Bei mir lachen Sie nachhaltiger!

Er kam in friedlicher Absicht und hatte vor allem gute Nachrichten im Gepäck. Zum Auftakt der 25. Dettinger Kabarett-Tage bot am Samstag Uli Masuth im Bürgerhaus geistige Akrobatik und viel beißenden Humor.

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Auftakt der Dettinger Kabarett-Tage mit Uli Masuth.  Foto: 

Er kam, plauderte und klimperte. Doch unter dem Gewand des entspannten Salon-Entertainers verbarg sich eine mächtige Waffe: Beißender und entlarvender Humor. Gerne auch mal knapp vorbei an den Grenzen politischer Korrektheit. Nicht zum Selbstzweck lotete der Kabarettist Uli Masuth im Bürgerhaus die Untiefen des alltäglichen Wahnsinns aus, sondern stets auf der Suche nach dem Positiven. Sein Suchfeld: die absurden Kapitel des politischen Zeitgeschehens.

Und Uli Masuth wurde fündig. Doch ein ums andere Mal blieb den rund hundert Gästen das Lachen beinahe im Halse stecken. Das vierte Soloprogramm "Und jetzt die gute Nachricht" entpuppte sich gleichsam als trojanisches Pferd. Masuth ließ es galoppieren, untermalt mit melodiösen Interventionen vom Piano und stets begleitet durch ein süffisant-sinnierendes Lächeln. Schön verpackte Einladungen zu gedanklichen Klimmzügen der Note bitter-süß.

Und ein bisschen Geistesakrobatik ist schon von Nöten, um etwa der Winter-WM in Katar Positives abzugewinnen. Die Heizpilz-Industrie jedenfalls findet Public Viewing auf dem Weihnachtsmarkt super! Auch die Pegidisten (oder heißen sie Pegidianer oder gar Pegidioten?) kann Masuth beruhigen. Der Ausbruch des 3. Weltkriegs zwischen Orient und Okzident ist so schnell nicht zu befürchten: "Der Bundeswehr fehlt funktionierende Ausstattung." Überhaupt empfiehlt Uli Masuth den schwarzmalenden und Hörbuch lesenden Deutschen etwas mehr Optimismus.

Seit Putins Einmarsch auf der Krim ist die Welt doch wieder wohl sortiert in Gut und Böse: "Nach all dem Durcheinander der letzten 25 Jahre eine gute Nachricht!" Offen bleibe alleine die Frage, ob sich Putin auch die DDR wieder einverleiben will? Ob das nun eine gute oder schlechte Nachricht wäre, überließ er dem glucksenden Publikum. Masuth als ironiegetränkter Resonanzboden des Nachrichtentickers.

Doch, er kann auch anders. Nicht selten, gibt er sich auch als meinungsstarker Überzeugungstäter, der mit Lust gegen den Strich bürstet. Eine Vorlage gibt ihm etwa das "Exempel", das an den Griechen statuiert werde, weil sie es wagten, gegen die neoliberale Agenda aufzustehen. Dafür verantwortlich macht er "Antschela" Merkel mit ihrer "marktkonformen Demokratie" und die personifizierte "schwarze Null": Wolfgang Schäuble.

Der, so zitierte ihn der Weimarer Masuth, finde es "ärgerlich", dass der EU eine Billion Steuereinnahmen durch steuertricksende Konzerne durch die Lappen gehen. Masuth findet ein anderes Wort: "Asozial." Aber, so gibt er offen zu: "Ich bin jetzt kein Finanzexperte. Da geht's mir wie Herrn Schäuble."

Da finden sich Abrechnungen, die mit seiner losen Reihe "Vorurteile hörbar gemacht" auch nicht an deutschen Stammtischen Halt machten. Die fänden in Horst Seehofer übrigens einen Fürsprecher in eigener Sache, den der Bayern-Chef wolle doch - so die gute Nachricht - rechtes Gedankengut nicht alleine der AfD überlassen.

"Gute Nachrichten gibt's in Hülle und Fülle", weiß Masuth also. Nur drauf kommen muss man erst einmal, denn: "Gute Nachrichten verhalten sich zu schlechten Nachrichten wie Qualität zu Quantität."

Seine Suche nach ihnen wurde im Laufe des Abends allerdings zu einem kräfteraubenden Vorhaben. Wie es Klimmzüge so an sich haben, können sie zu Zerrungen führen. Der knapp zweistündige Ritt auf dem trojanischen Pferd jedenfalls hatte mitunter Längen. Aber auch darin mag eine gute Nachricht liegen: Mehr als auf glitzernde Showeffekte setzt Masuth auf Langzeitwirkungen. Oder, wie er es den Besuchern eingangs versicherte: "Bei mir lachen Sie nachhaltiger."

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