Bedürfnisse und Pflichten

Die Behindertenliga legt den Finger immer wieder auf die Wunden, die Teilhabe verhindern oder erschweren. Deshalb gibt es zwischen dem 5. und 31. Mai erneut einige Aktionen, die Missstände aufzeigen.

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Ab dem 5. Mai wird die Reutlinger Behindertenliga erneut auf Missstände in Reutlingen und in Metzingen hinweisen, die der Teilhabe im Weg stehen. Foto: Norbert Leister

"Wir gehen baden", heißt es am Donnerstag, 8. Mai. Jaja, wenn das so einfach wäre, mit Rollstuhl und all den Hürden, die es bis zum Beckenrand zu bewältigen gibt. "Das Bad ist nicht behindertengerecht", bemängelt Angelika Lotterer. Und wenn man es bis zum Becken geschafft hat? "Es gibt im Reutlinger Wellenfreibad keinen Lift, mit dem man als Rollstuhlfahrer ins Becken kommen kann und wieder raus", berichtet Helga Jansons vom Ohmi-Club beim Pressegespräch anlässlich des "Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung". Jeden 5. Mai ist dieser Tag, der für die Behindertenliga eine besondere Rolle spielt. Denn: "Manche Themen, auf die wir immer wieder hinweisen, sind ein richtiger Dauerbrenner, weil wir nicht richtig vorankommen", sagt Matthias Bach vom Ohmi-Club der KBF.

So ein Thema soll das Freibad nicht sein, auch wenn es nun zum Kulturdenkmal erhoben wurde. "Immerhin wurden jetzt schon mal drei Umkleidekabinen zusammengelegt, damit ein Rollstuhlfahrer sich dort umkleiden kann", so Rosemarie Henes von der Lebenshilfe. Aber: Dass der Weg von den Umkleiden zu den Duschen ausgerechnet für Rollstuhlfahrer am längsten sei, "das ist der Hammer", betont Jansons. Und dass ein Hebelift am Becken nicht angeschafft werde, weil der Bademeister für die Bedienung nicht abgestellt werden könne - "ich habe nicht das Gefühl, dass da irgendjemand was tun will", bemängelt Rosemarie Henes.

Dabei gehe es hier nicht um Freiwilligkeitsleistungen, sondern um Pflichten, wie Bach betonte. "Die Betroffenen haben schlussendlich einen Anspruch auf Barrierefreiheit", sagte Sascha Kopetzky von der Bruderhaus-Diakonie. "Es kann einfach nicht sein, dass hier gesagt wird, der Denkmalschutz verhindert dies und jenes - das muss einfach umgesetzt werden." Denn die UN-Behindertenrechtskonvention hat das 2006 festgeschrieben. Eine dringende Pflicht sollte nicht nur nach Meinung der Behindertenliga auch die Einrichtung von einer Vielzahl von Toiletten gerade in der Innenstadt sein. Und zwar solche, die nicht nur Menschen im Rollstuhl, sondern auch mit anderen Behinderungen benutzen können.

"Wer sich nicht gut organisieren kann, ist in öffentlichen Toiletten heillos überfordert", so Henes. Behindertengerechte Toiletten gibt es in der Innenstadt maximal zwei, wie Henes betont. Ein Unding - deshalb lädt die Liga auch am Mittwoch, 7. Mai, um 16.30 Uhr auf den Marktplatz ein, um unter dem Titel "Hilfe, ich muss mal" eine etwas andere Stadtführung mitzuerleben. Mit dabei ist auch Clown Klikusch, der mit Sicherheit humorvoll auf Missstände hinweisen wird. Die Behindertenliga erkennt dabei durchaus an, dass die Stadt guten Willens sei, was zu ändern. "Der Handlungsbedarf wurde ja erkannt", so Henes.

Am Protesttag selbst lädt die Behindertenliga am Montag, 5. Mai, um 19.30 Uhr ins Kaffeehäusle in der Alteburgstraße 15 ein: Dort ist dann der Film von Harald Sickinger zu sehen, der unter dem Titel " dass alle Menschen gleich sind" über "Erfahrungen aus einem Erkundungsprojekt gegen Diskriminierung in Reutlingen" berichtet. Die vierte und letzte Aktion wird am Samstag, 31. Mai, ab 14 Uhr auf dem Kelternplatz in Metzingen steigen. Dort sind beim "1. Metzinger Inklusionstag" Aktionen, Informationen, ein Rolli-Parcours, Infostände und Inklusionscafé angesagt, berichtet Ute Kern-Waidelich als Behindertenbeauftragte der Stadt Metzingen.

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