Baselitz und Oehlen – ein Ausstellungscoup des Kunstvereins

Ein Riesen-Coup: Zwei prominente Maler – Georg Baselitz und Albert Oehlen – zeigen im Kunstverein eigens für Reutlingen geschaffene Werke.

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  • Im Kunstverein: links Albert Oehlen, rechts Georg Baselitz. 1/2
    Im Kunstverein: links Albert Oehlen, rechts Georg Baselitz. Foto: 
  • Am Sonntag ist Eröffnung: Die Großformate der Ausstellung von Georg Baselitz und Albert Oehlen mussten per Kran ins Gebäude gehievt werden. 2/2
    Am Sonntag ist Eröffnung: Die Großformate der Ausstellung von Georg Baselitz und Albert Oehlen mussten per Kran ins Gebäude gehievt werden. Foto: 
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Es ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine „absolute Premiere“, wie Christian Malycha berichtet. Es ist die erste gemeinsame Ausstellung von Georg Baselitz und Albert Oehlen – und schon von daher „ein richtiges Glück“, wie beide bekennen. Und auch für Reutlingen ist es eine Premiere und eine kleine Sensation, dass es Christian Malycha geschafft hat, diese beiden prominenten Maler hierher zu verpflichten. Ganz zu schweigen davon, dass die beiden ihre insgesamt zwölf neuen Arbeiten, die hier ab Sonntag gezeigt werden, zum großen Teil eigens für die Reutlinger Ausstellung geschaffen haben.

Wie es dazu kam? „Ich habe einfach angerufen und gefragt“, erzählt Malycha. Beide, Baselitz und Oehlen, waren bereit, und diese Bereitschaft hat auch damit zu tun, dass Malycha im Kunstverein seit drei Jahren Ausstellungen kuratiert, die sich intensiv mit gegenwärtigen Tendenzen der Malerei auseinandersetzen – Einzel- und Überblicks-Schauen der Reihe „Wo ist hier“.

Georg Baselitz, heute 78 und seit 1958 im Westen Deutschlands lebend, ist einem breiten Publikum bekannt durch frühe, sexuell provokante Arbeiten wie „Die große Nacht im Eimer“ und mehr noch vermutlich durch sein Prinzip des „Auf-den-Kopf-Stellens“, mit dem er seit 1969 seine Motive in die Abstraktion treibt. Und Albert Oehlen, heute 62, zählte in den 80ern zur Düsseldorfer Gruppe der „Neuen Wilden“, die sich mit einer überbordend sinnlichen, heftigen und punkigen Bildlichkeit („postungegenständlich“) gegen die karg-abstrakten Malschulen der Vergangenheit absetzen wollten.

Wie auch immer, beide Künstler, so Malycha, sind „prägende Figuren“, die sich in jüngster Zeit mehr und mehr „in historischen Ausstellungen“ wiederfanden: „Sie sind Geschichte geworden.“ So hat ihre Bereitschaft zum Reutlinger Ausstellungsprojekt auch damit zu tun,  dass sie gerne „das Wagnis“ eingehen wollten, sich „ganz zeitgenössischen“ Fragen zu stellen – die vor allem „die Erneuerung der Malerei“ ins Blickfeld rücken.

Dabei ist ein weiterer Glücksfall, dass die beiden Maler, die in Alter, Herkunft und stilistischer Individualität doch sehr unterschiedlich geprägt sind, mit dieser Reutlinger Ausstellung auch in „einen generationenübergreifenden Dialog“ treten.

Nun sind die insgesamt zwölf Arbeiten meist Großformate (bei Oehlen etwa 250 auf 250 Zentimeter) und mussten per Kran durch extra große Fenster in die Kunstvereins-Räumlichkeiten hochgehievt werden. Die Arbeiten sind für Reutlingen entstanden, bei Oehlen alle sechs, bei Baselitz fast alle. Baselitz („Ich empfinde mich als Außenseiter“) ist da unter anderem mit einem Vier-Fuß-Motiv vertreten, einer Art vierspeichigem Rad aus vier stilisierten Schuhen („Ho visto un volo di colombe, 2014“). Das wiederum geht auf seine Beschäftigung mit Frida Kahlo und mit der mexikanischen Revolution zurück, greift aber auch ein Motiv von Andy Warhol auf, nämlich ein Fußdiagramm für Tanzschritte aus einem Lehrbuch. Oehlen dagegen zeigt so genannte „Baumbilder“ wie „Untitled (Baum / Tree 70)“, 2016), die beides sind – abstrakt und doch auf eine gewisse Weise repräsentativ.

Zum Stichwort „generationenübergreifender Dialog“ wäre noch eine kleine Anekdote zu nennen, die in einem Gespräch fiel, das Christian Malycha im August dieses Jahres mit den beiden Malern geführt hat. Gegenüber den Ausstellungsmachern lässt sich da Baselitz zu einer definitiv nicht ironiefreien Selbsteinschätzung hinreißen: „Bei mir habt Ihr gerade noch so einen Lebenden gefunden und bei Albert die letzte Hoffnung.“ Wie auch immer: Beide, Baselitz und Oehlen, haben für Sonntag ihr Kommen angekündigt.

Eröffnung – Dauer – Zeiten

Eröffnung Die Ausstellung „Georg Baselitz – Albert Oehlen“ eröffnet am Sonntag, 25. September, 11 Uhr, im Kunstverein Reutlingen, Eberhardstraße 14. Zur Einführung spricht: Christian Malycha. Dauer bis 15. Januar 2017. Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag 14 bis 18, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 11 bis 17 Uhr.

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