Beginn eines andauernden Zwiegesprächs

Politprominenz sind sie gewohnt im Hause Avat Automation GmbH. Die Energiewende befeuert das Interesse an der Tübinger Firma zusätzlich. Auch die des grünen Umweltministers Franz Untersteller.

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Umweltminister Franz Untersteller (links) lässt sich von Avat-Geschäftsführer Frank Ganssloser das Firmenkonzept erklären. Foto: Simon Wagner

Beide eint dasselbe Ziel: Der grüne Umweltminister Franz Untersteller und die Ingenieure der Firma Avat Automation suchen nach Möglichkeiten, Strom möglichst schonend, effizient und volkswirtschaftlich sinnvoll zu produzieren. Im Zuge der ausgerufenen Energiewende gelten hier vor allem die Windkraft und die Photovoltaik als Schlüsseltechnologien.

Doch wie es in der Natur der Sache liegt, scheint die Sonne und bläst der Wind nicht immer dann, wenn der Energiehunger am größten ist. Es gilt, Nachfrageschwankungen auszugleichen und etwaige Überkapazitäten abzufedern. Speicher stellen sicher, dass der produzierte Strom dann zur Verfügung steht, wenn er wirklich gebraucht wird. Bis allerdings genügend Pufferkapazitäten aufgebaut sind, wird noch einige Zeit vergehen.

Als Brückentechnologie deklariert ist deshalb die Lösung der Tübinger Tüftler: gasbetriebene Blockheizkraftwerke mit Wärmespeicher. Sie vermögen nicht nur eigenen Strom etwa aus Biogas zu produzieren und entstehende Abwärme in ein Nahwärmenetz abzugeben, sondern können durch Wärmepumpen oder Durchlauferhitzer anfallende Stromspitzen dazu verwenden, Wärmeenergie zur späteren Verwendung zwischenzuspeichern.

Auf dem Feld der Kraftwärmekopplung (KWK) gilt die Tübinger Firma Avat um ihren Geschäftsführer Frank Ganssloser als eines der weltweit führenden Unternehmen. Mit rund 70 Mitarbeitern treibt es auch die Vision voran, dezentrale KWK-Anlagen zu vernetzen und mit Prozessleittechnik zu einem intelligenten Energiemanagement zu kommen.

Nach der Ansicht der Avat-Ingenieure, müsse der Ausbau derartiger Netze weiter vorangetrieben werden. Alleine, so die Kritik an der aktuellen Energiepolitik der Landesregierung: "Die Eigenstromversorgung wird übermäßig gefördert." Zudem müssten die Förderrichtlinien auch an der Effizienz der Anlagen orientiert sein. Die Mahnung an den Minister allerdings lief ins Leere, berichtete Franz Untersteller doch von einem Antrag aus seinem Hause, der genau die Förderung solcher hocheffizienten Anlagen zum Ziel hat. Sie sollen nach der Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) und bis spätestens im Jahr 2020 25 Prozent des bundesweiten Stroms produzieren.

Nicht nur durch diese Ankündigung konnte Untersteller bei den Avat-Mitarbeitern punkten. Während seines rund dreistündigen Firmenbesuchs bewies er sich als ebenso kompetenter wie aufgeschlossener Gesprächspartner. Er war gekommen um zuzuhören. Vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Gesetzgebungsverfahren setzt Untersteller auf die Meinung von Experten. Er fühlt sich darin bestätigt, dass er mit der eingeschlagenen, politischen Marschroute "durchaus richtig" liege, wie er vor Ort festhielt.

Avat-Geschäftsführer Frank Ganssloser, Bereichsleiter Heinz Hagellocher, aber auch der ehemalige Chef der Stadtwerke Tübingen und heutige Leiter der Südweststrom, Friedrich Weng, nutzten den ministerialen Besuch, um weitere Entwicklungsfelder zu diskutieren. Darunter auch die energetische Nutzung von Klärschlamm.

Die breit dargelegte Leistungsfähigkeit des eigenen Unternehmens nahm Hagellocher zum Anlass für eine Feststellung grundsätzlicher Natur: Er vermisst Perspektiven für kleine und mittlere Unternehmen. Sie kämen etwa bei Landesprojekten zu wenig zum Zuge.

Auch hier schlägt der Minister in dieselbe Kerbe, stellte er doch angesichts der innovativen baden-württembergischen Unternehmen fest: "Es kann nicht sein, dass eigenes Potenzial verloren geht." Franz Untersteller lobte das Tübinger Unternehmen als "Perle". Der Besuch des Ministers in der Avat-Zentrale markierte den Beginn eines andauernden Zwiegesprächs. Man will auf alle Fälle in Kontakt bleiben. Arbeitsfelder, ebenso wie Ideen, gibt es jedenfalls genügend.

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