das Orchester, das mit dem Solisten die Rhythmik Vivaldis temperamentvoll zur Geltung brachte.

Auch Maik Hanschmann zeigte bewundernswertes Können - und dies sogar auf der Sopranino-Blockflöte. Einen Tick zu hastig (kein Wunder bei so einem Auftritt), aber ansonsten mit langem Atem, lupenreinem Ton und quecksilbriger Virtuosität meisterte er Vivaldis C-Dur-Konzert mit dem berühmten langsamen Mittelsatz. Alexander Borodins Sinfonie Nr. 3 erklang beim NWO, nun wieder in sinfonischer Besetzung, in differenzierter Farbigkeit. Einziger auffälliger Schwachpunkt: die Hörner, deren Einsätze vielleicht mehr Aufmerksamkeit seitens des Dirigenten gebraucht hätten. Frisch und folkloristisch-tänzerisch gelang der Scherzo-Satz mit seinem exotischen Metrum. Wann hört man schon Fünfachteltakt? Konrad Heinz hatte auch ihn sicher im Griff. Jean Sibelius' "Finlandia" nutzte das NWO als glorioses Finale mit drängendem Blech - und für eine kreative Zugabe: Die Zuhörer durften das Liedthema mitsingen "auf einen heroischen Vokal, der von Unterdrückung befreit", so Heinz. Nicht jeder fand die richtigen Töne, doch alle spendeten lang anhaltenden Applaus.

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